Jochen Saier, seit fast zehn Jahren sind Sie Leiter der Frei­burger Fuß­ball­schule. Wel­chen Anteil hat diese am der­zei­tigen Erfolg?
Ich denke, wir haben in den ver­gan­genen Jahren spe­ziell im Nach­wuchs­be­reich ordent­liche Arbeit geleistet und eine hohe Durch­läs­sig­keit zum Pro­fi­kader geschaffen. Aktuell stehen zehn ehe­ma­lige Spieler unseres Leis­tungs­zen­trums im Kader, von denen fünf bis sechs regel­mäßig in der Start­for­ma­tion auf­laufen. Der aktu­elle Erfolg ist letzt­lich dem Kol­lektiv zuzu­schreiben und dem Lohn der Arbeit der ver­gan­genen zehn Jahre.

Auf­fal­lend ist, dass auch der Trai­ner­stab zum großen Teil aus dem Leis­tungs­zen­trum stammt.
Richtig. Mit Chris­tian Streich, Patrick Baier, Simon Ickert und Lars Voßler sind vier der fünf aktu­ellen Trainer jah­re­lang im Leis­tungs­zen­trum tätig gewesen. Chris­tian Streich hat zuvor 15 Jahre lang sehr erfolg­reich die U‑19 trai­niert.

Geplante Phi­lo­so­phie oder Zufall?
Man kann schon sagen, dass das Teil einer Phi­lo­so­phie ist. Wir hatten immer schon eine enge Ver­bin­dung zwi­schen dem Lizenz­trai­ner­stab und der Nach­wuchs­ab­tei­lung. Auch unter Robin Dutt, der hier vier Jahre sehr gute Arbeit geleistet hat, war Chris­tian Streich als Ver­bin­dungs­trainer neben seiner Funk­tion als Trainer der A‑Junioren zusätz­lich auch als Co-Trainer der Profis ein­ge­bunden. Wir sehen uns als Aus- und Wei­ter­bil­dungs­verein für Spieler, aber eben auch Trainer.

Frei­burg gilt als Vor­zei­ge­pro­jekt in Sachen Ruhe und Kon­ti­nuität, auch im Nach­wuchs­be­reich. Ist genau das der ent­schei­dende Vor­teil, den der relativ kleine Fuß­ball­standort Frei­burg gegen­über anderen Mann­schaften hat?
Dies ist sicher­lich ein Vor­teil. Mit­ent­schei­dend ist, dass wir eine klare Aus­bil­dungs- und Spiel­idee haben, die sich durch die ein­zelnen Jahr­gangs­stufen zieht. Die Jungs wissen nach ihrer Zeit in der Fuß­ball­schule, was im Pro­fi­be­reich von ihnen gefor­dert wird. Die Aus­bil­dungs­kette und die Gesamt­aus­rich­tung stimmt ein­fach. Ich glaube, wir hätten als Standort ein Pro­blem, wenn alle zwei Jahre ein neuer Chef-Trainer an der Sei­ten­linie stünde und sich damit jeweils die inhalt­liche Aus­rich­tung ändern würde. 

Sie selbst sind jetzt seit zehn Jahren in der Frei­burger Fuß­ball­schule tätig. Was hat sich in dieser Zeit in Frei­burg getan?
Wir haben schon damals, mit dem Bau des Leis­tungs­zen­trums, tolle Vor­aus­set­zungen geschaffen. Aber allein eine gute Infra­struktur führt erstmal nicht zum Erfolg. Es ging zunächst darum, die Grund­idee und die Posi­tio­nie­rung als Aus­bil­dungs­verein inhalt­lich zu füllen. Wir haben damals eine gewisse Anlauf­zeit gebraucht, uns von Jahr zu Jahr wei­ter­ent­wi­ckelt und sind jetzt bei einer Durch­läs­sig­keit ange­langt, die uns sehr zufrieden stellt.

Der Bau des Leis­tungs­zen­trum in Höhe von zwölf Mil­lionen Euro im Jahr 2000 war für Frei­burger Ver­hält­nisse enorm teuer und risi­ko­reich. Im Jahr 2005 folgte der Abstieg und damit vier Jahre lang zweit­klas­siger Fuß­ball.
Das gesamte Kon­zept funk­tio­niert nur mit einer ganz klaren Aus­rich­tung des Ver­eins. Alle Betei­ligten müssen von dem Weg über­zeugt sein. Wenn der Chef­trainer Angst hat, ent­lassen zu werden und daher lieber eine Mil­lion Euro mehr für den Pro­fi­kader aus­geben möchte als für den Nach­wuchs­be­reich, dann wäre das Pro­jekt zum Schei­tern ver­ur­teilt. Nur in kurz­fris­tigen Ergeb­nissen zu denken, war noch nie der typi­sche Frei­burger Weg.

Die Aus­bil­dung regio­naler Talente steht beim SC Frei­burg im Vor­der­grund. In ähn­li­cher Form kennt man diese Aus­sagen auch von der TSG Hof­fen­heim. Was läuft da im Moment falsch?
Dazu kann ich mich nicht äußern. Wir haben eine gewisse Anlauf­zeit gebraucht. Ich denke die sollte man auch Hof­fen­heim zuge­stehen. Auch wenn sie mit deut­lich grö­ßeren finan­zi­ellen Mit­teln durchaus aggres­siver vor­gehen. Das ent­schei­dende Kri­te­rium auch für Spieler sollte sein, dass die Durch­läs­sig­keit im Verein vor­handen ist – und das haben wir geschafft. Für den ersten Schritt im Pro­fi­fuß­ball sind wir die opti­male Adresse. Die Argu­men­ta­ti­ons­kette für unseren Verein darf und wird nicht vom finan­zi­ellen Aspekt bestimmt. Wenn die Ent­schei­dung eines Jugend­spie­lers davon abhängig ist, ob er in der A- oder B‑Jugend etwas mehr oder weniger Taschen­geld bekommt, dann wäre das ohnehin kein Spieler für uns.