Günter Ober­holz, Ihr Verein steckt mitten in einem Rechts­streit. Was hat sich der FC Kray zu Schulden kommen lassen?
Glauben Sie mir, das frage ich mich selber oft genug. Eine Nach­barin, die etwa 25 Meter von unserem Ver­eins­ge­lände ent­fernt wohnt, hat Ende 2013 wegen Lärm­be­läs­ti­gung gegen den Betreiber, die Essener Sport- und Bäder­be­triebe, geklagt. Diese Klage richtet sich gegen Nut­zung unserer Sport­an­lage. Seitdem nimmt das Ganze seinen Lauf.

Wusste die Dame bei ihrem Einzug nichts von der Sport­an­lage?
Das ist das Ver­rückte an der Sache. Sie wohnt seit 1978 in direkter Nähe zum Platz und die Sport­an­lage wird schon seit Mitte der Fünf­ziger genutzt. Die Klä­gerin kennt die Situa­tion also gar nicht anders.

Wieso gibt es jetzt plötz­lich Ärger?
Die Stadt Essen hat 2011 unsere Anlage reno­viert. Der alte Aschen­platz ist einem neuen Kunst­rasen gewi­chen. Nach Mei­nung der Klä­gerin wird seitdem viel mehr trai­niert und gespielt.

Hat Sie damit Recht?
Die Trai­nings­zeiten auf dem Gelände haben sich erhöht. Trotzdem spielen wir ja nicht lauter als zuvor.

Welche recht­liche Grund­lage hat die Klage?
Das Ver­fahren stützt sich auf die Immis­si­ons­richt­werte der Sport­an­la­gen­lärm­schutz­ver­ord­nung.

Das heißt?
Bestimmte Laut­stärken dürfen nicht über­schritten werden. Bei uns wurde das auch zweimal getestet. Leider haben wir die Grenz­werte beim Tor­jubel für wenige Sekunden um etwa fünf Dezibel über­schritten. Das muss man sich mal vor­stellen – wenige Sekunden führen zu sol­chen Kon­se­quenzen!

Was wurde unter­nommen, um die Lage zu beru­higen?
Wir haben ins­ge­samt schon 15.000 Euro in den Schall­schutz inves­tiert. Für die Stadt kommen Aus­gaben im sechs­stel­ligen Bereich hinzu. Die Laut­spre­cher­an­lage wurde voll­ständig aus­ge­tauscht und neu aus­ge­richtet. Außerdem gibt es seit Januar eine neue Tri­büne mit inte­grierter Schall­schutz­mauer, die den direkten Lärm in Rich­tung der Nach­barn ver­rin­gern soll.

Warum hat sich die Situa­tion nicht ent­spannt?
Die Tri­büne ist an den Seiten 20 Zen­ti­meter größer als bean­tragt. Des­halb dürfen wir sie nicht benutzen. Im Nor­mal­fall wird so etwas mit einem Nach­trag ein­fach durch­ge­wunken. Scheinbar gilt das für uns nicht. Wenn man das alles so mit­er­lebt, könnte man fast denken, einige möchten nicht, dass wir als kleiner Verein erfolg­reich sind.

Wie meinen Sie das?
Wir haben als kleiner Verein mit 600 Mit­glie­dern letztes Jahr noch in der Regio­nal­liga gespielt, gegen Ver­eine wie Rot-Weiß Essen. Aktuell stehen wir auf dem zweiten Platz der Ober­liga. Statt diesen Erfolg zu wür­digen, bekommt man das Gefühl, uns werden sogar ein paar Steine mehr in den Weg gelegt als anderen.

Was sagen eigent­lich die Fans zu der Situa­tion?
Sie unter­stützen den Verein, wo es nur geht. Beim Heim­spiel gegen den PSV Wesel Lack­hausen haben einige Fans mit ihren Trom­meln die Anlage ver­lassen und von außen Stim­mung gemacht. Neue Beschwerden können uns so nicht ange­lastet werden.

Der FC Kray ist nicht der ein­zige Klub in Mitten eines Wohn­ge­biets. Was pas­siert, wenn der Verein kein Recht bekommt?
Im schlimmsten Fall müssten wir den Betrieb auf der Anlage völlig ein­stellen. Die Stadt Essen müsste uns in diesem Fall eine andere Sport­an­lage zur Ver­fü­gung stellen. So weit werden wir es aber nicht kommen lassen. Die Situa­tion ist aber für viele Fuß­ball­ver­eine in ganz Deutsch­land eine Gefahr. Wir lie­fern, egal wie es aus­geht, einen Prä­ze­denz­fall. Des­halb ist es zwin­gend erfor­der­lich, dass per Gesetz­ge­bung die viel zu niedrig ange­setzten Immis­si­ons­richt­werte für Sport­an­lagen ver­än­dert werden.