Herr Jäggi, welche Ver­bin­dung hatten Sie zum FCK, bevor Sie 2002 Ihr Amt als Vor­stands­vor­sit­zender antraten?

Ich war Vor­stands­vor­sit­zender von adidas gewesen und hatte von daher engen Kon­takt zu Fritz Walter, dem Ehren­spiel­führer des DFB. Ich war also des öfteren auf dem Bet­zen­berg zu Gast und fand es immer sehr beein­dru­ckend, dort Spiele zu sehen.

Haben Sie bei den Alt­vor­deren Nach­hil­fe­stunden in Geschichte genommen, bevor Sie Ihr Amt antraten?

Fritz Walter war leider schon ver­storben. Aber ich war durch andere gewarnt, dass der FCK ein nicht ganz all­täg­li­cher Fuß­ball­verein ist.

Den­noch dürfte das, was Sie dort erwar­tete, Ihre Erwar­tungen über­troffen haben.

Es ist, als wenn Sie zu einem Kapitän sagen: Jetzt fahr’ mal mit diesem Kutter über den Ozean.“ Sicher­lich weiß er, was hoher Wel­len­gang bedeutet, aber wenn er auf dem offenen Meer ist, stellt es sich doch anders dar, als er es in den Büchern gelernt hat. Der FCK hat schon ein hoch­ex­plo­sives Umfeld – gerade, wenn es nicht läuft.

Worin bestanden die Unter­schiede zwi­schen Ihrer Mis­sion beim FC Basel und der beim FCK?

In Basel bin ich ein Baseler. Da fällt also das Prä­dikat Aus­länder“ weg. Zudem hatte ich beim FC Basel eine gewisse Anlauf­zeit, die dann auch Erfolge zei­tigte. Wenn Sie sich heute die Crew anschauen, so ist das immer noch meine Crew. Es ist eine reine Erfolgs­ge­schichte. Lau­tern hin­gegen war ein Verein, der vorm Ertrinken zu retten war.

Stimmt es denn eigent­lich, wenn gesagt wird: Wenn der FCK absteigt, stirbt die Region“?

Die Frage ist: Wohin steigt er ab? Wenn er in die Regio­nal­liga absteigt, wird es natür­lich schwer. Aber das betrifft auch andere Städte und ihre Ver­eine wie etwa Köln oder Saar­brü­cken, wo Abstiege ähn­liche Schock­wellen aus­lösen. In der Pfalz ist es so, dass es schlichtweg keine Alter­na­tiven zum FCK gibt, sowohl sport­lich als auch kul­tu­rell. Von daher stirbt dort schon einiges ab, wenn der Verein nicht zumin­dest Zweit­li­ga­fuß­ball spielt.

Sind die expo­nierte Bedeu­tung des FCK und auch die Tra­di­tionen, die er ver­kör­pert, eine Bürde?

Bei adidas (dort war Jäggi von 1987 bis 1992 Vor­stands­vor­sit­zender, Anm d. Red.) habe ich einmal gesagt: The heri­tage is our future.“ Aber da gab es keine mode­ra­teren Zeugen der Ver­gan­gen­heit mehr. Bei Lau­tern treten sie kon­zen­triert auf. Auf dem Bet­zen­berg sitzen ja zudem zwei alte Welt­meister von 1954 und ver­folgen die Spiele. Oft heißt es: Wenn der Fritz Walter das noch erleben würde, der würde sich im Grab umdrehen“, ist das für 19‑, 20-jäh­rige Spieler eine enorme Belas­tung

Auch in der jün­geren Ver­gan­gen­heit gab es Erfolge zu ver­zeichnen. Waren die beiden Meis­ter­titel 1991 und 1998 mehr Fluch als Segen?

