Herr Briegel, am kom­menden Freitag werden Sie zum ersten Mal seit Jahren einem Spiel des 1. FC Kai­sers­lau­tern bei­wohnen. Wann waren Sie eigent­lich zuletzt im Fritz-Walter-Sta­dion?

Da muss ich über­legen… Dass ich bei einem Spiel des FCK war, ist schon eine Weile her. Das dürften unge­fähr sechs Jahre sein. Wel­ches Spiel das genau war, weiß ich nicht mehr. Es war aber in der Bun­des­liga.

Warum gingen Sie so lange nicht zu den Spielen Ihres Ver­eins?

Es fing damals ja diese unsäg­liche Sache mit dem Zivil­pro­zess gegen mich an.



Worum ging es?

Der Verein for­derte in Ver­bin­dung mit der Sta­di­on­ge­sell­schaft 544.000 Euro für den Transfer von Ciriaco Sforza. Diese Klage hat der FCK jetzt nach langem Hin und Her zurück­ge­nommen.

Was warf man Ihnen vor?

Dass es in Ver­bin­dung mit dem Sforza-Transfer zu Unre­gel­mä­ßig­keiten gekommen sei. Es sollen angeb­lich Net­to­lohn­zah­lungen ver­ein­bart worden sein. Ich war von Anfang an über­zeugt, dass wir den Pro­zess gewinnen. Jetzt wurde ich bestä­tigt.

Warum hat sich der Rechts­streit so lange hin­ge­zogen?

Zivil­pro­zesse dauern immer so lange. Dar­über sterben viele Leute (lacht).

Es hieß, der dama­lige Klub­chef René C. Jäggi sei ver­är­gert gewesen, weil Sie im Allein­gang Karl­heinz Feld­kamp als Trainer instal­lieren wollten. Stimmt das?

Nein, die Sache war von Anfang an klar. Kalli Feld­kamp sollte als Sport­di­rektor ver­pflichtet werden. Die Sache kam vor den Auf­sichtsrat und hatte zunächst eine Mehr­heit. Einen Tag später war dann einer umge­fallen. Es ging wohl bei dem Pro­zess nicht nur um das Geld, son­dern auch darum, mich aus dem Verein zu drängen.

Im Dezember 2003 gaben Sie wegen der Anschul­di­gungen gegen Sie zusammen mit Ihrem Auf­sichts­rats­posten auch den Gol­denen Ehren­ring des FCK ab. Aktuell sind Sie also kein Ver­eins­mit­glied?

Mit einer Ver­eins­mit­glied­schaft hat das nichts zu tun. Man kann den Ring bekommen, ohne je Mit­glied gewesen zu sein. Ich habe ihn damals für die EM 1980 bekommen und noch einmal für die WM 1982. De facto hatte ich aber nur einen Ring, den ich dann zurück­ge­geben habe.

Rechnen Sie damit, dass Ihnen der Ring am Freitag erneut über­reicht wird?

Es gab schon Gespräche. Aber wir müssen jetzt erst einmal sacken lassen, was in den letzten sieben Jahren pas­siert ist. Wenn sieben Jahre pro­zes­siert wird, kann man das nicht in vier Wochen ver­gessen.

Stehen Sie in Kon­takt mit dem Vor­stands­vor­sit­zenden Stefan Kuntz?

Wir haben ein paar Mal tele­fo­niert, zufällig heute gerade wieder. Nicht nur privat, es ging auch um andere Dinge.

Vor dem Spiel gegen Koblenz stellt ein lang­jäh­riger Sponsor des Ver­eins die FCK-Elf der letzten drei Jahr­zehnte vor. Wissen Sie schon, ob Sie dazu gehören?


Ich habe von Karls­berg eine Ein­la­dung bekommen, von daher gehe ich davon aus, dass ich dazu gehöre. Des­wegen gehe ich ja hin!

Was bedeutet Ihnen der FCK?

In Deutsch­land habe ich nur für zwei Ver­eine gespielt: Den SV Roden­bach, zwei Kilo­meter vor der Stadt­grenze, und den 1. FC Kai­sers­lau­tern, zu dessen Spielen ich gegangen bin, seit ich sieben, acht Jahre alt war. Ich bin in Kai­sers­lau­tern geboren, und für mich wird es in Deutsch­land immer nur einen Pro­fi­verein geben.

Wie haben Sie in den letzten Jahren die Geschicke Ihres Ver­eins ver­folgt?

