Roel Brou­wers, im letzten Heim­spiel gegen Han­nover 96 durften Sie mal wieder über einen län­geren Zeit­raum in der Bun­des­liga ran. Wie schwer ist es, wenn man als Innen­ver­tei­diger in solch ein Spiel geworfen wird?
Es ist nicht immer ein­fach, plötz­lich in ein lau­fendes Spiel rein­zu­kommen. Aber als Ver­tei­diger bleibt dir nicht viel Zeit, dar­über nach­zu­denken. Ich konnte mich zum Glück noch ein paar Minuten warm machen. Der Rest kommt auto­ma­tisch.

Gibt es einen Unter­schied in der men­talen Vor­be­rei­tung auf ein Spiel, wenn man auf der Bank sitzt und nicht von Beginn an spielen darf?
Es ist natür­lich eine andere Situa­tion. Aber grund­sätz­lich gehe ich jedes Spiel so an, als würde ich in der Startelf stehen. Man sollte seine festen Abläufe bei­be­halten. 

Wie schaffen Sie es, sich wieder lautlos hinten anzu­stellen, wenn Sie mal drei, vier gute Spiele in Folge gemacht haben und dann trotzdem auf die Bank zurück­müssen?
In so einem Fall spricht der Trainer mit mir dar­über und erklärt mir seine Gründe. Das ist für mich sehr wichtig.

Es wird Ihrem Trainer Lucien Favre ja immer wieder nach­ge­sagt, dass er Spieler indi­vi­duell besser macht. Haben Sie eine solche Ent­wick­lung auch bei sich fest­stellen können?
Er ist vor allem tak­tisch sehr gut, und ich denke, dass ich in dieser Hin­sicht auch viel von ihm gelernt habe.
 
Sowohl auf als auch neben dem Platz ver­treten Sie eine fast schon aus­ge­stor­bene Spe­zies an Profi-Fuß­bal­lern. Sie legen sich nicht mit den Gegen­spie­lern oder Schieds­rich­tern an, Sie fahren keinen Luxus-Sport­wagen und sind auch nicht täto­wiert. Wie würden Sie sich selbst cha­rak­te­ri­sieren?
Ich sehe mich selbst als ruhigen Typen und Fami­li­en­men­schen. Sport­lich und privat ver­suche ich ein­fach, mich nicht von gewissen äußeren Dingen beein­flussen zu lassen. Das wich­tigste ist für mich, dass ich immer ich selbst bleibe. So bin ich erzogen worden und ich lebe sehr zufrieden damit.

Diese Boden­stän­dig­keit spie­gelt sich auch in Ihrem Pri­vat­leben wider. Mit 31 wohnen Sie als Fuß­ball-Profi immer noch in Hol­land in der Nähe Ihres Hei­mat­orts. Vor gut einem Jahr sind sie Vater geworden. Wel­chen Stel­len­wert hatten Ihre Familie und Ihre Hei­mat­ver­bun­den­heit, als Sie 2012 Ihren Ver­trag ver­län­gert haben?
Die Familie ist das wich­tigste im Leben und war sicher­lich auch ein wich­tiger Grund. Aber ich habe nicht nur ver­län­gert, um schön zuhause wohnen bleiben zu können. Dazu bin ich viel zu sehr Profi.

Was hat sport­lich für Sie den Aus­schlag gegeben?
Ich weiß, dass ich hier immer zu meinen Spielen komme. Auch in dieser Saison habe ich in den ver­schie­denen Wett­be­werben knapp 20 Spiele absol­viert. Es ist also nicht so, als würde ich kaum spielen dürfen. Ich fühle mich aber auch sehr wohl und es passt ein­fach. Der Verein gibt mir ein gutes Gefühl und ich ver­suche dem Verein etwas zurück­zu­geben. Das weiß man zu schätzen. Des­halb habe ich mich auch immer für eine früh­zei­tige Ver­trags­ver­län­ge­rung ent­schieden.

Hat sich Ihr Ent­de­cker Joos Luhukay nie bei Ihnen gemeldet und ver­sucht Sie abzu­werben? Er ist ja eigent­lich bekannt dafür, Spieler zu ver­pflichten, mit denen er schon einmal erfolg­reich zusam­men­ger­ar­beitet hat.
Nein, nein. (lacht) Er hat mich nach Pader­born geholt und später auch nach Glad­bach, des­halb haben wir auch heute noch ein gutes Ver­hältnis und tau­schen uns öfters mal aus. Ein Wechsel war danach aber nie ein Thema zwi­schen uns.

In der Win­ter­pause hat Ihr Kon­kur­rent Martin Stranzl über­ra­schend noch einmal seinen Ver­trag um ein wei­teres Jahr ver­län­gert, nachdem er eigent­lich sein Kar­rie­re­ende ange­kün­digt hatte. Hatten Sie sich ins­ge­heim schon aus­ge­rechnet, seinen Platz in der nächsten Saison ein­nehmen zu können?
Dar­über habe ich mir keine großen Gedanken gemacht. Ich denke, dass wir drei gute Innen­ver­tei­diger brau­chen, die auf dem glei­chen Level sind. Hätte Martin nicht weiter gemacht, wäre sicher ein anderer Spieler mit ähn­li­cher Qua­lität gekommen. Der Kon­kur­renz­kampf wäre also nicht weniger geworden. Für den Verein ist es auf jeden Fall gut, dass er ver­län­gert hat.