Meis­ter­titel nimmt man so, wie sie kommen. Man lehnt ja keinen Erfolg ab, weil man ihn nicht ver­ar­beiten kann. Otto Reh­hagel, der Meis­ter­trainer von 1998, war eine außer­ge­wöhn­liche Per­sön­lich­keit, die in dieses Umfeld gepasst hat. Er war in Lau­tern sehr erfolg­reich – trotzdem hat man ihn aus der Stadt gejagt. Das hat mit den han­delnden Per­sonen zu tun. Die standen unter einem enormen Druck, wollten die Geschichte dupli­zieren. Doch dann mussten sie fest­stellen, dass es nicht reicht, wenn man einem Pia­nisten beim Spielen zuschaut, um selbst Kla­vier spielen zu können. Doch genau das hatten Sie gedacht: Jetzt haben wir dem Otto Reh­hagel zwei Jahre lang zuge­guckt, jetzt wissen wir, wie es geht.“ Dann haben sie zu Maß­nahmen gegriffen, die, wie man in der Zwi­schen­zeit weiß, nicht rech­tens waren.

Wo sehen Sie die gra­vie­renden Ereig­nisse, die aus dem potenten Bun­des­li­gisten FCK einen Abstiegs­kan­di­daten in der 2. Liga gemacht haben?

Die Frage ist: Wohin gehört der FCK? Der Urfehler war, sich nach der Meis­ter­schaft per­ma­nent unter Druck zu setzen – mit Leuten, die das Kaliber nicht hatten, damit umzu­gehen, wenn es nicht klappt. Sie haben ver­sucht, mit allen mög­li­chen Mit­teln zu Erfolg zu kommen. Der zweite Fehler war – das sage ich jetzt mit einiger Distanz –, sich um die Welt­meis­ter­schaft zu bewerben. Das hatte etwas Groß­spu­riges. Wenn man sieht, wie viele Mil­lionen in diesen Verein flossen und dann gleich wieder raus… Aus poli­ti­schen Gründen dem Bau­un­ter­nehmen Philipp Holz­mann in Liqui­da­tion ein Bau­vo­lumen über 90 Mil­lionen Mark zu geben – das war grob fahr­lässig. Es ist eine lange Kette von Fehl­ent­schei­dungen, von Irr­läu­fern der Emo­tion. Das hat dazu geführt, dass das wirt­schaft­liche Umfeld im Prinzip null war, es gab keine Spon­soren mehr. Wenn der Dr. Pohl von der DVAG dem Verein nicht die Stange gehalten hätte, dann gäbe es diesen Verein nicht mehr. Es sind weit über 50 Mil­lionen, die von ihm in den Verein geflossen sind.

Welche Fehler haben vor allem die Herren Wie­sche­mann und Fried­rich gemacht?

Ich richte nicht. Jeder in diesem Geschäft macht Fehler. Wenn man ange­sichts des Drucks, der von den Medien noch poten­ziert wird, nicht sou­verän über den Dingen steht und nur Dinge tut, die man sich auch leisten kann, dann macht man Fehler. Wenn es ins Kri­mi­nelle geht, dann sind das unver­zeih­liche Fehler. Wir haben drei, vier Jahre gebraucht, um das wie­der­auf­zu­räumen – und können von Glück reden, dass die Liga damals so groß­zügig mit uns war und nicht gleich den Zwangs­ab­stieg ver­an­lasst hat.

1999 wurde Welt­meister Djor­kaeff geholt, der das sen­sible Gefüge sprengte.

Djor­kaeff ist nur ein Name, Taribo West ein wei­terer. Schon vorher gab es Fälle gerin­gerer Grö­ßen­ord­nung wie etwa Schjön­berg, Sforza und andere. In dem Moment, in dem sie glaubten, sie hätten ein tod­si­cheres System gefunden, in dem die Ein­kom­mens­steuer über den Ver­kauf von Per­sön­lich­keits­rechten umgangen werden kann, war das Pro­blem vor­handen. Obwohl in Frank­furt im Falle von Yeboah schon ein Urteil gespro­chen worden war, hat man geglaubt, es gebe ein Pfälzer Modell. Das hat nicht lang­fristig funk­tio­niert und zum Kol­laps geführt.

Welche Trans­fers waren unter rein sport­li­chen Gesichts­punkten falsch?


