Das Tur­nier begann schlep­pend. In den ersten fünf Spielen fielen nur vier Tore. Und Außen­ste­hende wun­derten sich wohl, wes­halb sie die Jubi­läums-Copa, die zum ersten Mal in den USA statt­fand, über­haupt ver­folgen sollten. Zumal zur glei­chen Zeit eine Euro­pa­meis­ter­schaft star­tete, die für gewöhn­lich Fuß­ball auf höherem Niveau bietet.

Die süd­ame­ri­ka­ni­schen Teams haben sich stark dem euro­päi­schen Stil ange­passt, was nicht nur an der hohen Legio­närs­quote liegt. Tak­tisch gibt es immer weniger Unter­schiede. Die Trainer legen mehr Wert auf eine kom­pakte Ver­tei­di­gung und enge Mann­de­ckung. Die Ver­rückt­heit, der Indi­vi­dua­lismus gehen zuweilen ver­loren.

Aller­dings gab es auch von Beginn an Aus­nahmen, die weniger kon­ven­tio­nellen Fuß­ball spielten. Eine bil­dete das Natio­nal­team Mexikos, das ähn­lich wie bei der WM vor zwei Jahren für eine Über­ra­schung gut war. El Tri voll­führte jedoch einen Draht­seilakt, der sich nicht aus­zahlen sollte.

Trainer Juan Carlos Osorio for­derte maxi­male Fle­xi­bi­lität von seinen Spie­lern, lief aber im Vier­tel­fi­nale gegen Chile blau­äugig ins offene Messer. Eine kra­chende 0:7‑Niederlage been­dete das Copa-Aben­teuer des mexi­ka­ni­schen Teams, das auf eine große Fan-Unter­stüt­zung zählen konnte.

Halb­final-Aus für den Gast­geber

Oft­mals war die Stim­mung bei den Spielen Mexikos besser als in den Par­tien des eigent­li­chen Gast­ge­bers USA. An einen Tur­nier­sieg der Ame­ri­kaner glaubte sowieso kaum jemand. Und die Soccer-Gemein­schaft ist im Moment sehr gut darin, ihre Natio­nal­mann­schaft bezie­hungs­weise die han­delnden Per­sonen mit Kritik zu über­schütten. Obwohl die USA die eigene Gruppe gewannen und auch das Vier­tel­fi­nale gegen Ecuador über­standen, ver­bes­serte sich die Stel­lung von Natio­nal­trainer Jürgen Klins­mann kei­nes­wegs.

Der letzte Ein­druck bleibt in Erin­ne­rung: Und dieser war die 0:4‑Klatsche gegen Argen­ti­nien, in wel­cher Klins­mann mit seiner ange­dachten Sys­tem­än­de­rung genauso ratlos wirkte wie sein Spiel­ma­cher Michael Bradley, der mehr Pässe zum Gegner als zu eigenen Mit­spie­lern brachte.

Rechts­ver­tei­diger DeAndre Yedlin gab im Nach­gang sogar zu, dass das US-Team vom aggres­siven argen­ti­ni­schen Pres­sing über­rascht wurde und anschei­nend nicht optimal darauf vor­be­reitet war.

Im Vor­feld des Halb­fi­nals schrieb Mit­tel­feld­ak­teur Ale­jandro Bedoya einen Artikel für The Players‘ Tri­bune“. Er äußerte sich zu den kri­ti­schen Stimmen, die behaupten würden, dass Ame­ri­kaner den Sport an sich nicht ver­standen hätten. Wir hören nicht auf diese Stimmen. Wir wissen, dass wir – zusammen mit unseren Fans – das Spiel weiter auf­bauen werden“, ver­si­cherte Bedoya.

Doch dazu wird es im Natio­nal­team wohl einen Umbruch geben. Ob Klins­mann oder der 29-jäh­rige Bedoya lang­fristig Teil davon sein werden, bleibt mehr als frag­lich.

Bra­si­liens Glanz ver­blasst

Den x‑ten Umbruch hat der­weil Bra­si­lien hinter sich. Von Erfolg waren sie nicht gekrönt. Nun ging das Expe­ri­ment mit Trainer Dunga schief. Der 52-Jäh­rige bestritt bereits seine zweite Amts­zeit als Natio­nal­coach, und erneut konnte er mit seiner vor­nehm­lich defen­siven Vor­stel­lung von Fuß­ball keine großen Erfolge feiern.

Dunga über­nahm das Amt nach der Heim-Welt­meis­ter­schaft, in der Bra­si­lien bekannt­lich nach einer schmach­vollen Nie­der­lage gegen Deutsch­land aus­ge­schieden war.

Im ver­gan­genen Jahr schei­terte Bra­si­lien im Copa-Vier­tel­fi­nale, in der Qua­li­fi­ka­tion zur WM 2018 liegt die Seleção nur auf Rang sechs, und bei dieser Copa über­stand das Team nicht einmal die Grup­pen­phase.

Wenn­gleich die ent­schei­dende Nie­der­lage gegen Peru durch ein klares Handtor von Raúl Rui­díaz zustande kam, ist ein neuer Tief­punkt erreicht. In den Par­tien gegen Ecuador sowie Peru zeigte Bra­si­lien wenig von der früher so gefürch­teten Offen­siv­stärke.

Dar­über kann ein 7:1‑Sieg gegen den krassen Außen­seiter Haiti auch nicht hin­weg­täu­schen. Die Seleção ist in einer Iden­ti­täts­krise und gehört im Moment nicht zu den stärksten Mann­schaften auf dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nent.