Der Chef
Hat früher selbst mal in der ersten Mann­schaft gespielt, und war sogar schon auf dem Sprung zu For­tuna Düs­sel­dorf II, als ihn eine Menis­kus­ver­let­zung zum Auf­hören zwang. Er kennt jeden Zuschauer im Sta­dion. Etwa 80 Pro­zent begrüßt er mit Hand­schlag und einem flotten Spruch („Ergebt euch, ich bin in der Über­zahl!“). Die rest­li­chen 20 Pro­zent müssen sich mit einem jovialen Nicken oder der Kom­bi­na­tion Zeigefinger/​Augenzwinkern zufrie­den­geben. An der Schlange vor dem Bier- oder Würst­chen­stand erkennt er Fremde und >Ein­dring­linge sofort. Damit diese Ein­dring­linge ver­stehen, wer hier der Chef ist, drän­gelt er sich laut redend direkt vor sie und demons­triert mit anderen her­um­ste­henden Leuten Geschlos­sen­heit. Gesprächs­themen: Letzter Abend im Fan­tastico“ oder die neuen Sport­felgen von Ralf. Der Ein­dring­ling weiß sofort: Er ist alleine. Denn er war nicht im Fan­tastico“ und fährt Fahrrad.

Der Pöbler
Egal, wie fair der Gegner sich benimmt, ob die eigene Mann­schaft gewinnt oder der Schieds­richter zwei Platz­ver­weise gegen die Gast­mann­schaft aus­spricht: Der Pöbler pöbelt immer. Der Pöbler findet näm­lich per se, dass der Schieds­richter sich mal gerade machen sollte“ und mit diesem Pus­sy­ge­träller“ nicht mal bei den Kas­tel­ru­ther Spatzen mit­ma­chen“ könne. Und wenn dieser danach um Ruhe bittet, resü­miert der Pöbler, dass die schwarze Sau“ das einer Parkuhr erzählen“ solle, denn dann sei er mit seinem Gesprächs­partner wenigs­tens geistig auf einer Höhe“. Am Ende hätte jeder Sieg deut­lich höher aus­fallen müssen, doch die Schiri-Heul­suse“ hat ja keine Eier in der Hose gehabt“, um in der 40., 57. und 83. Minute auf Elf­meter zu ent­scheiden. Auf diese Ent­täu­schungen kippt er in den letzten zehn Minuten noch vier große Bier und schickt ein letztes Heul doch!“ in Rich­tung des geg­ne­ri­schen Spie­lers, der gerade mit offenem Bein abtrans­por­tiert wird.
 
Die Spie­ler­frau
Sie ist die Königin der Ober­liga- und Ver­bands­li­ga­sta­dien, denn sie ist mit dem Top­stürmer oder dem Spiel­ma­cher liiert. Stil­si­cher kom­bi­niert sie Out­fits, Schminke und Schmuck­ac­ces­soires von Sarah Brandner und Sabia Bou­lah­rouz. Aktuell trägt sie beson­ders gerne eine Ramones-Loo­ka­like-Leder­jacke. Ein­ziger Unter­schied: Die Jacke ist von Zara und nicht von Gucci. Den­noch finden der >Chef und der >Pöbler, dass sie „’ne ham­mer­mä­ßige Perle“ ist. Dum­mer­weise kommt sie meis­tens erst kurz vor Anpfiff und schlen­dert dann son­nen­be­brillt an den Stehrängen vorbei direkt zur Sitz­platz­tri­büne. Der >Chef grinst wis­send, und der >Ehe­mann linst kurz ver­stohlen rüber, wäh­rend sie ober­halb der Ersatz­bank Platz nimmt. Sie spricht mit nie­mandem, außer mit aus­ge­wählten Mit­spie­lern ihres Freundes. Alle 30 bis 35 Sekunden über­prüft sie ihr iPhone (weiß), in der Hoff­nung, dass ein Top­stürmer oder ein Spiel­ma­cher der Regio­nal­li­ga­mann­schaft aus dem Nach­barort ange­rufen hat. Folge: Latent schlechte Laune.
 
Die Spie­ler­frau in spe
Sie kommt oft mit zwei Freun­dinnen. Ihre Ohr­ringe sind größer als die der >Spie­ler­frau, und ihre Fin­ger­nägel hat sie im eigenen Nagel­studio USA Nails & More III“ mit kleinen Stein­chen-Appli­ka­tionen auf den neu­esten Stand gebracht. Leider geht mit der Schminke oft was daneben, so dass sie ein biss­chen aus­sieht wie Gina-Lisa Loh­fink. Auch das Gehen auf den High­heels klappt noch nicht so richtig, daher trägt sie lieber mit Nieten oder Strass­steinen besteckte Boots ohne Absätze. Ihr Outfit stammt nicht von Zara, son­dern von H&M oder New Yorker. Mit dem >Chef könnte was gehen, doch der ist mitt­ler­weile über 30 und bekommt langsam eine Halb­glatze. Immerhin gibt er ihr im Fan­tastico“ manchmal einen Pro­secco aus. Dafür bekommt er im Sta­dion jedes Mal einen Begrü­ßungs­kuss, den die umste­henden Chef-Jünger mit aner­ken­nendem Raunen quit­tieren.
 
