Wie habt Ihr von der Koope­ra­tion Eures Ver­eins mit RB Leipzig erfahren?
Zwei Tage vor der Bekannt­gabe des Wech­sels von Markus Krö­sche gab es erste Berichte, in der von einer mög­li­chen Koope­ra­tion zwi­schen den beiden Klubs die Rede war. Dass es auch tat­säch­lich so weit kommt, haben wir dann erst durch einen Halb­satz in der offi­zi­ellen Pres­se­mit­tei­lung des Ver­eins zum Wechsel erfahren. Von den Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen ist vorher nie­mand auf uns zuge­kommen.

Was sind Eure wesent­li­chen Kri­tik­punkte an der Koope­ra­tion?

Der Haupt­punkt ist sicher­lich, dass wir RB Leipzig als Gesamt­kon­strukt ablehnen. Werte wie Mit­be­stim­mung und Demo­kratie, die unseren SCP immer aus­ge­zeichnet haben, werden dort mit Füßen getreten. Zudem stößt uns die man­gelnde Trans­pa­renz unserer Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen übel auf. Dass die Ent­schei­dung ohne jeg­li­chen Ein­bezug von Fans und Mit­glie­dern getroffen wurde, ist inak­zep­tabel. Wir sind auch keine rück­wärts­ge­wandten Nost­al­giker. Doch dass unser Club aktiv an diesem Spie­ler­ka­russel teil­nehmen und nun ein Bin­de­glied zwi­schen den inter­na­tio­nalen Red-Bull-Stand­orten dar­stellen möchte, wollen wir nicht hin­nehmen. Mit Hilfe unseres Ver­eins wird das Trans­fer­system weiter bis zum Rand der Lega­lität aus­ge­he­belt. Von einer Wett­be­werbs­ver­zer­rung auf­grund der glei­chen Liga­zu­ge­hö­rig­keit ganz zu schweigen. Wir wollen kein Teil dieses kranken RB-Sys­tems sein! 

Durch die Teil­nahme an diesem Spie­ler­ka­russel“ könnten bald aber mög­li­cher­weise Spieler für den SC Pader­born auf­laufen, die sich der Verein finan­ziell sonst nicht leisten könnte. So gelten bei­spiels­weise Bruma und Jean-Kévin Augustin als erste Kan­di­daten für eine Aus­leihe. 

Natür­lich würde die Koope­ra­tion dem Verein auch Vor­teile bringen, das blenden wir ja nicht aus. Für uns über­wiegen jedoch die Nach­teile. Mit der Zusam­men­ar­beit mit RB Leipzig ent­fernt sich unser Verein kom­plett von der ehr­li­chen und boden­stän­digen Arbeit, für die er jah­re­lang stand und die ihn in ganz Deutsch­land sym­pa­thisch gemacht hat. Uns haben das Scou­ting und die Aus­bil­dung junger Spieler bis zum Wei­ter­ver­kauf aus­ge­macht. Es wurde jah­re­lang gepre­digt, dass wir als kleiner Verein Trans­fer­erlöse gene­rieren müssen. Wir fragen uns, wie das mit Spie­lern funk­tio­nieren soll, die nur aus­ge­liehen sind und Pader­born dann ohne Ablöse wieder ver­lassen.

Pader­borns Prä­si­dent Elmar Volk­mann zeigte sich über­rascht von der Schärfe Eurer Kritik. Zudem sagte er: Die Kritik ist mir nicht so ganz ver­ständ­lich, weil sie ja ohne jeg­liche Kenntnis der Sache erfolgt.“

Das ist zum einen sehr naiv und irgendwo auch dreist. Uns über die genauen Inhalte zu infor­mieren, ist schließ­lich Auf­gabe des Ver­eins. Zumal wir in den letzten Jahren eine sehr gute Kom­mu­ni­ka­tion mit dem Verein auf­ge­baut haben und im Vor­feld offen und kon­struktiv über wesent­liche Themen wie Ein­tritts­preise dis­ku­tiert haben. Inso­fern ist es umso erstaun­li­cher, dass der Verein und ins­be­son­dere Volk­mann als Prä­si­dent das nun nicht nutzen. 

Am Mitt­woch­abend hat der Klub dann Details zur geplanten Zusam­men­ar­beit mit Leipzig ver­öf­fent­licht. Vor allem soll es dem­zu­folge zu einem Know-How-Transfer in beide Rich­tungen kommen, der letzt­lich beiden Klubs hilft.“ Also alles gar nicht so schlimm?

Das klingt für uns alles sehr nach bemühter Beschwich­ti­gung. Ich denke, die Pres­se­kon­fe­renz von RB Leipzig hat recht ein­drück­lich gezeigt, wie intensiv die geplante Koope­ra­tion sein soll. Zudem ver­strickt sich unser Verein in Wider­sprü­chen: Wäh­rend zunächst von einer lang­fris­tigen Zusam­men­ar­beit die Rede war, heißt es nun, dass keine kon­krete Dauer ver­ein­bart wurde. Auch jeg­liche Ein­sicht, in der Kom­mu­ni­ka­tion even­tuell Fehler begangen zu haben, lässt der Verein in der Erklä­rung ver­missen.

