Seite 2: Warum in Parma keine Zeit für Skepsis bleibt

Durch die schnelle Rück­kehr auf die pro­fes­sio­nelle Fuß­ball­bühne wurde Parma auch wieder für finanz­kräf­tige Inves­toren inter­es­sant. Vor etwa einem Jahr erwarb der erst 37-jäh­rige Jiang Liz­hang die Mehr­heits­an­teile am Verein von Barilla & Co. Der Chi­nese hat sein Geld mit der Mar­ke­ting­ge­sell­schaft Desports ver­dient, die unter anderem die Über­tra­gungs­rechte an den UEFA-Wett­be­werben in China hält.

Seitdem darf Liz­hang sich Prä­si­dent des Parma Calcio 1913 nennen. An seiner Seite sitzt Parma-Ikone Hernán Crespo. Der ehe­ma­lige argen­ti­ni­sche Stür­mer­star soll in den Ver­hand­lungen an ent­schei­dender Stelle ver­mit­telt haben und steht nun in der Ver­eins­hier­ar­chie an zweiter Stelle. Crespo gewann 1999 mit Parma den UEFA-Cup und erfreut sich bei den Anhän­gern immer noch großer Beliebt­heit.

Die Sache mit den Ver­spre­chen

Sein Vor­ge­setzter aus Fernost kommt optisch eher wie ein Aus­tausch­schüler daher, dessen Ita­lie­nisch­kennt­nisse sich auf ein schüch­tern gehauchtes Forza Parma“ beschränken. Doch er bringt Geld mit. Sagt er zumin­dest. In Parma sollten sie mitt­ler­weile gelernt haben, dass nicht alle ihre eigenen Ver­spre­chen so ernst nehmen wie Ales­sandro Luca­relli.

Giam­pietro Manenti etwa hatte sich kurz vor dem finan­zi­ellen Kol­laps als Erlöser mit Geld­koffer insze­niert. Die Mil­lionen werden kommen“, ver­si­cherte er, bevor der Hoch­stapler im März 2015 wegen des Ver­suchs der Geld­wä­sche fest­ge­nommen wurde. (Mehr über Parmas wilde Ver­gan­gen­heit hier »>) Ver­gleich­bares ist von Liz­hang zwar nicht zu erwarten, doch das par­al­lele Enga­ge­ment des Chi­nesen beim spa­ni­schen Klub FC Gra­nada lässt zumin­dest Raum für Zweifel.

Es gibt nur einen Kapitän

Vor­erst wird das in Parma aller­dings kaum jemanden inter­es­sieren. Zu groß ist die Freude über die Rück­kehr in die Serie A. Erfolgs­trainer Roberto D’Aversa, der die Mann­schaft im Dezember 2016 über­nommen hatte, sprach nach dem Auf­stieg von der größten Fuß­ball­nacht meines Lebens“.

Parmas Fans stürmten nach Abpfiff erst den Rasen und später die Stadt. Rauch­schwaden in den Ver­eins­farben Blau und Gelb stiegen aus der Men­schen­masse in den ita­lie­ni­schen Nacht­himmel hinauf. Als der Mann­schaftsbus zu später Stunde nach dem Aus­wärts­sieg gegen Spezia vor­fuhr, schallte ein Gesang beson­ders oft durch die Straßen: C’è solo un Capi­tano“. Es gibt nur einen Kapitän: Ales­sandro Luca­relli.