Ange­fangen hat alles mit Rolf-Christel Guié-Mien. Und mit Chen Yang. Am 9. Oktober 2017, es war gerade Län­der­spiel­pause, ver­öf­fent­lichte der Twitter-User Ver­trags­ama­teur Bela­mi­gović“ auf seinem Account zwei Fotos, auf dem die beiden Frank­furter ein Tor beju­beln, Guié-Mien auf Yangs Rücken. Die Bilder hatte er aus einer alten Bun­des­liga-Clas­sics-DVD, die er aus Län­der­spiel­pausen-Lan­ge­weile ein­ge­schoben hatte. Von nun an, beschloss Bela­mi­gović, würde er unter dem Hashtag #bela­liga jeden Tag an ver­ges­sene Bun­des­liga-Legenden der Neun­ziger und Zwei­tau­sender erin­nern.

Einen Tag später folgt das erste Video: Leicht ver­pi­xelt erkennt man das alte Ost­see­sta­dion in Ros­tock. Ein langer Ball auf Hansa-Stürmer Magnus Arvidsson. Der lässt Kai­sers­lau­terns Ver­tei­diger Slo­bodan Komlje­novic ins Leere laufen und schiebt den Ball an Andy Reinke vorbei ins Tor – 4:2. Und das in der 44. Minute! So eine ver­rückte Halb­zeit habe ich lange nicht mehr gesehen“, japst Werner Hansch ins Kom­men­ta­toren-Mikro. Es ist der 22. August 1999, der 2. Bun­des­liga-Spieltag. Sonne flutet das Ostee­sta­dion. Die Hansa-Kurve dreht frei. Life is good.

Es ist für mich Rück­blick auf unbe­schwerte Zeiten“, sagt Bela­mi­gović Ende 2020 im 11FREUNDE-Inter­view. Nicht nur für ihn. Bei Twitter erfreuen sich die täg­li­chen Video­schnipsel zuneh­mender Beliebt­heit. Auf­grund des Erfolgs beschließt Bela­mi­gović, zu expan­dieren. Am 12. November 2020 geht @belaliga bei Insta­gram online. Und wird dort sogar noch erfolg­rei­cher als die Twitter-Ver­sion. Rund 18.500 Fol­lower ver­sam­meln sich dort, um Tore von Lars Kindgen oder Andrzej Rudy zu sehen. Bis zum ver­gan­genen Montag.

Herr Bela­mi­gović, wie haben Sie von Ihrer Sperre bei Insta­gram erfahren?
Am Mon­tag­abend ging bei mir die erste Mail ein. Darin stand: Ihr Konto wurde vor­über­ge­hend gesperrt.“ Weil irgendein Bei­trag gemeldet wurde, hieß es. Ver­dacht auf Ver­stoß gegen Rechte an geis­tigem Eigentum anderer oder so. Fünf Minuten später kam die nächste Mail, dann die dritte. Das hat dann offenbar zur end­gül­tigen Löschung des Kanals geführt. Ich hatte nicht einmal die Mög­lich­keit, darauf zu reagieren und die gemel­deten Bei­träge zu ent­fernen, ich wurde direkt gelöscht.

Was macht das mit Ihnen?
Ich finde das sehr schade. Hat doch keinem weh­getan. Im Gegen­teil. Mir hat das alles sehr viel Spaß gemacht und ich glaube, vielen anderen auch.

Können Sie sich erklären, warum es zur Sper­rung gekommen ist?
Nicht wirk­lich. Es sind ja nichtmal aktu­elle Spiel­szenen. Ich nehme nie­mandem etwas weg oder hin­dere Leute daran, ein Abo irgendwo abzu­schließen, wo sie diese Uralt-Auf­nahmen sonst sehen könnten. Ich weiß jeden­falls von keiner Platt­form, für die man bezahlt und dort Bela­liga-Videos sehen kann. Ich habe damit kein Geld ver­dient, keine Wer­bung geschaltet.

Das Mate­rial für die Clips stammt zu großen Teilen von VHS-Kas­setten, die Bela­mi­gović mühe­voll digi­ta­li­siert hat. Bun­des­liga-Clas­sics, Best-of ran, Sport­schau oder Pre­miere. Manchmal greift er auch auf You­Tube zurück. In einer Excel-Tabelle hält er fein­säu­ber­lich fest, wel­ches Video er von wel­chem Spieler von wel­chem Verein an wel­chem Tag postet.

Recht­lich dürfte die Sache den­noch klar sein.
Das denke ich auch. Wenn jemand die Videos bei Insta­gram meldet und auf das Urhe­ber­recht ver­weist, ist das formal sicher kor­rekt. Die Rechte an den Videos liegen nun einmal nicht bei mir. Dass dieser Tag irgend­wann kommen könnte, hatte ich immer im Hin­ter­kopf.

Schon über anwalt­liche Hilfe nach­ge­dacht? Von Chris­toph Schick­hardt? Oder Dr. Hüttl?
Mich kann jetzt nur noch die juris­ti­sche Exper­tise der Twitter-Userin @taubentussi retten, indem sie mich durch alle Instanzen klagt. Bis das Ding wieder online ist.

Haben Sie eine Ver­mu­tung, wer Sie gemeldet hat?
Nein, keine Ahnung. Irgend­je­mand hat es sich anschei­nend zur Auf­gabe gemacht, sich hinter seinen Com­puter zu setzen und Bei­träge von mir zu melden, damit der Kanal ent­fernt wird.

Es sind mit­nichten Traum­tore, spek­ta­ku­läre Tricks oder Vor­lagen, die man bei Bela­liga sehen kann. Im Gegen­teil: Man­ches Video wirkt fast ein biss­chen trostlos, 08/15-Tore nach mäßigen Spiel­zügen vor spär­lich besetzten Tri­bünen. Bela­mi­gović sagt: Es ist auch eine Wür­di­gung von Spie­lern, die etwas in Ver­ges­sen­heit geraten sind.“ Manchmal erhält er auch Nach­richten von Leuten, die sich für bestimme Clips bedanken, weil genau das Tor bei ihrem ersten Sta­di­on­be­such gefallen ist. Wie gesagt: Erin­ne­rungen an unbe­schwerte Zeiten. Klar, man­ches sicher nost­al­gisch ver­klärt. Aber schön.