Als Reak­tion hat die aktive Fan­szene ange­kün­digt, den Spielen des SCP bis auf Wei­teres fern­zu­bleiben. Habt ihr Euch bewusst für diesen radi­kalen Schritt ent­schieden, um Druck auf die Ent­schei­dungs­träger auf­zu­bauen?
Es ist auf jeden Fall ein Druck­mittel. Auch als wir vor fünf Jahren gegen die hohen Ticket­preise bei unseren Heim­spielen gekämpft haben, haben wir darauf zurück­ge­griffen. In der aktu­ellen Situa­tion sehen wir keine Alter­na­tiven. Wir sind im Grunde gezwungen, so zu han­deln. Uns fehlt ein­fach die Moti­va­tion, unter diesen Bedin­gungen unter der Woche tage­lang Cho­reos vor­zu­be­reiten oder uns ander­weitig für einen Verein auf­zu­op­fern, der nicht mehr für unsere Werte steht. 

Die Stel­lung­nahme mit der Boy­kott-Ankün­di­gung haben zunächst sechs Gruppen unter­zeichnet. Von wie vielen Per­sonen ist hierbei die Rede?

Die Unter­zeichner spie­geln zunächst einmal das engere Ultra-Umfeld von etwa 100 bis 150 Per­sonen wider. Wir sind aber gerade dabei, auch die anderen Fan­clubs und wei­tere Anhänger in unser Vor­gehen ein­zu­be­ziehen. Wir sind ja nicht die ein­zigen, die diese Koope­ra­tion ablehnen. Es ist natür­lich spe­ku­lativ, aber ich denke schon, dass es 500 bis 1000 Leute werden könnten, die den Spielen fern­bleiben würden. Ohne uns selbst zu wichtig zu nehmen: Es werden vor­nehm­lich die­je­nigen sein, die lang­fristig unab­hängig der Liga zum Verein stehen. Unser kleines Sta­dion wird natür­lich den­noch aus­ver­kauft sein, da brau­chen wir uns nichts vor­ma­chen. Doch auch wenn unser Sta­dion nie das lau­teste war – bei der Atmo­sphäre wird man unser Fehlen wohl deut­lich spüren. 

Trainer Steffen Baum­gart hat für Euren geplanten Boy­kott wenig Ver­ständnis. Im West­falen-Blatt“ sagte er: Wir leben in einem freien Land, da darf jeder seine Mei­nung haben. Ich mag es des­halb gar nicht, wenn gleich gedroht wird.“

Als Dro­hung würde ich unsere Reak­tion nicht bezeichnen. Es ist viel­mehr die Kon­se­quenz, die wir aus einer aus unserer Sicht fatalen Ent­wick­lung ziehen. Eine erste Ent­frem­dung gab es schon im ver­gan­genen Jahr mit der Aus­glie­de­rung der Profi-Abtei­lung. Die Spi­rale des modernen Fuß­balls dreht sich immer weiter. Hier muss jede Grup­pie­rung, jede Fan­szene für sich selbst ent­scheiden, wo für sie die Grenze erreicht ist. Bei der Fan­szene von Preußen Münster war es zum Bei­spiel die Aus­glie­de­rung, bei uns ist dieser Punkt jetzt mit der Koope­ra­tion mit Leipzig erreicht. 

Es gibt auch Vor­würfe, Ihr würdet die Mann­schaft nach dem uner­war­teten Auf­stieg gerade in einer beson­ders schwie­rigen Situa­tion im Stich lassen.

Dass es unsere Ent­schei­dung der Mann­schaft nicht ein­fa­cher macht, ist uns bewusst und fällt uns unheim­lich schwer. Wir sind jedoch keine Stim­mungs­lie­fe­ranten. In Anbe­tracht der Umstände sehen wir ein­fach keine andere Wahl. 

In drei Wochen will sich der Verein mit Euch zusam­men­setzen, um über das Thema zu reden. Ein Frie­dens­an­gebot?

Die Initia­tive zu diesem Treffen ging von unserer Seite aus. Wir sind keine bockigen kleinen Kinder und offen für den Aus­tausch. Dass dieser aller­dings erst in drei Wochen statt­findet, zeigt auch, wie ernst der Verein unser Anliegen nimmt. Wahr­schein­lich hoffen die Ver­ant­wort­li­chen, dass sich die Lage bis dahin etwas beru­higt hat. Von daher erwarten wir von diesem Gespräch nicht allzu viel. 

Kann es einen Kom­pro­miss geben?

Solange unser Verein- in wel­cher Form auch immer – mit dem Mar­ke­ting­kon­strukt aus Leipzig zusam­men­ar­beitet, werden wir von unserer Hal­tung nicht abwei­chen. Eine andere Lösung als eine Auf­lö­sung der Koope­ra­tion kann es für uns nicht geben. 

Wie opti­mis­tisch seid Ihr dies­be­züg­lich?

Wir haben den Kopf noch nicht in den Sand gesteckt. Wir haben noch einige Ideen und wollen offensiv für unser Anliegen kämpfen – bis zum Ende.

Hin­weis: Unser Gesprächs­name möchte nicht, dass sein Name im Internet ver­öf­fent­licht wird. Der Name ist der Redak­tion bekannt.