Man hat zu oft auf Leute gesetzt, die im Ver­hältnis zu ihrem Ein­kommen nicht das gehalten haben, was sie ver­spro­chen hatten. Die erste Ver­pflich­tung von Ciriaco Sforza war gut, die zweite viel­leicht schon nicht mehr so gut, die dritte war falsch. Oder Basler: Bei Bremen fan­tas­tisch, bei Bayern schon nicht mehr so, bei Lau­tern ein Steh­geiger. Es gäbe wei­tere Bei­spiele von Spie­lern, die nicht gut genug waren, als der FCK ihre Leis­tung gebraucht hätte.

Basler, Sforza, Djor­kaeff: Drei Namen die das über­stei­gerte Anspruchs­denken sym­bo­li­sieren.

Die Stadt Frei­burg hat 10.000 Ein­wohner mehr als Kai­sers­lau­tern. Dort lebt man damit, dass es mal hoch geht und mal runter – und trotzdem wird eine gute Jugend- und Auf­bau­ar­beit geleistet. Beim FCK über­dehnt man sich ständig, um oben zu bleiben. Nach dem Bosman-Urteil gingen die Spie­ler­ge­hälter in den zwei­stel­ligen Mil­lio­nen­be­reich. Schon von daher ist es für einen Verein wie den FCK schwierig, sich lang­fristig in der ersten Liga zu eta­blieren. Wir hatten zum Schluss ein Budget von 13 Mil­lionen Euro für Spie­ler­ge­hälter – das sind beim FC Bayern Gehalts­kosten für zwei bis drei Spieler. Man hat beim FCK einen Zweit­li­ga­anzug an, will sich aber mit den ganz großen messen.

Sie bezeich­neten Fried­rich, Wie­sche­mann und Herzog einmal, als Schar­la­tane“. Ist der Pfälzer gene­rell leicht­gläubig und ein leichtes Opfer für solche Schar­la­tane?

Die Pfälzer sind sehr groß­zü­gige Men­schen, gast­freund­lich und haben ein rie­siges Herz. Sie werden kaum einen Verein finden, der sich so auf seine Fans ver­lassen kann – auch in harten Zeiten. Es wird beim FCK ja seit Jahren hartes Brot gegessen. Sie hängen mit dem Herzen am FCK und sind natür­lich sehr emp­fäng­lich für Heils­ver­spre­chen. Wenn man mit sol­chen Gefühlen so schamlos umgeht, dann muss man als Schar­latan bezeichnet werden.

Hat Ihnen die Begeis­te­rungs­fä­hig­keit der Pfälzer die Arbeit zuweilen selbst erleich­tert? Sie gelten als bril­lanter Rhe­to­riker.

Kann sein, ich weiß es nicht. Mir ist es geglückt, die Leute zu über­zeugen, weil ich dort keine Wur­zeln hatte. Einem Kai­sers­lau­terer wäre es bestimmt schwerer gewesen, die Leute von dem drin­gend not­wen­digen Sta­di­on­ver­kauf zu über­zeugen, zu diesen Summen, in dieser Schnel­lig­keit. Wenn man da auf­ge­wachsen ist, muss man poli­ti­sche Gepflo­gen­heiten und Seil­schaften berück­sich­tigen. Ich als Aus­wär­tiger konnte relativ schnell und ohne Emo­tion an die Sache her­an­gehen.

Sie sagten 2002 vor­aus­schi­ckend: Mich reizt der FCK, aber ich bin ungern der Mes­sias.“ Den­noch: Die Hoff­nungen, die auf ihnen ruhten, müssen einen enormen Druck aus­geübt haben.


Keiner wusste, wie schlimm es war. Ich habe von Herrn Kirsch, der damals in der Oppo­si­tion war, einen Brief bekommen, in dem Dinge erwähnt wurden, die ich dann zusammen mit Dr. Schick­hardt und Prof. Müller unter­sucht habe. Wir sind zu dem schreck­li­chen Ergebnis gekommen, dass alles noch viel schlimmer war, als Herr Kirsch ver­mutet hatte. Dann musste man den Leuten klaren Wein ein­schenken, und sie haben gesagt: Gott sei Dank ist jetzt jemand da, auf den wir uns ver­lassen können.“ Im Laufe der Zeit hat sich das Blatt zwar langsam gewendet, aber anfangs war enormes Ver­trauen in meine Person da.

