Seite 5: „Was die Spieler können, können wir schon lange“

Mit dem Abstieg haben Sie nichts mehr zu tun?
Darauf zu ant­worten, wäre ris­kant, denn mir fehlt aktuell die Phan­tasie vor­aus­zu­sagen, wer nächstes Jahr absteigen soll. Es wird ein harter Kampf, damit gar nichts zu tun zu haben. Mit Stutt­gart und Han­nover kehren ja keine nor­malen Auf­steiger in die Liga zurück.

Kauen Sie wäh­rend der Bun­des­li­ga­spiele auf der Bank noch Kau­gummi?
Nein.

Um nicht wieder wie im Früh­jahr 2016 in Ver­le­gen­heit zu kommen, in einer hit­zigen Spiel­si­tua­tion damit die Bank des Geg­ners zu bewerfen?
Ers­tens: Das habe ich so nicht getan. Zwei­tens: Nein, son­dern weil mir ein guter Freund gesagt hat, dass es ziem­lich bescheuert aus­sieht.

Neigen Sie dazu, wäh­rend der Spiele aus der Haut zu fahren?
Wie kommen Sie denn darauf?

Weil Sie immer wieder mal in Kon­flikt mit Schieds­rich­tern geraten.
Ich stelle doch nur Fragen. Das liegt auch daran, dass mein Trainer zu Beginn seiner Zeit beim FC unsere Schieds­richter nicht kannte und ich dachte, dann rede ich lieber mit denen. (Lacht.)

Um ihn zum Bei­spiel als Eier­kopf“ zu bezeichnen wie bei einem Match in Bremen?
Das pas­sierte im nicht-öffent­li­chen Raum beim Rein­gehen in den Kabi­nen­tunnel und kein Pres­se­ver­treter war in der Nähe. Ich habe gesagt: Die Eier­köpfe werden auch immer schlechter.“ Schieds­richter Wink­mann hat es gar nicht mit­be­kommen, aber seine Assis machten Mel­dung und nach der Halb­zeit wurde ich auf die Tri­büne geschickt. War teuer.

6000 Euro.
Das Kau­gummi war aber teurer.

Kriegt ein Manager mit Ihrer Bilanz eigent­lich öfter mal Ange­bote?
Selten. Wie denn auch? Die Trainer haben das Glück, dass solche Typen wie ich nach ihnen suchen und sich mit ihnen und der Materie beschäf­tigen. Aber wer stellt einen Manager ein?

Prä­si­denten und Vor­stände.
Richtig! Und wo kriegen die Infor­ma­tionen her?

Sagen Sie es uns?
Die meisten lassen sich eher von Mimik und Gestik leiten oder von irgend­wel­chen Inter­views, die ihnen gut oder schlecht gefallen haben. In unserem Geschäft, wo es um Mil­li­arden geht, eigent­lich ein Witz.

Angeb­lich gab Uli Hoeneß dem FC-Prä­si­denten Werner Spinner den Tipp, Sie seien einer der besten Manager der Liga. In Mün­chen ist der Posten gegen­wärtig vakant. Können Sie sich vor­stellen, dass ich beim FC Bayern arbeite?
Können Sie? Ich habe kein Angebot, kann ich also nicht sagen.

Würden Sie gern noch einmal im Aus­land arbeiten?
Das stelle ich mir schwierig vor. Ich lebe von meinem Netz­werk, im Aus­land ist der Fuß­ball anders struk­tu­riert. Und wenn es Krisen im Klub gibt, brauche ich die Sprache, um zwi­schen den Zeilen zu lesen.

Ange­nommen Sie erfüllen Ihren Ver­trag in Köln bis 2023. Wie stellen Sie sich das Happy End Ihrer Arbeit vor?
Wenn hier ein Sta­dion steht, das in dieses Jahr­zehnt passt, der Nach­wuchs gut auf­ge­stellt ist und wir bis dahin durch­ge­hend erste Liga gespielt haben, hätten wir doch einen groß­ar­tigen Job gemacht.

Auf dem Weg dahin könnte es aber pas­sieren, dass Sie Ihren Buddy Stöger ent­lassen müssen?
Viel­leicht gelingt es uns ja, einen Trai­ner­ver­trag auch mal aus­laufen zu lassen. Und wenn nicht, würde ich mir wün­schen, dass der Zeit­punkt noch in weiter Ferne liegt und wir auch danach noch zusammen Kaf­fee­trinken gehen. Mein Geschäfts­füh­rer­kol­lege Alex Wehrle und ich waren gerade mit unserem Trai­ner­team vier Tage in London. Und ich sage Ihnen: Was die Spieler können, können wir schon lange.

Jörg Schmadtke, letzte Frage: Was wurde eigent­lich aus dem Schaf auf dem Mun­denhof in Frei­burg, das Ihren Namen trug?
Keine Ahnung. Man fand es ange­bunden an einen Tor­pfosten und taufte es Schmadtke“. Es hieß, es sei ein Männ­chen, aber dann bekam es eines Tages drei Junge. Die Pan­tof­feln aus der Wolle habe ich heute noch.