Herr Nsereko, Sie haben kürz­lich beim FC Bologna Ihr Erst­liga-Debüt in Ita­lien gefeiert. Ein gutes Gefühl?

Ein Super­ge­fühl. Ich habe zwar schon ein paar Erst­li­ga­spiele in Eng­land gemacht, aber bin erleich­tert, jetzt auch in der Serie A gespielt zu haben. Dass es gegen einen großen Verein wie Juventus Turin war, hat einen natür­lich beson­ders moti­viert.



Sie haben mit 20 schon eine unge­wöhn­liche Lauf­bahn hinter sich. Geboren sind Sie in Uganda. Haben Sie dort schon mit dem Fuß­ball begonnen?


Nein, meine Eltern sind vor dem Bür­ger­krieg nach Deutsch­land geflohen, als ich zwei war. Heute hat meine Mutter ein eigenes Geschäft in Mün­chen, mein Vater ist gestorben, als ich noch klein war. Ich habe mit acht, neun Jahren beim SV 1880 Mün­chen ange­fangen, bevor ich dann zu 1860 gegangen bin.



Bereits mit 16 sind Sie nach Ita­lien gewech­selt. Wie kam es dazu?

Damals haben einige ita­lie­ni­sche Ver­eine meine Familie kon­tak­tiert. Das Angebot von Bre­scia Calcio war für mich das beste, weil Bre­scia schon damals viele Talente her­aus­ge­bracht hat. Da habe ich nicht Nein sagen können.



1860 ist wie Bre­scia Zweit­li­gist und bringt auch immer wieder Talente in die erste Mann­schaft. Warum sind Sie trotzdem gewech­selt?

Weil Ita­lien schon damals meine große Lei­den­schaft war und mich der ita­lie­ni­sche Fuß­ball immer fas­zi­niert hat, mit Ver­einen wie AC Milan, Inter, Juve. Außerdem liegt mir der Ita­lie­ni­sche Fuß­ball mehr als der deut­sche, weil er tak­ti­scher und tech­ni­scher ist.

War es schwer, mit 16 allein in ein fremdes Land zu gehen?


Wenn jemand etwas errei­chen will, muss man auch Opfer bringen. Es geht nicht alles von heute auf morgen. Mit der Zeit habe ich dann langsam, langsam die Sprache gelernt und Freunde gefunden.

Mit 18 sind Sie dann aus der zweiten ita­lie­ni­schen Liga für elf Mil­lionen Euro zu West Ham United in die Pre­mier League gewech­selt.

Ich hatte sehr viele Ange­bote. Auch von Inter Mai­land, aber ich habe das aus­ge­schlagen, weil ich da keine Per­spek­tive gesehen hätte für die nächsten ein, zwei Jahre. Am Ende war es dann meine Ent­schei­dung, zu West Ham zu gehen und auch die Ent­schei­dung von Bre­scia, weil die Kasse machen mussten. Für mich war es eine ein­ma­lige Chance. Von daher war es für beide Seiten das Beste.

Bei West Ham lief es dann nicht so gut. Kam die Pre­mier League zu früh?

Am Anfang habe ich ein Paar Ein­sätze gehabt, aber am Ende nicht mehr viel gespielt. Aber das hatte viele andere kleine Hin­ter­gründe, über die hier nicht spre­chen will.

Nach einem halben Jahr sind Sie schon wieder gegangen, zu Flo­renz. Warum?


Weil West Ham ein kleines finan­zi­elles Pro­blem hatte und sie einige Spieler ver­kaufen mussten. Die ein­zigen Spieler, die ange­fragt waren, waren ich und zwei andere. Dann kam das Angebot von Flo­renz und sie haben mich ver­kauft. Natür­lich mit meinem Ein­ver­ständis.



Wären Sie lieber geblieben?

Natür­lich hat es mir leid getan, weil ich mich bei West Ham wohl gefühlt und mit dem Team super ver­standen habe. Aber Fuß­ball ist halt so. Man kann nicht immer hun­der­pro­zentig selbst ent­scheiden. Man muss auch an andere denken, an den Verein.

Bei Flo­renz haben Sie kein Spiel gemacht, seit Januar sind Sie an Bologna ver­liehen. Im Rück­blick: Sind Sie in jungen Jahren zu oft, zu früh gewech­selt
?

Nein, über­haupt nicht. Viele Leute ver­stehen nicht, dass es im Fuß­ball immer Momente für alles gibt. Auch mein Moment wird noch kommen. Ich bin jetzt 20 und nicht irgendwie 26, 27 und denke: Ich muss jetzt, ich muss jetzt, ich muss jetzt. Ich lasse mir meine Zeit, ich weiß was ich kann und bin von mir selbst über­zeugt.

Haben Sie mitt­ler­weile einen anderen Blick auf den Traumjob Fuß­ball­profi?

Fuß­ball ist nicht nur ein schönes, es ist auch ein dre­ckiges Geschäft. Das muss man wissen. Du triffst nicht nur Leute, die dir Gutes wollen, son­dern auch Leute, die mit dir nur etwas ver­dienen wollen. Das sind alles Klei­nig­keiten, die zum Fuß­ball dazu­ge­hören und vor denen du dich nicht schützen kannst..