Wie ver­schuldet war der Verein eigent­lich, als sie ihn 2002 über­nommen haben?

65 Mil­lionen Euro.

Laut Jürgen Fried­rich basierte der Etat des FCK unter seiner Füh­rung ledig­lich auf dem Errei­chen der 2. Haupt­runde des DFB-Pokal und dem Klas­sen­er­halt.


Wenn Sie sich auf Dinge beziehen, die Herr Fried­rich gesagt hat, würde ich Sie bitten, die Gerichts­ur­teile und die Gut­achten der Wirt­schafts­prüfer zu lesen. Der Verein war über­schuldet, der Verein hatte nega­tives Eigen­ka­pital, der Verein hatte 65 Mil­lionen Euro Schulden, der Verein hatte ein Papier zum Bau des neuen Fritz-Walter-Sta­dions unter­schrieben, dass alles, was die Summe von 92 Mil­lionen Mark über­schreitet, der FCK zahlt – das Sta­dion hat 150 Mil­lionen Mark gekostet, der Verein hätte also wei­tere 50 bis 60 Mil­lionen Mark bezahlen müssen. Also alles, was Herr Fried­rich in diesem Zusam­men­hang sagt, das inter­es­siert mich wirk­lich nicht. Er ist rech­tens ver­ur­teilt worden.

Es soll ein Gentlemen’s Agree­ment zwi­schen FCK-Prä­si­dent Nor­bert Thines und DFB-Prä­si­dent Egi­dius Braun gegeben haben, dass Kai­ser­lau­tern ein WM-Spiel bekomme, ohne das Sta­dion aus­bauen zu müssen.

Das höre ich zum ersten Mal. Ich glaube nicht, dass der DFB in der Lage war, sich über FIFA-Richt­li­nien hin­weg­zu­setzen. Man wollte die WM in die Stadt Fritz Wal­ters holen. Sicher­lich hat es auch damit zu tun gehabt, dass in dem Jahr Bundes- und Land­tags­wahlen statt­fanden, und hatte das Land Rhein­land-Pfalz ein Inter­esse daran, 2006 im besten Lichte zu erscheinen.

Für viele ist der Verein eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit. Macht das eine nüch­terne Dis­kus­sion unmög­lich?

Unmög­lich! Sie können in Lau­tern nicht emo­ti­onslos über Fuß­ball reden. Das beginnt an der Tank­stelle, das beginnt beim Bäcker, das beginnt in den Kneipen. Läuft es gut, merken Sie, wie das Brut­to­so­zi­al­pro­dukt am Montag steigt, läuft es schlecht, dann leidet die ganze Region. Das macht fach­liche Dis­kus­sionen unmög­lich. Ich hatte es in meinem Leben noch nicht erlebt, dass man so emo­tional an die Geschichte her­an­geht. Es kommt zu Wut­an­fällen, bei denen der gute Ton ver­loren geht.

Das Anspruchs­denken im Umfeld, die Alt­lasten, die Sie zu ver­walten hatten. Haben Sie manchmal gedacht: Was habe ich mir bloß angetan?“?


Ja, natür­lich! Es ist wie bei jeder schwie­rigen Auf­gabe. Der FCK ist ein urei­gener Verein, der natür­lich pola­ri­siert. Aber wenn man erstmal dabei ist, dann lässt es einen nicht mehr los. Ich wurde ja auch vom FCK-Virus infi­ziert! Ich habe den Staf­fel­stab über­nommen, bin gelaufen und habe alles gegeben. Dann habe ich ihn wei­ter­ge­geben und hoffe nun, dass die­je­nigen, die den Staf­fel­stab jetzt haben, den Verein da unten raus holen.

