Horst Heldt, Ihr Kol­lege Michael Zorc wurde von unserer Jury nun schon zum zweiten Mal nach­ein­ander zum Manager des Jahres“ gewählt?
Das ist bitter.

So schlimm, dass aus­ge­rechnet der Erz­ri­valen aus­ge­zeichnet wird?
Nein, nein. Michael macht einen super Job, aber für jemanden, der eben­falls in dem Job arbeitet und in der letzten Saison wahr­schein­lich weit von dieser Aus­zeich­nung ent­fernt geblieben ist, ist es natür­lich hart, diesen Titel mit der nötigen Objek­ti­vität zu wür­digen. (lacht)

Ist die Aus­zeich­nung am Ende viel­leicht sogar unver­dient?
Über­haupt nicht. Michael wurde nicht umsonst von einer unab­hän­gigen Jury gewählt. Den Preis hat er sich ver­dient. Aber sicher­lich haben auch andere Kol­legen in dieser Saison tolle Leis­tungen gebracht. Das gerät bei so einer Aus­zeich­nung immer etwas in den Hin­ter­grund.

Wen haben Sie da beson­ders im Auge?
Schauen sie nach Augs­burg, die sind mit einer unfass­baren Ener­gie­leis­tung in der Liga geblieben. Oder etwa auf all das, was in Frei­burg und in Frank­furt ent­standen ist. Es gibt viele, die eine solche Aus­zeich­nung ver­dient hätten. Doch das soll Michaels Leis­tung nicht schmä­lern. Es kann eben nur einen geben.

Wie oft sehen Sie den Kol­legen Zorc eigent­lich pro Saison?
Durch die regel­mä­ßigen Manager-Tagungen ist der Kon­takt zwi­schen allen Mana­gern in der Liga eigent­lich sehr gut. Bei diesen Ver­an­stal­tungen ist der Aus­tausch durchaus intensiv. Und dann treffen wir uns natür­lich zwei Mal im Jahr zum Derby. Aller­dings bleibt da kaum Zeit, um sich mal etwas aus­führ­li­cher zu unter­halten. Da ist jeder mit Medi­en­ter­minen, der all­ge­meinen Anspan­nung und seiner eigenen Ner­vo­sität genug aus­ge­lastet.

Wie sieht der Aus­tausch unter der Manager-Kon­kur­renz aus?
Natür­lich lüftet man vor der Kon­kur­renz nicht seine intimsten Geheim­nisse und Stra­te­gien. Aber ich habe zu Michael Zorc ein sehr gutes Ver­hältnis. Wir sind in einem ähn­li­chen Alter, kennen uns auch noch aus unserer aktiven Zeit. Unser Ver­hältnis war immer von gegen­sei­tigem Respekt geprägt, des­wegen kann ich nicht ansatz­weise etwas Nega­tives über Michael Zorc sagen. Außer, dass er viel­leicht beim fal­schen Verein ist. (lacht)

Beim Ringen um Felipe San­tana haben Sie den Manager Michael Zorc als Gegen­spieler am Ver­hand­lungs­tisch erlebt. Geben Sie uns Ein­blick in diese Gespräche: Ist er ein knall­harter Zocker oder eher ein bedäch­tiger Ver­handler?
Er ver­han­delt so wie er auch stets gespielt hat: seriös, authen­tisch, immer fair. Natür­lich ver­su­chen beide Par­teien in diesen Situa­tionen ihre Posi­tion best­mög­lich zu ver­tei­digen, da kann es auch schon Mal etwas heikler werden. Aber gerade im Fall Felipe San­tana ist alles rei­bungslos und respekt­voll über die Bühne gegangen.

Sie kennen Michael Zorc als Spieler und Manager. In wel­cher Funk­tion hat er Sie mehr beein­druckt?
Er hatte eine glän­zende Kar­riere als Spieler, hat zahl­reiche Titel ein­ge­fahren. Davor muss man den Hut ziehen. Ich habe ihn als ange­nehmen Profi ken­nen­ge­lernt, der seinen Job zu 100 Pro­zent ernst­ge­nommen hat. Andere haben viel­leicht etwas mehr geglänzt, aber ohne ihn wäre vieles in Dort­mund sicher gar nicht erst ent­standen. Im direkten Duell auf dem Rasen haben wir uns zwar oft bekriegt, aber er hat dabei auf miese Tricks und kleine Fouls ver­zichtet. Da gab es andere, die mir schlimmer in Erin­ne­rung geblieben sind.

In seiner ersten Zeit als Manager musste er seinen Verein vor dem dro­henden Unter­gang retten.
Diese Leis­tung ist ihm gar nicht hoch genug anzu­rechnen. Er hat in der ersten Zeit sehr viel Gegen­wind bekommen. Ich möchte nicht wissen, wie viele von denen, die ihn damals am liebsten geschasst hätten, ihm heute auf die Schulter klopfen.

Zwei Meis­ter­schaften, sogar ein Double, zuletzt auch noch das Finale der Cham­pions League: Wie oft haben Sie in den letzten Jahren nei­disch zum schwarz-gelben Rivalen geguckt?
Warum sollte ich nei­disch sein? Jeder hat seinen Weg, jeder hat seine Phi­lo­so­phie, ent­spre­chend hat auch jeder unter­schied­liche Vor­aus­set­zungen. Aber natür­lich beob­achtet man immer die Kon­kur­renz und wiegt ab: Was machen die gut? Was machen die schlecht? Das hilft, um sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Und es ist unbe­stritten, dass die einige Dinge besser gemacht haben als wir in den letzten Jahren, sonst hätten sie nicht diese Erfolge ein­ge­fahren.

Kann der BVB sich auch was vom FC Schalke abgu­cken?
Ich könnte mir vor­stellen, dass sie schon etwas nei­disch auf unsere Nach­wuchs­ar­beit schauen.

