Mit wel­cher Per­spek­tive wurden Sie Fuß­ball­spieler in der DDR? War Ruhm ein Antrieb oder eher wirt­schaft­liche Aspekte? 
Ducke: Es ging darum, das Ange­nehme mit dem Nütz­li­chen zu ver­binden. Wissen Sie, ich bin ein Kriegs­kind. Zwei meiner Brüder sind im Krieg geblieben. Wir sind 1945 aus Tsche­chien nach Thü­ringen gekommen. Ich habe große Armut erlebt. Den Nach­bars­kin­dern wurde ver­boten, mit mir zu spielen, weil wir nichts hatten. Mein großes Vor­bild war mein Bruder Roland, der unglaub­lich stark am Ball war. Das wollte ich auch können. Und als ich Ende der Fünf­ziger nach Jena kam, eröff­neten sich mir alle Mög­lich­keiten, auf der Grund­lage des Fuß­balls mein Leben auf­zu­bauen. 
Dörner: Das Wirt­schaft­liche stand nicht im Vor­der­grund, als ich zu Dynamo Dresden kam. Mit 18 denkt nie­mand dar­über nach, irgend­wann aus­ge­sorgt zu haben. Aber natür­lich hatten wir als Fuß­baller Vor­teile, etwa dass wir die ganze Welt bereisten und ein biss­chen mehr ver­dienten als die All­ge­mein­heit. 
Rohde: Es heißt immer, wir seien pri­vi­le­giert gewesen. Das fand ich unge­recht. Natür­lich konnten wir reisen, aber wir haben es uns erar­beitet. Wir sind über die harte Jugend­aus­bil­dung dahin gekommen. Viele andere, die das auch errei­chen wollten, haben es nicht geschafft. 
Ducke: Wir mussten uns durch­setzen, die Ellen­bogen aus­fahren. Gegen die Zuschauer, gegen den Gegner, auch gegen pri­vate Pro­bleme. Das war nicht immer leicht. 
Rohde: Und die finan­zi­ellen Mög­lich­keiten waren längst nicht so, weil unsere Spieler nicht so ver­marktet wurden wie im Westen. Dort hätten Typen wie Ducke und Dörner ein Viel­fa­ches ver­dient. 

Was bedeu­tete es, ein Star in der DDR zu sein?
Ducke: Nichts Beson­deres. Ich wurde aber ständig und überall auf Auto­gramme ange­spro­chen. 
Dörner: Man wurde erkannt. Wenn ich in Jena, Dresden oder in Berlin durch die Straßen ging, wurde ich ange­spro­chen. 

So, dass es zu viel wurde? 
Dörner: Nein. Aber die Medien haben bei uns den Fuß­ball auch nicht so trans­por­tiert, dass es unan­ge­nehm wurde. Dort wurde bewusst sach­lich berichtet.

TV-Reporter Gott­fried Weise sagt, er habe den Ein­druck gehabt, dass die meisten Ober­li­ga­spieler eher ungern Inter­views gaben.
Ducke: Was heißt ungern? Presse, Funk und Fern­sehen hatten in der DDR einen anderen Stel­len­wert als im Westen. Ich habe meine Späße mit den Zuschauern gemacht, mal den Hin­tern raus­ge­streckt oder ein biss­chen pro­vo­ziert. Dann gab’s auch mal einen Ver­weis von der Par­tei­lei­tung. Aber über diese Sachen wurde nicht groß­artig berichtet. 
Rohde: Gegen­frage: Hat Gott­fried immer das gefragt, was er fragen wollte? Hinter dem stand auch einer, der auf­passte, dass er nicht die fal­schen Fragen stellt. So waren eben die Ver­an­stal­tungen zur dama­ligen Zeit.

Wie war das Medi­en­auf­kommen bei Spielen? 
Rohde: Da standen immer nur die Glei­chen, die das schrieben, was ihnen von oben vor­ge­geben war.