Sind Sie noch am Bet­zen­berg zu Gast?

Nicht mehr bei jedem Spiel, aber wenn es irgendwie geht, schaue ich es mir an.

Werden Sie herz­lich emp­fangen?

Mit einigen Aus­nahmen sind die Leute, die mir begegnen, sehr wohl­wol­lend. Sie sagen: Wenn es die harte Hand nicht gegeben hätte, wäre der Verein heute ver­schwunden. Am kri­tischsten fragen sie noch, was ich mir denn für Nach­folger aus­ge­sucht hätte.

Gute Frage.

Ja, aber mit der Aus­nahme von Wolf­gang Wolf hatte ich mit der Aus­wahl nichts zu tun.

Die Pharma-Mil­li­ar­därin Gisela Oeri, die den FC Basel noch unter­stützt hatte, zeigte kein Inter­esse an einem Enga­ge­ment beim FCK. War das ein Rück­schlag für Sie?

Da ist nichts dran. Sie ist Prä­si­dentin des FC Basel, ein Enga­ge­ment beim FCK stand nie zur Dis­kus­sion.

Welche Spon­soren haben Sie dem FCK ver­schafft?

Ich konnte dem FCK keine Spon­soren ver­schaffen, weil das gesamte Mar­ke­ting an sport­five“ über­geben wurde.

Sie ließen als­bald die Geschäfts­vor­gänge der zurück­lie­genden fünf Jahre unter­su­chen. Schließ­lich stellte Ihnen der Wirt­schafts­prüfer Pri­ce­Wa­ter­house­Coo­pers Steu­er­nach­zah­lungen in Mil­lio­nen­höhe in Aus­sicht. Ein Schock?

Ein Schock war viel­leicht die Unnach­gie­big­keit des Finanz­amts Kai­sers­lau­tern: Das muss bezahlt werden, ansonsten machen wir eine Zwangs­voll­stre­ckung.“ Und es war ein Schock, dass es über­haupt mög­lich ist, so etwas jah­re­lang zu machen, ohne dass etwas ans Tages­licht kam. Bei der von Minis­ter­prä­si­dent Beck geführten Mit­glie­der­ver­samm­lung 2003 wurden Erwin Göbel und ich beauf­tragt, alles lückenlos auf­zu­klären, ohne Rück­sicht auf Namen und Titel.

Sie infor­mierten umge­hend das Finanzamt über die dubiosen Vor­gänge. Wäre es für einen Sanierer nicht auch eine Option gewesen, still­zu­halten, um diese hor­rende Zah­lung zu ver­meiden? Immerhin war das Finanzamt nicht von selbst auf die ver­schlei­erten Zah­lungen gekommen.


Nein! Absolut unmög­lich. Ich habe damals, bevor ich zum Finanzamt gegangen bin, mit Prof. Müller Dr. Schick­hardt in Mainz beim Staats­se­kretär Deubel vor­ge­spro­chen und habe emp­fohlen, dass ich das Amt sofort nie­der­lege und es dem FCK über­lasse zu tun, was er will. Man hat mir dann die deut­sche Recht­spre­chung vor­ge­lesen: Wenn ein Vor­stands­vor­sit­zender weiß, dass etwas nicht rech­tens ist, hat er die Pflicht, dass anzu­melden.

War dieser Moment die Meta­mor­phose des FCK von einem Fuß­ball­verein, der Pi mal Daumen ver­waltet wird, zu einem Wirt­schafts­un­ter­nehmen?


Das glaube ich. Wenn man den wirt­schaft­li­chen Teil pro­fes­sio­nell abspielt, muss man sagen: Ich bin lieber die Nummer 12, und dafür hat alles seine Rich­tig­keit.

Sind die von Fried­rich und Co. erson­nenen krea­tiven“ Ver­träge im Fuß­ball­ge­schäft üblich?

