Michael Becker, am Mitt­woch­morgen berich­tete der SWR, dass dem Karls­ruher SC die Insol­venz drohe. Wie ner­ven­auf­rei­bend war der Tag für Sie?
Nachdem der Bericht beim SWR online ging, stand mein Handy nicht mehr still. Es kamen natür­lich zahl­reiche Nach­fragen. Aller­dings wird der Sach­ver­halt in dem Artikel nicht ganz kor­rekt dar­ge­stellt. Der­zeit erwarten wir in den nächsten Wochen keine Zah­lungs­un­fä­hig­keit. Wenn die TV-Gelder fließen, sind nach aktu­eller Pla­nung bis zum 30. Juni 2020 aus­rei­chend finan­zi­elle Mittel vor­handen.

Wie rea­lis­tisch ist es denn, dass diese TV-Gelder fließen?
Nach unseren aktu­ellen Ein­schät­zungen gehe ich davon aus, dass die Gelder kommen. Diese Ein­schät­zungen können sich ange­sichts der Dynamik der Lage natür­lich täg­lich ändern .

Den­noch: Wie ernst ist die aktu­elle Lage des Karls­ruher SC?
Sehr ernst. Aber das ist sie für viele Ver­eine. Bei uns kommt hinzu, dass wir – bedingt durch zwei Jahre in der dritten Liga und den Sta­di­on­umbau – auch schon vor der Corona-Krise finan­zi­elle Schwie­rig­keiten hatten. Mit der Aus­glie­de­rung und dem nach­ge­la­gerten Akti­en­ver­kauf wollten wir uns finan­ziell sta­bi­li­sieren und die Ver­pflich­tungen aus der Ver­gan­gen­heit ablösen. Auf­grund der Corona-Pan­demie geht dieser Plan nun aller­dings nicht mehr auf, weil in der aktu­ellen Lage nie­mand Aktien in grö­ßerem Maße kauft.

Mit wel­chen Sze­na­rien beschäf­tigen Sie sich?
Wir sind von der DFL wegen der Corona-Situa­tion explizit dazu auf­ge­rufen, ein Worst-Case-Sze­nario durch­zu­rechnen. Auf Basis dieser Rech­nungen gilt es nun, Lösungs­an­sätze zu finden. Da muss man in alle Rich­tungen denken. Dem­entspre­chend haben wir meh­rere Sze­na­rien durch­ge­spielt, um für alle Even­tua­li­täten gut gewappnet zu sein. Für uns ist es wichtig, den Betreib nicht nur bis zum 30. Juni zu sichern, son­dern auch dar­über hinaus. Dafür benö­tigen wir eine ent­spre­chende Finan­zie­rung.

Ein Insol­venz­ver­fahren bedeutet immer Ver­trau­ens­ver­lust“

Zählt zu den dis­ku­tierten Lösungs­an­sätzen auch eine soge­nannte Pla­nin­sol­venz, wie sie der SWR ins Spiel gebracht hat?
In der aktu­ellen Lage gibt es bei uns kei­nerlei Denk­ver­bote. Des­halb haben wir uns natür­lich auch mit diesem Sze­nario beschäf­tigt.

Wie muss man sich eine solche Pla­nin­sol­venz vor­stellen?
Der Unter­schied zu einem regu­lären Insol­venz­ver­fahren ist der, dass wir bei einem Insol­venz­ver­fahren in Eigen­ver­wal­tung, wie es kor­rekt heißt, weiter die Zügel in der Hand halten. Die Geschäfts­füh­rung bleibt weiter im Amt und bekommt einen Sach­ver­walter an die Seite gestellt, der die Geschäfte kon­trol­liert und beauf­sich­tigt. Das bietet viel mehr Ein­fluss­mög­lich­keiten als ein klas­si­sches Insol­venz­ver­fahren, bei dem der Insol­venz­ver­walter die meisten Ent­schei­dungen trifft. Ziel eines Ver­fah­rens in Eigen­ver­wal­tung ist zudem explizit nicht die Abwick­lung eines Unter­neh­mens, son­dern die Sanie­rung, um den Fort­be­stand zu sichern und gestärkt in die Zukunft zu gehen. Gleich­zeitig muss man berück­sich­tigen, dass bei einem Insol­venz­ver­fahren immer Gläu­biger zurück­ge­lassen werden. Des­halb bedeutet ein sol­ches Ver­fahren immer einen Ver­trau­ens­ver­lust. Wir müssen uns ganz genau über­legen, ob wir diesen Schritt gehen wollen, sollte es die Lage erfor­dern.