Kolja Afriyie

Nicht dass Kolja Afriyies Kar­riere bis dato so richtig schlecht ver­lief, doch wer auf seine ersten Geh­ver­suche im Pro­fi­fuß­ball blickt, wird sagen: sie hätte durchaus besser laufen können. Und viel­leicht fragt sich Kolja Afriyie gele­gent­lich selbst, was gewesen wäre, wenn er am 12. Februar 2003 das Spiel seines Lebens gespielt oder zumin­dest eine solide Leis­tung abge­lie­fert hätte. Afriyie war damals Teil der deut­schen U21-Natio­nal­mann­schaft, der Gegner hieß Spa­nien und sein Trainer Jürgen Kohler. Afriyie war auf­ge­regter als sonst, denn er wusste, dass Michael Skibbe auf der Tri­büne saß, um ihn, die Neu­ent­de­ckung von Kohler, zu beob­achten. Afriyie galt als einer von diesen großen Unbe­kannten auf dem Weg zur WM 2006, ein Spieler, der in den deut­schen Medien nicht statt­fand, obgleich er seine Kar­riere beim Ham­burger SV gestartet hatte und nun im Aus­land spielte. Doch Afriyie stand eben nicht bei Juventus Turin, Real Madrid oder Man­chester United unter Ver­trag, son­dern beim AC Hor­sens, einer Mann­schaft aus der Viasat Sport Divi­sion, der zweiten däni­schen Liga. Afriyie galt den­noch als Per­spek­tiv­spieler, als ein poten­ti­eller Kan­didat für das Pro­jekt 2006.



An diesem Tag im Februar 2003 gelang Afriyie aller­dings gar nichts und so war das Spiel nach 25 Minuten für ihn beendet. Die Spa­nier hatten soeben das 3:1 geschossen – wieder einmal über die rechte, über seine Seite. Kohler schickte Hinkel aufs Feld. Afriyie ver­schwand mit gesenktem Kopf auf der Aus­wech­sel­bank – und bald darauf auch wieder in der Ver­sen­kung.

Heute spielt Kolja Afriyie für den aktu­ellen däni­schen Vize­n­meister FC Midtjyl­land, gele­gent­lich schwappen noch Gerüchte über eine Rück­kehr aus den zahl­rei­chen Web­foren. Einmal war es Han­nover 96, dann der 1. FC Nürn­berg, die angeb­lich an seiner Ver­pflich­tung inter­es­siert waren. Alles Sei­fen­blasen, so scheint es. Denn Kolja Afriyie ver­län­gerte im Oktober seinen Ver­trag in Midtjyl­land bis 2011. 


Kevin Pez­zoni

Kevin Pez­zoni wagte schon sehr früh den Schritt ins Aus­land. Er war einer von jenen, die extrem jung, 14-jährig, in die ver­stärkt auf sehr junge Talente set­zende Pre­mier League ging. Im Jahr 2003 wech­selte er von Ein­tracht Frank­furt in die Nach­wuchs Aka­demie der Black­burn Rovers. Nach fünf Jahren in Black­burn stand fest, dass er nicht den Sprung von der Jugend­ab­tei­lung zum Pro­fi­kader schaffen würde. Daraus zog Pez­zoni seine Kon­se­quenzen und unter­schrieb im Januar 2008 beim dama­ligen Zweit­li­gisten 1.FC Köln. Dort erhielt der 19-jäh­rige seinen ersten Pro­fi­ver­trag. Er sei ein abso­luter Per­spek­tiv­spieler, sagte der FC-Manager Meier zu seiner Ver­pflich­tung. In der zweiten Liga noch selten im Ein­satz, gehört er in der aktu­ellen Saison zum festen Stamm der ersten Mann­schaft. Seit dem 6. Spieltag hat der Mit­tel­feld­spieler jedes Spiel von Anfang an gemacht.


