Seite 3: „Wir durften nur eine Flasche Wasser trinken“

In dieser sport­lich erfolg­rei­chen Zeit erlitten Sie mit 21 Jahren einen fürch­ter­li­chen Schick­sals­schlag. Ihre Mutter wählte den Freitod. Wie haben Sie das damals ver­ar­beitet? 
Ich weiß ehr­lich gesagt nicht, ob ich das bis heute ver­ar­beitet habe. Für mich war die Situa­tion beson­ders schlimm, weil ich der­je­nige war, der sie auf­ge­funden hat. Ich kam vom Trai­ning, bin noch kurz bei einem Freund vor­bei­ge­gangen, und als ich wie­derkam, war es pas­siert. Die Bilder sind bei mir immer noch prä­sent. So etwas ver­gisst man sein ganzes Leben nicht.

Haben Sie her­aus­ge­funden, warum sie sich umge­bracht hat? 
Meine Mutter litt unter Depres­sionen. Durch unsere Popu­la­rität stand sie auto­ma­tisch mit im Fokus. Sie war aber nicht der Typ, der immer im Mit­tel­punkt stehen wollte. Sie wollte eher ihre Ruhe haben. Ich denke, unser Erfolg hat in gewisser Weise auch zu ihrer Depres­sion bei­getragen. Sie konnte in ihrem Umfeld nicht mehr die Person sein, die sie einmal gewesen war.

Sie galten in den frühen acht­ziger Jahren als die Düs­sel­dorfer schlechthin. Warum ist Klaus 1981 trotzdem nach Köln gewech­selt und Sie ein Jahr später nach Kai­sers­lau­tern? 
Eigent­lich wollten Klaus und ich immer in Düs­sel­dorf bleiben. Der Verein hat das Geld aber drin­gend gebraucht, weil so wenige Zuschauer kamen. Weil Klaus bereits im Sommer vorher gewech­selt war, ist mir der Abschied natür­lich leichter gefallen. 

Gab es auch Offerten von anderen Ver­einen? 
Eigent­lich sollte ich zu Ein­tracht Frank­furt wech­seln, zusammen mit Rudi Völler. Wir hatten den­selben Berater. Doch aus diesem Plan ist nichts geworden. Eine Kar­riere wird auch immer von Zufällen bestimmt. In den frühen Neun­zi­gern gab es beim FC Bayern auch mal die Über­le­gung, mich nach Mün­chen zu holen.

Nachdem Tak­tik­fuchs Diet­rich Weise in Kai­sers­lau­tern schei­terte, folgte Manni Krafft, bekannt für sein eisen­hartes Trai­ning. Wie sah ein nor­maler Tag aus? 
Wir sind zwei­ein­halb Stunden gelaufen. 20 Mal 60 Meter, dann 20 Mal 80 Meter, dann 20 Mal 100 Meter, gefolgt von 20 Mal 120 Metern mit zwei Medi­zin­bällen unter dem Arm. Für Briegel waren das Golf­bälle, für mich Was­ser­bälle. Und wir durften nur eine Fla­sche Wasser trinken. Heute kennen das die Spieler gar nicht mehr, dass man kotzt nach dem Trai­ning.

Mit wel­chem Sturm­partner haben Sie am besten har­mo­niert? 
In Kai­sers­lau­tern sicher­lich mit Torb­jörn Nilsson, später in Köln mit Flem­ming Povlsen. Wir hatten in Kai­sers­lau­tern hohe Ziele. Der Kader war mit Hannes Bon­gartz, Reiner Geye, Hans-Peter Briegel, dem jungen Andy Brehme und Ronny Hell­ström im Tor sehr gut besetzt. Wir schafften es aber leider nur in den UEFA-Cup.

Warum gingen Sie 1986 zum 1. FC Köln? 
Mich ereilte der Lockruf meines Bru­ders, der bereits dort spielte. Der FC war sehr stark besetzt, mit vielen Natio­nal­spie­lern. Ein wich­tiger Grund war für mich aber, dass ich mit Klaus zusam­men­spielen konnte. Er hat den Transfer auch ein­ge­fä­delt, wie man das so macht unter Brü­dern.

In dieser Saison ver­letzten Sie sich in Ham­burg schwer, nach einem Foul von Man­fred Kaltz, der in der ganzen Bun­des­liga gefürchtet war für sein rück­sichts­loses Ein­steigen.
Ich behaupte nicht, dass er mich vor­sätz­lich ver­letzen wollte, aber er ist mit gestrecktem Bein rein­ge­grätscht und hat das bil­li­gend in Kauf genommen. Ich habe noch heute eine X‑Bein-Stel­lung im rechten Bein, weil sich die Statik des Knies kom­plett ver­än­dert hat. Es war ein kleines Wunder, dass ich über­haupt noch mal spielen konnte. Ich habe mich mit Kaltz aber später wieder ver­söhnt, auf dem Golf­platz, als er mit meinem Bruder zusammen in Bor­deaux spielte.

Wie ist es Ihnen in der schwie­rigsten Zeit ihrer Kar­riere ergangen? 
Ich war zu unge­duldig, habe schon nach einem halben Jahr wieder ange­fangen, vor den Ball zu treten. Ich wollte mich ganz schnell wieder beweisen, auch weil mich viele auf­grund der schweren Ver­let­zung schon abge­schrieben hatten. Seitdem hatte ich immer wieder Pro­bleme mit dem Knie.

Was genau steht in Ihrer Kran­ken­akte? 
Ich bin alleine sechs Mal am rechten Knie ope­riert worden. Ich weiß gar nicht mehr, in wie vielen Spielen ich mit Spritze gespielt habe.