Luciano Gaucci war eine schil­lernde Per­sön­lich­keit. Als Prä­si­dent der AC Perugia ver­stand er es, seinen Verein im Gespräch zu halten. Im Sommer 2003 sorgte er etwa für Auf­sehen, als er As-Saadi al-Gad­dafi ver­pflich­tete, den Sohn von Libyens Dik­tator Muammar al-Gad­dafi. In der glei­chen Trans­fer­pe­riode buhlte Gaucci zudem mit viel Geld um die Dienste von Birgit Prinz. Die frisch geba­ckene Welt­meis­terin sollte die erste Frau in einer pro­fes­sio­nellen Män­ner­mann­schaft werden.

Zuvor hatte es Gaucci bereits bei den Schwe­dinnen Vic­toria Svensson und Hanna Ljung­berg ver­sucht – ver­geb­lich. Und auch Birgit Prinz sagte schließ­lich ab. Zwar traf sie sich mit Gaucci zu Ver­hand­lungen in Rom, sagte aber schließ­lich aus sport­li­chen Gründen ab. Sie habe kein Pro­blem damit, wegen guter Leis­tungen auf dem Platz im Mit­tel­punkt zu stehen, sagte sie damals. Aber ein Gla­mour-Girl“, ein PR-Gag wollte sie nicht sein.

Nur mit Son­der­ge­neh­mi­gung

Alles andere als ein PR-Gag ist, was sich nun 17 Jahre später in den Nie­der­landen zuträgt. Dort erhält die 19-jäh­rige Ellen Fok­kema vom Fuß­ball­ver­band KNVB eine Son­der­ge­neh­mi­gung, um in der kom­menden Spiel­zeit für die erste Herren des VV Foarut in der vierten Ama­teur­klasse spielen zu dürfen. Damit ist sie die erste Frau, die im nie­der­län­di­schen Fuß­ball für eine erste Män­ner­mann­schaft auf­läuft.

Bis­lang dürfen Mäd­chen und Jungen in den Nie­der­landen bis zum Alter von 19 Jahren in gemischten Teams spielen. Beim Wechsel in den Senioren-Bereich müssen sich die Mäd­chen dann einer Frau­en­mann­schaft anschließen oder in der schwä­cheren B‑Kategorie des Ama­teur­fuß­ball-Sys­tems spielen. In Deutsch­land ist es laut DFB-Sta­tuten sogar nur bis zu den B‑Junior*innen gestattet, dass Mäd­chen und Jungen zusammen spielen.

Die Erfah­rung soll zeigen, ob es funk­tio­niert

Dabei emp­fehlen die Ver­bände selbst, mög­lichst lange gemischt zu spielen. Bei den Jungs zu spielen, bringt dir unheim­lich viel, Zwei­kampf­härte, Schnel­lig­keit – du lernst dich durch­zu­setzen“, sagt etwa Natio­nal­spie­lerin Sara Däbritz auf der DFB-Home­page. Auch Ellen Fok­kema habe der KNVB geraten, solange wie mög­lich bei den Jungs zu bleiben. Dass sie dies nun auch nach dem Wechsel in den Senioren-Bereich darf, hat sie einer Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung zu ver­danken, um die sie den Ver­band dreimal gebeten hatte.

Anfragen wie diese erhält der KNVB nach eigenen Angaben in jedem Jahr. Bei Fok­kema hat er ihr nun statt­ge­geben. Und will genau beob­achten, wie das Pilot­pro­jekt ver­läuft. Basie­rend auf den Ergeb­nissen will der Ver­band dann prüfen, ob Frauen und Män­nern letzt­end­lich die gene­relle Frei­gabe für das gemischte Spielen in der Kate­gorie A zu ermög­li­chen. Wir glauben, dass in jeder Hin­sicht Platz für alle sein sollte. Dar­über hinaus ist es eine schöne sport­liche Her­aus­for­de­rung, die wir nicht blo­ckieren wollen“, so Art Lan­geler, Direktor für Fuß­ball­ent­wick­lung beim KNVB. Die Erfah­rung wird zeigen, ob und wie es funk­tio­niert. Wir werden in enger Absprache mit dem Klub über­wa­chen, wie es läuft. Auf dieser Grund­lage könnten wir eine Ände­rung der Vor­schriften errei­chen.“

Für uns ist es völlig normal, dass Ellen mit den Jungs spielt“

Auke Grijpma, Vorstand des VV Foarut

Damit würde der Ver­band Fok­kemas Verein sehr ent­gegen kommen. Seit sie fünf Jahre alt ist, spielt die Friesin mit den Jungs zusammen. Da hätte ich es doch schade gefunden, wenn ich ab der nächsten Spiel­zeit nicht mehr mit ihnen in einem Team gewesen wäre.“ Auch für Auke Gri­jpma, Vor­stand des VV Foarut, sei es völlig normal, dass Ellen mit den Jungs Fuß­ball spielt.“ Er hofft nun, dass sein Verein nur der Anfang einer Ent­wick­lung ist. Wir sind der Mei­nung, dass jeder in der Lage sein sollte, Fuß­ball auf dem Niveau zu spielen, das er anstrebt“, wird er in nie­der­län­di­schen Medien zitiert.

Für viele Frauen ist das der­zeit jedoch nicht mög­lich. Allein schon, weil es viel weniger Frauen- als Män­ner­mann­schaften gibt. Die Folge: Viele Mäd­chen und Frauen müssen weite Wege zurück­legen, um eine pas­sende Mann­schaft auf ihrem Niveau zu finden. Auch diesem Pro­blem will der KVNB mit gemischten Teams ent­ge­gen­treten.

Aber ist das Niveau bei den Män­nern nicht viel­leicht doch ein­fach höher? Viel­leicht zu hoch? Es ist eine ziem­liche Her­aus­for­de­rung“, gesteht auch Ellen Fok­kema. Aber“, so die 19-Jäh­rige, das reizt mich nur noch mehr.“ Und damit hat sie sogar eine deut­schen Welt­meis­terin etwas voraus.