Was ist die größte Qua­lität, die ein Fuß­ball­ma­nager bei einem Ruhr­ge­biets­klubs mit­bringen muss?
Ich bin im Rhein­land geboren und habe dort die meiste Zeit meines Lebens ver­bracht. Des­wegen ist mir das Gemüt des Ruhr­ge­biet­lers nicht fremd. Hier lebt noch der reine Fuß­ball, mit allen guten und allen schlechten Dingen, die daran hängen. Dadurch hat man auto­ma­tisch eine noch grö­ßere Ver­ant­wor­tung als andern­orts, weil sich eben ganze Städte über den Zustand ihres Fuß­ball­klubs defi­nieren.

Im Fall Julian Draxler sind Sie und Michael Zorc auch öffent­lich anein­ander geraten. Unter anderem warf er dem FC Schalke vor, unter Hal­lu­zi­na­tionen“ zu leiden. Wie schafft man so etwas unter Bun­des­liga-Mana­gern aus der Welt?
Da gibt es nichts, was es aus der Welt zu schaffen gibt. Man muss auch immer sehen, in wel­chen Zusam­men­hängen solche kleinen Gefechte statt­finden. Bei uns ist nie­mand ein­ge­schnappt oder erwartet eine Ent­schul­di­gung. So etwas gehört zum täg­li­chen Geschäft eines Mana­gers dazu.

Also das klas­si­sche Säbel­ras­seln unter Rivalen?
Ich sage es mal so: Manche Dinge werden oft größer dar­ge­stellt, als sie am Ende sind. Das Thema Julian Draxler hat sicher keinen Keil zwi­schen Michael Zorc und mich getrieben.

Man hat den­noch das Gefühl, dass der BVB mit dem sport­li­chen Erfolg nach außen zuneh­mend for­scher auf­tritt. Passt das zum Lei­se­treter Zorc?
Das mas­sive Medi­en­in­ter­esse war für den BVB viel­leicht auch etwas neu. Mir ist jedoch auf­ge­fallen, dass Michael Zorc gerade in dieser inten­siven Phase der Auf­merk­sam­keit eine gute Balance hatte. Er hat sich ange­nehm zurück­ge­halten und gemerkt, dass man eben nicht zu jedem Thema etwas sagen muss.

Sie beide haben einen ähn­li­chen Kar­rie­reweg ein­ge­schlagen. Wie schwierig ist es eigent­lich, als ehe­ma­liger Spieler in den Job des Mana­gers zu rut­schen?
Als Manager merkst du vom ersten Tag an, dass du kon­stant im Kreuz­feuer stehst. Du hast die Gesamt­ver­ant­wor­tung für einen Verein, und aus dieser Ver­ant­wor­tung kannst du dich nicht mehr stehlen. Das ging als Spieler viel­leicht noch. Da konnte man sich mal zurück­ziehen, die anderen zehn Spieler vor­schi­cken. Was man als Manager auch schnell merkt: Oft bleibt von deiner Arbeit das Nega­tive hängen! Mit posi­tiven Ent­wick­lungen werden meist andere ver­bunden. Das ist aber kein Jam­mern, son­dern Teil unseres Arbeits­pro­fils. Man steht in vor­derster Front und muss alles erklären. Das ist eben auch das Reiz­volle an diesem Beruf.

Was war aus Ihrer Sicht Michael Zorcs größte Leis­tung als BVB-Manager?
Er stand anfangs vor der Situa­tion, dass er am Morgen nicht wusste, ob es nach­mit­tags noch wei­ter­geht mit seinem Klub. In dieser Situa­tion hat er Ruhe und Sou­ve­rä­nität bewiesen und seinen Teil dazu bei­getragen, dass es wei­ter­ging. Eben­falls beein­dru­ckend war sicher­lich, mit wel­cher Wucht seine Mann­schaft nach dem Gewinn des ersten Titels im Jahr 2011 in die fol­gende Saison gestartet ist und am Ende mit dem Double belohnt wurde. Meister werden, das schaffen andere auch! Aber diesen Erfolg auf diese Weise zu bestä­tigen, das ist die ganz große Kunst – wenn man nicht gerade beim FC Bayern beschäf­tigt ist.

Mal eine steile These: Allein die Tat­sache, dass man sich sein Leben lang Susi“ nennen lassen muss, recht­fer­tigt jede Aus­zeich­nung der Welt.
Erstmal ist ein Spitz­name immer auch ein kleines Kom­pli­ment, weil es zeigt, dass sich die Fans mit einem aus­ein­an­der­setzen. Aber ich bin ehr­lich: Ich habe noch nie erlebt, dass jemand Michael Zorc Susi“ genannt hat.

Horst Heldt, wenn Sie für einen Tag mit Michael Zorc die Jobs tau­schen müssten: Was wäre Ihre erste Amts­hand­lung als Manager beim Erz­ri­valen?
Ich habe den Ein­druck, dass wir beide sehr zufrieden mit unseren der­zei­tigen Job sind, des­wegen gibt es keinen Anlass über ein Prak­tikum beim Nach­barn nach­zu­denken. (Über­legt) Eine Frage hätte ich aber auch noch an Sie: Warum bin ich 2007 eigent­lich nicht von 11FREUNDE zum Manager des Jahres“ gewählt worden?

Da muss ich mich ent­schul­digen: Die Wahl fand erst 2010 zum ersten Mal statt.
Na toll… (lacht)

Wir sparen uns ein­fach diese Aus­zeich­nung für Ihre zukünf­tigen Leis­tungen auf.
Danke für diese Moti­va­tion. Ich werde mein Bestes geben und freue mich schon auf die lobenden Worte des Kol­legen Zorc. (lacht)