Seite 3: “Bei einem chinesischen Verein gibt’s einen Extra-Aufschlag“

Mit frü­heren Trai­nern lief das weniger rei­bungslos.
Ach, mit Dieter Hecking in Aachen funk­tio­nierte das ähn­lich.

Ihr ange­spanntes Ver­hältnis zu Mirko Slomka in Han­nover war oft Thema in der Presse.
Mit Mirko Slomka, das gebe ich zu, war es anders. Er wollte, dass ich seine Vor­schläge umsetze, und da waren Per­so­na­lien dabei, die nach meiner Ansicht völlig deplat­ziert waren. Die Situa­tion eska­lierte, nachdem wir uns vor dem Abstieg gerettet hatten. Es war relativ klar, dass er bei einem Abstieg nicht in Han­nover bleiben würde. Ich hatte schon ohne sein Wissen zwei Spieler geholt: Lars Stindl und Moritz Stop­pel­kamp. Als es dann doch wei­ter­ging, fühlte er sich hin­ter­gangen und sagte: Was soll ich mit Zweit­li­ga­spie­lern? Ab da wurde die Zusam­men­ar­beit schwierig.

Sie sagen, das ver­trau­ens­volle Ver­hältnis von Stöger und Ihnen sei Zufall. Ist das wirk­lich so?
Wenn ein Trainer oder Manager nicht in der Lage ist, im Inter­esse des Klubs sein Ego zurück­zu­fahren, funk­tio­niert es nicht. Es sei denn, es ist wie beim FC Bayern, wo zwei Leute so mächtig sind, dass sie die Spieler ein­kaufen und der Trainer mit dem arbeitet, was er kriegt. Aber ver­gessen Sie nicht: Slomka und ich hatten nicht das beste Ver­hältnis, aber wir waren erfolg­reich.

Ihr größter Flop als Manager?
Ich denke nicht in sol­chen Kate­go­rien. Aber Guido Buch­wald als Trainer nach Aachen zu holen, war sicher keine beson­ders gute Idee. Mar­ke­ting­tech­nisch super, aber nach innen hat es nicht gepasst.

Anders gefragt: Waren Sie schon mal total von den Socken, wie wenig aus den Scou­ting-Dos­siers, den Videos und aus dem Gespräch sich in der Praxis wider­spie­gelte?
Natür­lich gab es Fälle, bei denen mir der Trainer sagte: Hör ma, was ist denn das für einer? Wenn ich mit dem rede, habe ich das Gefühl, in ein großes schwarzes Loch zu spre­chen.“ Ansonsten sind mir da eher ent­ge­gen­ge­setzte Fälle in Erin­ne­rung.

Zum Bei­spiel?
Als ich Hacki“ Wimmer (Kevin Wimmer, FC-Spieler bis 2015, d. Red.) das erste Mal sah, dachte ich: Mmh, so doll finde ich den nicht.“ Hätte ich keinen öster­rei­chi­schen Trainer gehabt, der insis­tiert hätte, wäre es für ihn schwer geworden. Jetzt spielt er bei Tot­tenham. Nega­tive Bei­spiele fallen mir auch des­halb kaum ein, weil wir die meis­tens gut wei­ter­ver­kauft haben. (Lacht.)

Als Roberto Fir­mino 2015 für 41 Mil­lionen Euro aus Hof­fen­heim nach Liver­pool wech­selte, sagten Sie: So ein Transfer ver­än­dert die Balance in der Bun­des­liga.“
Aus heu­tiger Sicht kom­pletter Blöd­sinn, denn die Balance ver­än­dert sich der­zeit noch viel stärker.

Aber wird Ihnen nicht mulmig, wenn Sie durch einen ein­zigen Spieler plötz­lich der­ar­tige Summen erlösen.
Bis vor ein paar Jahren hätte ich eine Kladde mit Trans­fer­preisen anlegen können. Nach den Para­me­tern Alter“, Ver­trags­lauf­zeit“, Fähig­keiten“ und Cha­rakter“ hätte ich sagen können: Der bringt fünf Mil­lionen, der drei und der sechs Mil­lionen Euro.“ Ich garan­tiere Ihnen, plus minus eine Mil­lion hätte ich welt­weit mit dieser Kal­ku­la­tion richtig gelegen. Diese Gesetz­mä­ßig­keiten aber sind kom­plett aus den Fugen. Es kann pas­sieren, dass in diesem Moment irgendwo auf der Welt ein Mil­li­ardär auf­wacht, an die Decke starrt und sich eine Zahl vor­stellt, die er bereit ist, für einen Spieler aus­zu­geben. Das Geschäft ist nicht mehr nach­voll­ziehbar. Es ist bizarr. Auch weil es sein kann, dass ich heute 50 Mil­lionen Euro für einen Profi kas­siere und schon morgen einer kommt, der 80 gezahlt hätte.

Selbst einem erfah­renen Manager wie Ihnen kommen die Maß­stäbe abhanden.
Ich kann da nur auf Chris­tian Heidel ver­weisen, der sagt, es gibt einen Auf­preis, wenn ein Verein aus Eng­land anruft. Und bei einem chi­ne­si­schen gibt’s noch einen Extra-Auf­schlag.

Wie sieht bei diesen Anrufen das Ran­king der­zeit aus?
1. China, 2. Eng­land, 3. Spa­nien, 4. Ita­lien und der Rest. Dabei wäre es eigent­lich besser, dass ein Spieler welt­weit den­selben Wert hat.