Das glaube ich nicht. Nach dem Fall Yeboah haben viele Ver­eine auf Anraten ihrer Wirt­schafts­prüfer sich umge­hend mit ihrem Finanzamt in Ver­bin­dung gesetzt, um zu klären: Wir haben hier einen ver­gleich­baren Fall – können wir den regeln?“ Heute glaube ich, so wie ich die Ver­ant­wort­li­chen der Bun­des­li­ga­ver­eine kenne, dass so etwas nicht mehr vor­kommt.

Im Falle von Djor­kaeff ent­schied die Wirt­schafts­kammer Kai­sers­lau­tern 2005, dass es sich bei der Summe, die für seine Per­sön­lich­keits­rechte an eine Schweizer Firma floss, um eine recht­mä­ßige Ren­ten­ver­ein­ba­rung gehan­delt hatte.


Die han­delnden Per­sonen sind ver­ur­teilt worden. Wir haben die Steuern bezahlt für das, was das Finanzamt per Steu­er­be­scheid von uns gefor­dert hat. Die habe ich nicht gemacht! Glauben Sie eigent­lich, der Innen­mi­nister des Landes Rhein­land-Pfalz und der Ober­bür­ger­meister der Stadt Kai­sers­lau­tern, die im Auf­sichtsrat saßen, hätten etwas ans Finanzamt bezahlt, was nicht not­wendig gewesen wäre? Es gab keine Lex Jäggi“, son­dern Recht und Ord­nung sowie die ord­nungs­ge­mäße Buch­füh­rungs­pflicht, wie sich das für ein mit­tel­stän­di­sches Unter­nehmen gehört – und das galt auch für den FCK.

Von Seiten Fried­richs und Wie­sche­manns wird Ihnen vor­ge­worfen, Sie hätten sie platt machen wollen, auf Ihren Gebeinen tanzen“ wollen.

Die deut­schen Gerichte haben bis zum Bun­des­ge­richtshof Urteile gefällt. Das Thema ist für mich also ad acta gelegt. Herr Fried­rich und Herr Wie­sche­mann werden sicher­lich nicht irgend­etwas Gutes an mir lassen. Aber damit kann ich wirk­lich leben.

Ist Fried­rich und Wie­sche­mann auch Unrecht getan worden?


Weiß ich nicht. Von mir sicher­lich nicht. Ich habe zwei‑, dreimal ange­boten, mit den Herren zu spre­chen. Man hat mich abge­kan­zelt mit den Worten, ich hätte keine Ahnung. Von Seiten der Medien und den Mit­glie­dern, die sich ver­schau­kelt fühlten, ist bestimmt das eine oder andere harte Wort gefallen. Ich selbst habe mich nur ganz selten öffent­lich geäu­ßert.

Ist der Fuß­ball ein schmut­ziges Geschäft?

Die Gesell­schaft hat den Fuß­ball, den sie ver­dient.

Sind Sie zu ehr­lich für dieses Geschäft?

Ich kann mor­gens noch in den Spiegel schauen – im Unter­schied zu vielen anderen.

Hat Ihnen der Ver­kauf des Sta­dions eigent­lich schlaf­lose Nächte bereitet?

Glauben Sie, ich hätte ein Sta­dion ver­kaufen können, ohne dass die Obrigen des Landes mit­ge­wirkt hätten? Die Objekt­ge­sell­schaft zum Ver­kauf des Sta­dions ist von der Stadt Kai­sers­lau­tern gegründet worden, durch Sicher­heiten des Landes Rhein­land-Pfalz gedeckt. Das war der ein­zige Weg, den Verein zu retten. Der Verein war zah­lungs­un­fähig. Ich habe 2002 per­sön­lich bei der Kreis­spar­kasse Kai­sers­lau­tern eine Bank­bürg­schaft für die Weih­nachts­gelder von 35 Mit­ar­bei­tern hin­ter­legt.

Was ist mit Erlös aus dem Sta­di­on­ver­kauf geschehen?


Damit sind sämt­liche Schulden des FCK bezahlt worden.

In Ihrer Amts­zeit herrschte eine enorme Spie­l­er­fluk­tua­tion. Ging dadurch die pfäl­zi­sche Seele des FCK ver­loren?