Markus Neu­mayr

Immerhin 17 Jahre alt war Markus Neu­mayr als er bei Man­chester United einen Vertag unter­schrieb. Er ver­ließ eben­falls im Jahr 2003 die Jugend­ab­tei­lung der Frank­furter Ein­tracht, weil auf ihn, wie er sagte, eine ein­ma­lige Chance war­tete. In Man­chester stieg er tat­säch­lich ins Pro­fi­team auf und wurde Kapitän der Reserve Elf, dau­er­haft konnte sich Neu­mayr aber nicht durch­setzen. Im Sommer 2006 kehrte er nach Deutsch­land zurück zum MSV Duis­burg. In der fol­genden Saison kam er immerhin zu fünf Ein­sätzen, als er aber nach dem geglückten Auf­stieg in der 1. Bun­des­liga nur zu spo­ra­di­schen Kurz­ein­sätzen kam, ging er aber­mals ins Aus­land und kickt seit Beginn der lau­fenden Spiel­zeit in Bel­gien bei SV Zulte-Waregem.


Moritz Volz

Der Humor­kri­tiker Hans Mentz sagte einmal über Moritz Volz: »Zwi­schen all den jungen und stock­dummen Bravo Sport-Titel­vor­lagen wie Poldi oder Schweini ist Volz ein poten­ti­eller Nach­folger des drol­ligen Mehmet Scholl.« Und ein Jour­na­list des bri­ti­schen »Guar­dian« war so über­rascht von der Tat­sache, end­lich mal einen lus­tigen Deut­schen gefunden zu haben, dass er schrieb: »He is a German with a sense of Humor. What’s more, he is a German foot­baller with a sense of humour.«

Und tat­säch­lich: Moritz Volz ist ein ziem­lich lus­tiger Mensch. Um das fest­zu­stellen, braucht man sich nicht lange mit ihm zu unter­halten, es reicht ein Blick auf seine Inter­net­seite: Hier glänzt fast jede Ecke mit dop­pel­bö­digen Witz oder (selbst-)ironischen Pointen. Mit­unter mag man gar nicht glauben, dass die Seite volzy​.com von einem Fuß­ball­spieler berichtet. Auf der Unter­seite »Where it’s at«, einem kleinen Eng­land-Guide, findet sich zum Bei­spiel »Volzy’s German Phrase Book«. Hier kann sich der gemeine Deut­sche vor seinem Eng­land-Urlaub über die gebräuch­lichsten Phrasen infor­mieren, etwa was der Satz »Wo kann ich mir meine VokuHila-Frisur blon­dieren lassen?« auf Eng­lisch heißt (»Where can I get my mullet high­lighted?«). Oder: »Wo kann ich die neue David Has­sel­hoff CD kaufen?« (»When is David Has­sel­hoff’s new album out?«). In der Foto­ga­lerie posiert Volz als Mitch Buch­annon (»Bay­watch«) mit Brust­haar­toupet und roter Bade­hose, und in der Rubrik »A bit about me« plä­diert Volz für die Olym­pi­sche Dis­zi­plin Klapp­rad­fahren und berichtet von seinem Ziel, 2012 als pro­fes­sio­neller Klapp­rad­fahrer die Gold­me­daille zu gewinnen.

Doch Moritz Volz ist nicht nur lustig, er ist vor allem ein ziem­lich guter Fuß­ball­spieler. Und ein außer­ge­wöhn­li­cher zugleich. Denn Volz ver­ließ schon im Alter von 16 Jahren die Jugend­mann­schaft des FC Schalke 04, um die große Welt zu ent­de­cken. Volz ging nach London, zum FC Arsenal. Nicht wenige hielten damals die Anfrage aus London für einen April­scherz, doch als klar wurde, dass hier nie­mand geflun­kert hatte, stand das Telefon bei seinen Eltern im hei­mat­li­chen Siegen nicht mehr still. Später erzählte Volz, dass er sehr an Schalke 04 gehangen habe, doch die Neu­gierde in jenen Tagen ein­fach zu groß gewesen sei. Die Neu­gierde, etwas voll­kommen Neues zu ent­de­cken.