Immer wenn ich Zeit hatte, habe ich mir die Spiele im Fern­sehen ange­schaut.

Der 18. Mai letzten Jahres war der Schick­salstag für Ihren alten Verein, mit einem Sieg gegen Köln blieb Kai­sers­lau­tern zweit­klassig.


Ich war mir sicher, dass der FCK das Spiel gewinnen würde. Köln war schon auf­ge­stiegen, hatte in der Woche nur zwei Mal trai­niert. Es war aller­dings schon eine Sen­sa­tion, dass es über­haupt so ein End­spiel“ gegen den Abstieg gab nach zwi­schen­zeit­lich sieben Punkten Rück­stand.

Sind Ihnen wie vielen Sta­di­on­be­su­chern auch Tränen gekommen, als es nach dem zweiten Tor gegen Köln schlag­artig Fritz-Walter-Wetter gab?


Ach wissen Sie, früher kamen den Leuten nach dem Abstieg aus der ersten Liga die Tränen, mitt­ler­weile reicht wohl schon die zweite Liga dafür. Die Mann­schaft war ja auch sehr schlecht zusam­men­ge­stellt, der Klas­sen­er­halt war ein großer Ver­dienst von Milan Sasic.

Mit Sasic und Stefan Kuntz setzte der Auf­schwung ein. Denken Sie, dass Kuntz der rich­tige Mann ist, den Klub nach oben zu führen und zu sta­bi­li­sieren?

Im Moment herrscht Ruhe, und das ist auch gut so. All die Jahre gab es über­haupt kein Mit­ein­ander, ver­schie­dene Grup­pie­rungen standen sich gegen­über. Momentan gibt es über­haupt keinen Anlass zu Kritik, die Mann­schaft spielt einen sehr guten Fuß­ball und ist für mich spie­le­risch wie kämp­fe­risch mit Abstand das beste Team in der Zweiten Liga.

Der FCK ist für Sie also Auf­stiegs­fa­vorit Nummer 1?

Ich sehe keine andere Mann­schaft, die so kon­ti­nu­ier­lich spielt. Wenn sie weiter Punkte sam­meln wie bis­lang, kommen sie am Ende auf 75 bis 80 Punkte. Selbst wenn zwi­schen­durch ein kleiner Ein­bruch kommt, reicht das locker zum Auf­stieg.

Wer gefällt Ihnen aus dem aktu­ellen Kader am besten?


Die Abwehr ist sehr gut, die Ver­tei­diger arbeiten und laufen viel. Mit Ame­dick und Rodnei hat die Mann­schaft in der Zen­trale zwei Super­spieler. Mich hat sehr gewun­dert, dass Hertha BSC Rodnei hat gehen lassen. Da muss ich wirk­lich lachen. Ich glaube, die wären jetzt froh, wenn sie ihn hätten.

Erkennen Sie in Rodnei, der auch oft Aktionen nach vorne hat, in Ansätzen den Spieler Briegel wieder?

Er ist wie ich sehr kopf­ball- und zwei­kampf­stark, macht aber immer noch ein, zwei unbe­darfte Fehler pro Spiel. Er wird aber einen sehr guten Weg machen. Ich befürchte fast, dass er im nächsten Jahr schon bei einem anderen Erst­li­ga­klub spielen wird.

1984 ver­kaufte der FCK Sie aus finan­zi­eller Not nach Ita­lien. Heute geht es dem Verein trotz des sport­li­chen Erfolgs finan­ziell so schlecht wie selten zuvor. Befürchten Sie, dass die besten Spieler selbst im Falle eines Auf­stiegs abge­geben werden müssen?

Es kommt immer darauf an, wie viel Geld man für einen Spieler bekommt. Irgendwo liegt die Schmerz­grenze, mit dem Trans­fer­erlös kann man dann einen oder meh­rere Neu­zu­gänge von glei­chem Format finan­zieren.

Kann der 1. FC Kai­sers­lau­tern in der Bun­des­liga bestehen?

Die große Her­aus­for­de­rung wird sicher­lich sein, nach dem Auf­stieg, von dem ich wie gesagt aus­gehe, eine schlag­kräf­tige Truppe zusammen zu bekommen, die in der ersten Liga bestehen kann. Mainz zeigt ja gerade, dass man selbst mit wenigen Neu­zu­gängen als Auf­steiger sogar vorne mit­spielen kann.

Gibt es von Ver­eins­seite Pläne, Ihnen wieder einen Posten zu geben?

Nein, die Frage stellt sich auch momentan über­haupt nicht.