Die pfäl­zi­sche Seele war immer prä­sent. Sie wurde mit Wolf­gang Wolf und Wolf­gang Funkel ver­stärkt , Gery Ehr­mann war sowieso immer im Trai­ner­stab. Also was ist die pfäl­zi­sche Seele Ihrer Mei­nung nach?

Men­schen, die die Region im Verein reprä­sen­tieren. Warum hat sich Hans-Peter Briegel nicht länger im Auf­sichtsrat gehalten?


Fragen Sie ihn. Er ist selbst zurück­ge­treten!

Ich habe ihn bereits gefragt. Er sagt, Sie hätten allein herr­schen wollen.

Warum ist Herr Briegel nicht Bun­des­trainer? Warum ist Herr Briegel nicht Trainer einer Bun­des­li­ga­mann­schaft? Können Sie mir das beant­worten?

Kommen wir zu einem anderen Namen, der oft mit einem Amt beim FCK in Ver­bin­dung gebracht wurde: Warum haben Sie Ciriaco Sforza nicht enga­giert?

Ich werde nicht dar­über dis­ku­tieren, warum Sforza nicht, wie es sein Wunsch war, Spie­ler­trainer geworden ist, nachdem er Michael Henke abge­schossen hat! Zudem merkt er jetzt als Trainer des FC Luzern, wie unge­mein unfair Medien und Fans oft sein können, wenn es nicht läuft.

Und Stefan Kuntz?


Kuntz war zweimal bei mir im Zimmer und hat sich dann aus finan­zi­ellen Gründen für den VfL Bochum ent­schieden.

Hätten Sie sich denn nicht manchmal einen kom­pe­tenten sport­li­chen Berater an Ihrer Seite gewünscht?

Ich hatte viele! Ich hatte gute Trainer: Gerets, Jara, Wolf, Henke sowie Olaf Mar­schall als meinen per­sön­li­chen Assis­tenten. Ich hatte nicht das Gefühl, das ich sonst noch jemanden bräuchte. Das sehen die, die keinen Job bekommen haben, natür­lich anders.

Den­noch konnte sich keiner von den Trai­nern, die in Ihrer Amts­zeit beim FCK tätig waren, lange halten.

Sie müssen die Trainer fragen, warum sie aus­ge­buht und weg­ge­jagt worden sind.

Nach allen Sanie­rungs­maß­nahmen ergibt sich heute fol­gendes Bild: Ope­ra­tion gelungen, Patient tot.


Der Patient lebt! Er kann nur im Moment nicht Deut­scher Meister werden. Der Verein hat seine 65 Mil­lionen Euro Schulden abge­baut, war nach meinem Weg­gang in der 2. Liga mit vier Mil­lionen Eigen­ka­pital aus­ge­rüstet.

Wird sich der FCK vor dem Abstieg in die Regio­nal­liga retten können?

Wenn die Spieler sich auf ihre Stärke besinnen, wenn das Umfeld ruhig bleibt, wenn man den Trainer nicht zum Sün­den­bock macht, dann ja. Aber es gibt nun mal sehr viele Ex-Spieler, die mit­reden –wie z. B. Basler, der selbst als Co-Trainer im Abstiegs­kampf in der Zweiten Liga steckt, und trotzdem in der Sport-Bild sagt: Der Trainer muss weg!“.

Würden Sie je wieder eine Auf­gabe bei einem Fuß­ball­verein über­nehmen?

Ich würde jeder­zeit wieder einen Bun­des­li­ga­verein über­nehmen – aber erst dann, wenn die Liga es zulässt, dass Kapi­tal­ge­sell­schaften 51 % von Ver­einen über­nehmen. Wenn einem der Verein gehört, trägt man auch Ver­ant­wor­tung dafür und hat nicht dieses emo­tio­nale Ele­ment als Gesprächs­partner. Dann kann man sagen: Das ist eine Firma, die zwar auch ihre sport­liche Ziele hat, aber letzt­end­lich geht es darum, auch die wirt­schaft­li­chen Erfolge nicht außer Acht zu lassen.