John van Zweden, nach zwei Spielen hat Ihr Klub Swansea City sechs Punkte, 8:0 Tore und ist Tabel­len­zweiter der Pre­mier League – und das nur, weil der FC Chelsea eine Partie mehr bestritten hat. Das kann doch nicht wahr sein.
Doch, Junge! Es ist ver­dammt wahr. Außerdem haben ges­tern auch 3:1 im Pokal gegen Barnsley gewonnen. Und das ist noch längst nicht alles: Wir werden die kom­menden sieben Spiele auch noch gewinnen. Wenn du dir den Spiel­plan anguckst, musst du mir recht geben.

Mal gucken: Für diese Serie müsste Ihre Mann­schaft am 9. Spieltag den amtie­renden Meister Man­chester City schlagen – aus­wärts!
Ein Sieg ist drin, na klar! Schon letzte Saison haben wir City 1:0 geschlagen und waren dabei die viel bes­sere Mann­schaft. Wir sind also so was wie der inof­fi­zi­elle Meister.

Sie sind seit über 30 Jahren Fan der Swans“. Erleben Sie gerade Ihre schönste Zeit?
Es war auch schon toll, als wir in den Acht­zi­gern mal in der ersten Liga waren, aber kein Ver­gleich zu dem, was wir hier jetzt abgeht. Wir sind die erste wali­si­sche Mann­schaft in der Pre­mier League – und nicht unser Erz­ri­vale Car­diff mit seinem mil­li­ar­den­schweren Geld­geber aus Malaysia. Das allein macht uns schon wahn­sinnig stolz. Dass wir zudem auch noch so toll mit­spielen und sogar die Großen wie City schlagen, kommt mir vor, als wäre ich im Himmel.

Letzte Saison über­raschte die Mann­schaft die Fach­welt mit vir­tuosem Kurz­pass­spiel. Trainer Brendan Rod­gers ist nun aller­dings zum FC Liver­pool gewech­selt. Ein herber Ver­lust?
Wir haben das sport­lich ganz gut weg­ge­steckt, wie du an unserem Tabel­len­stand siehst. Aber natür­lich tat es weh, Brendan gehen zu lassen. Er ist ein über­ra­gender Trainer, mensch­lich und fach­lich. Ohne Quatsch: Ich gönne ihm den Job bei einem großen Klub wie Liver­pool. Er hat ihn sich red­lich ver­dient.

Ist es Rod­gers selbst schwer­ge­fallen, Swansea zu ver­lassen?
Ich glaube schon. Das erste Angebot der Reds hat er noch abge­lehnt, das zweite war dann so gut dotiert, dass es dumm gewesen wäre, noch mal Nein zu sagen.

Er nahm Joe Allen mit, ein großes Mit­tel­feld­ta­lent aus der eigenen Jugend. 
Wir haben 15 Mil­lionen Pfund für einen Nach­wuchs­spieler bekommen! Ist das nicht toll? Wir haben uns High Five“ gegeben, als das Geschäft abge­schlossen war. So konnten wir Leon Britton, unseren besten Mann, halten und zudem noch Jona­than de Guzman, Michu und Chico Flores aus Spa­nien und Ki Sung-Yeung von Celtic Glasgow holen. Am Ende blieb sogar noch was übrig, das wir auf die Bank gebracht haben. Kein so schlechter Deal, wenn du mich fragst!

Hatten Sie vor dieser Saison denn gar keine Angst vor einem Leis­tungs­ein­bruch?
Natür­lich werden wir über kurz oder lang auch mal wieder ver­lieren. Aber solange unsere Serie anhält, will ich sie ein­fach nur genießen. Long may it con­tinue!

Brendan Rod­gers Nach­folger ist der Däne Michael Lau­drup. Wie sind Sie auf ihn gekommen?
Unser Vor­stands­chef Huw Jenkins ist inter­na­tional wahn­sinnig gut ver­netzt. Schon in der Ver­gan­gen­heit hat er den Por­tu­giesen Paulo Sousa und den Spa­nier Roberto Mar­tinez zu uns geholt – und damals kannten uns wirk­lich nur die Fuß­ball-Nerds. Diese beiden Trainer prägten die Spiel­weise, für die die Swans“ nun stehen, Brendan hat sie ver­fei­nert, und Michael wird dieses Werk fort­setzen. Er kennt den spa­ni­schen Fuß­ball, an dem wir uns wei­terhin ori­en­tieren wollen, sehr gut – schließ­lich war er schon als Spieler in der Pri­mera Divi­sion eine Legende und hat später auch als Trainer dort gear­beitet. Ich halte mit ihm einen Platz in der oberen Tabel­len­hälfte für sehr rea­lis­tisch. Mit ein biss­chen Glück können wir uns sogar fürs inter­na­tio­nale Geschäft qua­li­fi­zieren!

Wie kann es bloß sein, dass ein kleiner wali­si­scher Klub die Pre­mier League auf­mischt und sogar mit dem FC Bar­ce­lona ver­gli­chen wird?
Ja, Junge! Swan­se­lona! Ich bin kein Trainer, des­wegen kann ich über die Spiel­weise auch nur staunen. Aber ich kann dir sagen, dass wir hier alle ganz fest zusam­men­halten, wir sind EIN Klub. Weder im Vor­stand noch in der Mann­schaft fin­dest du irgend­welche Ego­manen. Auch Michael Lau­drup passt da rein, ein sehr ruhiger, höf­li­cher Mann. Ich konnte ihn noch nicht einmal zu einem Abend­spa­zier­gang auf der Wind Street, unserer Par­ty­meile hier in Swansea, bewegen. Viel­leicht hat ihm aber auch ein­fach nur seine Frau ver­boten, dort hin­zu­gehen.

John van Zweden, wenn eines Tages die Scheichs kommen und Ihnen ein Angebot für Ihre Klub­an­teile machen – sagen Sie dann immer noch fuck you very much“, wie sie es letzte Saison geschworen haben?
Hun­dert­pro­zentig!. Die sollen mal schön in Man­chester bleiben.

Sie könnten mit einem Schlag Mul­ti­mil­lionär werden! 
Mir egal! Ich will Swansea-Direktor sein, sonst nichts. Wir sind zu sechst und seit über 30 Jahren befreundet. Wir haben den Klub gerettet und wieder ans Licht geführt. Wie du dir vor­stellen kannst, haben wir das nicht getan, um ihn hin­terher zu ver­kaufen. Nein. Für kein Geld der Welt. Swansea till I die!