Als Sie 2007 nach Mön­chen­glad­bach gekommen sind, spielte die Borussia noch in der zweiten Liga. Fünf Jahre später ist der Verein nach 16-jäh­riger Absti­nenz auf die euro­päi­sche Bühne zurück­ge­kehrt. Wie haben Sie diese Berg- und Tal­fahrt in den ver­gan­genen Jahren mit­er­lebt?
Ich habe hier eigent­lich so gut wie alles erlebt, was man im Fuß­ball erleben kann. Wir sind in der zweiten Liga Meister geworden und direkt auf­ge­stiegen. Danach hatten wir einige schwie­rige Jahre und wären vor zwei Jahren fast abge­stiegen. Umso schöner ist es dann, dass uns nur ein Jahr später eine solche Saison gelungen ist und wir inter­na­tional dabei waren.

Im Secht­zehn­tel­fi­nale war das Aben­teuer Europa aller­dings beendet. Ist ein frühes Aus­scheiden gerade für Sie als Ergän­zungs­spieler dop­pelt bitter, weil sich dadurch die Rota­tion erüb­rigt?
In erster Linie ist es für die Mann­schaft und Fans schade, dass wir aus­ge­schieden sind. Aus meiner Sicht kommt dann noch hinzu, dass sich die Chance auf mehr Ein­satz­zeiten redu­ziert. Ich möchte so oft wie mög­lich spielen, und da hat mir die Europa League natür­lich geholfen.

Trotz eines frühen Rück­stands und des Aus­schei­dens war das Sech­zehn­tel­fi­nale gegen Lazio Rom für Ihre Fans ein abso­lutes High­light. Knapp 10.000 Anhänger haben Sie nach Rom begleitet und dort für eine Heim­spiel­at­mo­sphäre gesorgt. Was haben Sie als Spieler von dieser Atmo­sphäre im und vor dem Sta­dion wahr­ge­nommen?
Das war über­ra­gend! Wir haben auch Bilder gesehen, wie die Fans schon mit­tags an der spa­ni­schen Treppe gefeiert haben. Das ist schon etwas ganz beson­deres, was wahr­schein­lich nicht bei so vielen Ver­einen mög­lich wäre.

Sie gelten bei den Fans als Publi­kums­lieb­ling. Bei jeder gelun­genen Aktion von Ihnen hallt ein lang gezo­genes Roooel“ durch den Borussia Park…
Das ist ein­fach nur geil, wenn ich diese Rufe auf dem Platz höre. Es zeigt mir, dass die Fans voll hinter mir stehen und gibt mir noch mal einen zusätz­li­chen Schub.

Es gibt sogar T‑Shirts mit Ihrem Kon­terfei. Wie kommt ein Innen­ver­tei­diger zu diesem Kult­status?
Puh das ist schwer zu sagen… (Pause) Ich denke es liegt daran, dass ich jetzt schon einige Jahre hier bin. In dieser Zeit haben wir einiges zusammen durch­ge­macht. So etwas schweißt wahr­schein­lich zusammen.

Neben Ihrer Rolle als Innen­ver­tei­diger und Publi­kums­lieb­ling wurden Sie zu Beginn der Saison auch mit der Inte­gra­tion Ihres Lands­manns Luuk de Jong betraut. Werden Ihre Dienste als Dol­met­scher nach einem Drei­vier­tel­jahr noch benö­tigt?
Nein, eigent­lich nicht. Luuk hat auch damals schon sehr gut Deutsch gespro­chen. Er war nur ein biss­chen zurück­hal­tend.

Wel­chen Anteil haben Sie als Inte­gra­ti­ons­helfer an der posi­tiven Ent­wick­lung von Luuk de Jong?
Wir ver­stehen uns sehr gut und teilen uns im Hotel ein Zimmer. Ich habe Luuk ansonsten nur am Anfang bei der Ein­ge­wöh­nung geholfen. Ich habe ihm erzählt, wie hier die Abläufe sind, wie wir Fuß­ball spielen wollen und was der Trainer von uns erwartet. Dass er jetzt immer besser in Form kommt, hat er sich aber ganz alleine zuzu­schreiben.

Haben Sie seinen Wechsel zur Borussia noch nicht bereut? Vorher wurde Ihnen als ein­zigem Spieler ein Ein­zel­zimmer zuge­standen.
Ja, das stimmt. (lacht) Die anderen Jungs sagen, dass ich ein biss­chen schnarche. Luuk ist aber ein guter Schläfer und hat damit kein Pro­blem. Für mich ist es auch schön, mir mit meinem Lands­mann ein Zimmer zu teilen. Wir haben immer viel Spaß zusammen.

Auch Sie hatten 2009/2010 eine Saison, in der Sie mit acht Bun­des­li­ga­tref­fern als Tor­jäger für Furore sorgten. In den dar­auf­fol­genden Spiel­zeiten reichte es nur noch zu inge­samt zwei Tref­fern. Wie erklären Sie sich Ihre Lade­hem­mung?
Je öfter man spielt, desto höher ist natür­lich auch die Wahr­schein­lich­keit, dass man trifft. Aber es war damals auch ein­fach eine Saison, in der alles gepasst hat. Fast jeder Ball kam genau zu mir. Es war, als hätte ich einen Magneten, der die Bälle anzieht. Und dann ist auch noch fast jedes Ding rein­ge­gangen. 

Aktuell beträgt der Rück­stand Ihrer Mann­schaft nur einen Punkt auf die Euro­pa­po­kal­ränge, sogar die Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion ist noch mög­lich. Wohin geht die Reise der Borussia?
Es ist so eng, da kann es genauso schnell in die andere Rich­tung gehen. Dann ist man auf einmal nur noch Neunter. Des­halb ist es wichtig, dass wir bis zum Ende dabei bleiben, und dann werden wir sehen, wozu es reicht.

Nach der nächsten Saison läuft Ihr Ver­trag aus. Eine erneute Ver­län­ge­rung ist wahr­schein­lich nur Form­sache, oder?
Ich hoffe es. Ich würde auf jeden Fall auch nach dem nächsten Jahr noch gerne länger hier bleiben.