Der Betreuer
War früher auch ein ganz pas­sa­bler Spieler, aller­dings nie so gut wie der >Chef. Kurz vor einem Wechsel zum FSV Zwi­ckau III, ent­schied er sich für eine Aus­bil­dung beim >Haupt­sponsor und hei­ra­tete eine ehe­ma­lige >Spie­ler­frau in spe. Die Folge: Nahm in sechs Monaten 20 Kilo zu. Heute ist er nicht mehr aktiv, aber immer noch voll dabei. Er gehört offi­ziell zwar nicht zum Betreuer- geschweige denn zum Trai­ner­team, den­noch fühlt er sich ein stück­weit für die Spieler ver­ant­wort­lich. Steht daher immer direkt hinter der Trai­ner­bank und trägt eine Trai­nings­jacke aus der vor­letzten Saison. Neu­lich ist er mal mit einer Was­ser­fla­sche aufs Spiel­feld gerannt, als ein Spieler am Boden lag und medi­zi­nisch ver­sorgt werden musste. Das war dem Trainer dann doch ein biss­chen zu viel. Er bat dar­aufhin seinen Co-Trainer, mal mit dem Jungen zu reden. Das Gespräch ver­lief freund­schaft­lich („Bist ein Guter, weißte ja, aber das geht zu weit!“). Seitdem hält er sich ein wenig zurück, klopft aber den Spie­lern wei­terhin moti­vie­rend auf den Rücken, wenn diese das Feld betreten. Außerdem unter­hält er sich 90 Minuten lang mit seinem Neben­mann über tak­ti­sche Kniffe und mög­liche Aus- und Ein­wechs­lungen. Dabei spricht er außer­or­dent­lich laut, so dass der Trainer ihn hören kann, um diese Infor­ma­tionen gege­be­nen­falls wei­ter­zu­ver­ar­beiten.
 
Der Schweiger
Diese Mann­schaft ist für den Schweiger nicht mehr das, was sie mal war. Der Schweiger ist näm­lich weit über 60 Jahre alt und hat das Team bereits 1975 gesehen, als es bei­nahe die 1. Runde des DFB-Pokals gegen den SV Meppen II erreicht hätte. Da war was los hier. Doch heute? Kein Pass, keine Flanke, keine Tore. Es ist erbärm­lich. Und eigent­lich hat der Schweiger sonn­tags eh was Bes­seres vor als Fuß­ball. Steht den­noch jeden Sonn­tag­morgen um 8 Uhr auf und stu­diert in der Lokal­zei­tung den aktu­ellen Tabel­len­stand. Wenn der >Haupt­sponsor an ihm vor­bei­geht, schüt­telt er osten­tativ den Kopf. Der Haupt­sponsor erwi­dert gele­gent­lich: Ich weiß, früher war alles besser. Sogar die Gum­mi­stiefel waren aus Leder.“ Der Schweiger winkt des­in­ter­es­siert ab. Nach 90 Minuten Hass und einem Kaffee (schwarz) flüchtet der Schweiger in die Kneipe seines Ver­trauens. Erwähnt dort bei­läufig, dass dies sein letzter Besuch im Sta­dion war und er mit Fuß­ball kom­plett durch ist. Bestellt danach Under­berg und blickt apa­thisch auf den Fern­seher, wo die här­teste Zweite Liga aller Zeiten läuft.
 
Der Ehe­mann
Der Ehe­mann hat seiner Frau eigent­lich gesagt, dass er zum Fuß­ball geht, doch die Gute klin­gelt schon in der 40. Minute durch. Schatz, ich habe dir doch gesagt, dass ich zum Fuß­ball gehe.“ … Eine Halb­zeit ist jetzt vorbei!“ … Das Spiel dauert noch eine zweite Halb­zeit.“ … 45 Minuten!“ … Schatz?“ Bevor der Ehe­mann blitz­artig das Sta­dion ver­lässt, um seine Ehe zu retten, eilt der beste Freund zum Bier­stand und holt Nach­schub. Trifft dort den >Chef, mit dem er sich über die Alte“ vom Ehe­mann amü­siert. Steckt außerdem noch zwei Küs­ten­nebel ein, um den Ehe­mann bei Laune zu halten. Der Tag endet in der Kneipe, wo er sich vom >Schweiger anschweigen lässt und vom >Chef über die Vor­teile des Trin­kens auf­ge­klärt wird: Lieber einen Bauch vom Saufen, als einen Buckel vom arbeiten.“