Es heißt, Sie haben Ihre Beid­fü­ßig­keit den Extra-Trai­nings­schichten mit Ihrem Vater zu ver­danken. Wie hat er Sie trai­niert?

Trai­niert haben wir auf einem Rasen­platz nahe der hol­län­di­schen Grenze, bei meinem Hei­mat­verein Con­cordia Viersen. Es han­delte sich um Technik-Trai­ning – Ball hoch­halten und Dribb­lings. Und damals war es ihm sehr wichtig, dass ich links wie rechts glei­cher­maßen stark bin.

War Ihr Vater ein harter Hund?

Nein, das nicht. Aber er ist schon sehr anspruchs­voll. Er hat mich immer ange­spornt und mir neue Ziele gesteckt. Vor allem beim Umgang mit dem Ball. Aber es hat nicht lange gedauert, da war ich besser als er.



Im Sommer 2003 war Chelsea an Ihnen inter­es­siert. Warum sind Sie nicht gewech­selt?

Es war nur ein kurzer Tele­fon­kon­takt. Damals war ich noch B‑Jugendspieler, und es war die Zeit, als Mikael Fors­sell nach Glad­bach gewech­selt ist. Es bestand somit ohnehin Kon­takt zwi­schen Chelsea und dem VFL.

Aber Sie hatten sicher­lich kurz über­legt, ob Sie wech­seln sollten, falls sich die Mög­lich­keit ergibt.

Natür­lich war das eine große Ehre für mich. Und ich habe auch das ein oder andere Mal von Chelsea und den eng­li­schen Sta­dien geträumt. Jedoch war es mir zu gewagt, als Jugend­li­cher alleine in ein fremdes Land zu gehen.

Bereuen Sie es, dass Sie nicht den Mut bewiesen haben?

Keine Sekunde. Ich bin Profi bei meinem Lieb­lings­verein. Bis hierhin habe ich alles richtig gemacht. Ich spiele dort, wo ich das Fuß­ball spielen gelernt habe. Und es war immer mein Ziel, den Durch­bruch bei der Borussia zu schaffen. Außerdem kam ein halbes Jahr nach dem Kon­takt zu Chelsea Roman Abra­mo­witsch, das wäre also keine gute Kon­stel­la­tion gewesen.

Anfang der Saison hat der AS Monaco Inter­esse an Ihnen bekundet.

Ja, das stimmt. Es war in der Saison-Vor­be­rei­tung. Aber ich habe mit­ge­teilt, dass ich in Mön­chen­glad­bach bleiben möchte, weil ich hier Erfah­rung sam­meln kann. Daher habe ich erst gar nicht lange über­legt.

Sehen Sie Glad­bach als klas­si­schen Aus­bil­dungs­verein, als Sprung­brett?

Ich hoffe, dass ich mich beim VFL als Spie­ler­per­sön­lich­keit wei­ter­ent­wi­ckeln kann und wir als Mann­schaft hohe Ziele errei­chen. Ich würde nicht behaupten, dass ich hier nur lernen kann und dann zu einem grö­ßeren Klub wech­seln muss, um nach Höherem zu streben.

Ihre Traum­ver­eine sind der HSV, Juve, Barca, Real, Milan und Chelsea. Bei wel­chem dieser Klubs werden Sie einmal landen?

Das sind natür­lich super Ver­eine und ein Traum für jeden Fuß­baller. Aber ich setze mir nicht das Ziel in den nächsten Jahren bei einem dieser Ver­eine zu landen. Eher ver­suche ich meine Leis­tung zu bringen, alles andere kommt von alleine. Daher stellt sich diese Frage gar nicht.

Sie sind ein Glad­ba­cher Eigen­ge­wächs. Aber sind Sie auch ein wasch­echter Borusse?

Ja, natür­lich. Ich war damals mit meinem Vater so oft es ging am Bökel­berg in der Nord­kurve. Außerdem sind wir beide Mit­glieder bei der Borussia. Dieser Verein liegt mir sehr am Herzen und ich habe ihm viel zu ver­danken.

Und jetzt spielen Sie selber dort.

Ja, ein abso­luter Traum.