Beim FC Arsenal kam er aller­dings nur in der zweiten Mann­schaft zum Ein­satz, für einen Monat wech­selte Volz daher auf Leih­basis zum FC Wim­bledon in die First Divi­sion, später, 2003, ging er zum FC Fulham. Hier fei­erte er seinen und des Klubs bis dato größten Erfolg: Der FC Fulham belegte am Ende der Saison den neunten Platz in der Pre­mier League. Die Medien in Deutsch­land nahmen den­noch kaum Notiz von ihm: »Es war schon ein biss­chen frus­trie­rend, wenn im DSF unser Spiel gegen Liver­pool gezeigt wird, ich mich ständig durchs Bild flitzen sehe und der Kom­men­tator nur Dietmar Hamann erwähnt«, sagte Volz einmal über jene Zeit. 

Volz nahm es hin, spielte weiter, zumeist solide bis gut, und drängte sich ange­neh­mer­weise nie auf. Und das obwohl er mitt­ler­weile ein gestan­dener Profi ist, der bis heute 105 Pre­mier-League-Spiele machte. Den erhofften Anruf bekamen den­noch stets andere – Tobias Weis oder Marcel Schäfer nach ein paar Bun­des­li­ga­spiele. Volz wird auch das hin­nehmen, und weiter warten. 


Dennis Krol
Mit großen Erwar­tungen und erst 13-jährig war Dennis Krol 2003 zum FC Bar­ce­lona gewech­selt. Damit war er der seit langem ein­zige deut­sche Nach­wuchs­spieler in Spa­nien und wähnte sich auf Schus­ters Spuren. Er fiel den Scouts aus Bar­ce­lona auf, als er noch in der Jugend von Bayer 04 Lever­kusen im zen­tralen Mit­tel­feld die Fäden zog. Lever­kusen besitzt eine der besten Jugend­ab­tei­lungen Deutsch­lands. Doch der große Traum an der Seite von Lionel Messi und Ronald­inho zu spielen gab dann den Aus­schlag, dafür dass der Junge dann zusammen mit seinem Vater nach Bar­ce­lona zog. Mitt­ler­weile steht er vor einer Rück­kehr nach Lever­kusen. Zuletzt hatte er in seiner Ent­wick­lung sta­gniert. »Von 1.000 schafft bei Barca ein ein­ziger den Durch­bruch«, sagt der heute 17-jäh­rige. Sein nächstes Ziel ist nun die Bun­des­liga, ent­weder in den Reihen in Lever­kusen oder in Dort­mund. Früher war er näm­lich Borussia Fan.


Thomas Hitzl­sperger

Dass nicht nur Spieler von klei­neren Ver­einen ihr Glück im Aus­land suchen zeigt das Bei­spiel von Thomas Hitzl­sperger. Mit 18 Jahren ging er von der Jugend des FC Bayern zum Aston Villa FC, weil er sich dort bes­sere Ent­wick­lungs­mög­lich­keiten aus­rech­nete. Er schaffte dort auch tat­säch­lich den Durch­bruch, machte in vier Jahren 99 Spiele und erzielte acht Tore. Als ihm 2005 der VfB Stutt­gart ein Angebot unter­brei­tete griff er zu und kam mit dem Spitz­namen »The Hammer« im Gepäck zu den Schwaben. Mit seinen 26 Jahren gehört Hitzl­sperger mitt­ler­weile zu den eta­blierten Kräften im deut­schen Fuß­ball und ist somit ein Beweis der guten Nach­wuchs­ar­beit in Eng­land. 2007 hatte er großen Anteil am Gewinn der Meis­ter­schaft der Stutt­garter und ist in der Natio­nal­mann­schaft zum Stamm­spieler auf­ge­stiegen.