Anzeige
Präsentiert von MagentaSport

3. Liga

Joe Enochs hat viel erlebt. 1994 kam der US-Ame­ri­kaner nach Deutsch­land, zur zweiten Mann­schaft des FC St. Pauli. Zwei Jahre später ging es für den Mit­tel­feld­ab­räumer zum VfL Osna­brück, wo er 2008 seine Pro­fi­kar­riere been­dete und danach in dieser Rei­hen­folge Co-Trainer, Leiter der Nach­wuchs­ab­tei­lung und Chef­trainer der ersten Mann­schaft wurde. Der 51-Jäh­rige besitzt zudem ein abge­schlos­senes Kri­mi­na­listik-Stu­dium und eine Sportsbar in der Osna­brü­cker Alt­stadt. Aber das, was ihm am Sonn­tag­nach­mittag als Trainer des FSV Zwi­ckau wider­fahren ist, hatte er auch noch nicht erlebt.

Kurz nach Spiel­schluss gibt er dem MDR ein Inter­view, als plötz­lich ein ver­mummter Anhänger von Erz­ge­birge Aue heran sprintet, um auf Enochs Spieler Johan Gómez los­zu­gehen. Aus dem Augen­winkel bemerkt der Kali­for­nier den Angreifer, bricht das Gespräch mit der Repor­terin ab, um Lands­mann Gómez zur Hilfe zu kommen. Gemeinsam mit zwei Ord­nern kann Enochs den Erz­ge­birgler zu Boden ringen. Gómez bleibt unver­sehrt. Es ist der Höhe­punkt, bezie­hungs­weise Tief­punkt, der bis zur Eska­la­tion auf­ge­heizten Stim­mung rund um das Westsach­sen­derby. Das erste Punkt­spiel zwi­schen Aue und Zwi­ckau seit 22 Jahren.

Eska­la­ti­ons­po­ten­tial bereits bei der Anreise

Lange ruhte die Riva­lität zwi­schen den beiden säch­si­schen Lokal­ri­valen. Derbys gab es für den FC Erz­ge­birge lange Zeit aus­schließ­lich, wenn es gegen die große SG Dynamo aus Dresden ging, die freund­schaft­liche Kon­takte nach Zwi­ckau pflegt. In einem Liga­spiel trafen die beiden Klubs aus Zwi­ckau und Aue letzt­mals im Mai 2000 in der Regio­nal­liga Nordost auf­ein­ander, 2016 noch einmal im Lan­des­pokal. Im Finale, das Aue mit 1:0 gewann, beschossen sich die Fan­lager schon damals mit Pyro­technik. In der Neu­auf­lage, der ersten Partie in der 3. Liga zwi­schen beiden, war also absehbar, dass beide Seiten die Riva­lität erneut tat­kräftig aus­leben werden.

Zu sehen war das bereits bei der Anreise der Zwi­ckauer Fans. Ein Son­derzug sollte einen Groß­teil der über 1.000 Gäs­te­fans nach Löß­nitz bringen. Einer Ort­schaft, die an Aue-Bad Schlema grenzt. Doch dazu kam es erst gar nicht: Auf einem Bahn­über­gang lösten Insassen die Not­bremse aus. Teile der Heim­fans ver­suchten dar­aufhin zum ste­henden Zug zu gelangen, was die Polizei ver­hin­derte. Ein Ben­galo fand den­noch seinen Weg in Rich­tung Zug, ver­fehlte ihn aller­dings und setzte statt­dessen die Hecke eines benach­barten Pri­vat­grund­stücks in Brand. Die Feu­er­wehr ver­hin­derte Schlim­meres.