Wer sind Ihre größten Bezugs­per­sonen im aktu­ellen Glad­bach-Team?

Vor allem Kasey Keller und Thomas Helveg sind schil­lernde Per­sön­lich­keiten, von denen man viel lernen kann.

Seit dem Weg­gang von Effen­berg fehlt der Borussia ein Wort­führer auf dem Platz. Warum über­nehmen Sie diesen Job nicht, immerhin fehlt es Ihnen nicht an Per­sön­lich­keit.

Noch fehlt es mir an Erfah­rung und Cle­ver­ness, daher bin ich nicht der­je­nige, der auf dem Platz der Leit­wolf ist. In diese Rolle muss man hin­ein­wachsen, das geschieht nicht von heute auf morgen.

Aber Sie waren Kapitän in fast allen Jugend­mann­schaften der Borussia und Aus­wahl­mann­schaften des DFB.


Bereits in der Jugend habe ich gelernt, dass man Ver­ant­wor­tung über­nehmen muss. Natür­lich war es immer eine Ehre für mich, Kapitän zu sein. Ganz gleich ob beim VFL oder beim DFB. Aber jetzt muss ich mich erst einmal in der Bun­des­liga eta­blieren.

Wie lange wird es dauern, bis Sie in Glad­bach die Binde tragen?

Es ist egal, wer Kapitän ist. An die Binde ver­schwende ich keinen Gedanken.

Für diese Saison war Ihr Durch­bruch bei­nahe schon vor­pro­gram­miert. Woran liegt es nun, dass Ihre Ent­wick­lung ins Sto­cken gerät?

Im Moment sieht es nicht gerade rosig aus. Wir haben als Team eine schwie­rige Situa­tion, die für mich jedoch sehr lehr­reich ist. Schließ­lich lernt man aus Feh­lern am meisten.

Zur Lage der Borussia: sport­liche Kon­zept­lo­sig­keit, feh­lende spie­le­ri­sche Mittel, keine Hier­ar­chie im Team, unge­dul­dige Fans und eine ehr­gei­zige Ver­eins­füh­rung. Muss man sich Sorgen machen?


Wir arbeiten hart an uns und wissen, dass nicht alles so schlecht ist, wie es die Presse dar­stellt. Natür­lich ist uns klar, dass es so nicht wei­ter­geht.

Aus­wärts­spiele in Stutt­gart und Mün­chen stehen vor der Türe. Haben Sie die Hin­runde bereits abge­hakt?

Nein, das sicher­lich nicht. Dann wären wir Fehl am Platz. Wir glauben an uns und werden da unten wieder raus­kommen.

Was muss sich denn dazu ver­bes­sern?

Ganz ein­fach, wir müssen bes­seren Fuß­ball spielen. Wenn das der Fall ist, kommt der Erfolg von ganz alleine.

Die Fans murren in letzter Zeit recht häufig. Sind sie zu unge­duldig oder über­kri­tisch?

Die Erwar­tungs­hal­tung wird von Jahr zu Jahr größer. Nun wurde im Vor­feld der Saison vom UEFA-Cup gespro­chen. Und diese Erwar­tung konnten wir bis­lang nicht erfüllen. Doch wenn wir bes­seren Fuß­ball spielen, hören auch die Pfeif­kon­zerte auf.

Spricht der 61-jäh­rige Heynckes die gleiche Sprache wie ein 20-jäh­riger Polanski?

Das Alter spielt keine Rolle. Gerade die jungen Spieler können sehr viel von ihm lernen. Er will nur das Beste für die Mann­schaft, ist sehr akri­bisch, anspruchs­voll und nicht leicht zufrieden zu stellen. Wenn wir trai­nieren, dann mit tau­send­pro­zen­tigem Ein­satz.

Zu guter Letzt: Sie und Ihr Vater tragen den­selben Vor­namen. Wie nennt Frau Polanski ihren Mann und wie ihren Sohn?

Mitt­ler­weile wohne ich nicht mehr zu Hause. Daher ist das Pro­blem gelöst. Aber wenn ein har­scher Ton vor­herrschte, war immer mein Vater gemeint. Denn ich bin ganz klar der Liebe in der Familie.