Seite 2: Und die Offensive?

3. Offensiv ist Werder schwach
Koh­feldts Plan sah im ersten Schritt vor, das Team defensiv zu sta­bi­li­sieren und Ergeb­nisse zu holen. Die Offen­sive möchte er erst im zweiten Schritt angehen. Das spürt man: Bremen ist offensiv genauso harmlos wie in der ver­gan­genen Saison.

Zu selten gelangt Werder in den geg­ne­ri­schen Straf­raum. Gerade einmal fünf Schuss pro Spiel geben die Bremer im Schnitt im geg­ne­ri­schen Sech­zehner ab. Damit befinden sie sich auf einem Niveau mit den Abstiegs­kan­di­daten wie Bie­le­feld, Schalke und Mainz und weit hinter Teams wie Stutt­gart, Frank­furt oder Union (acht).

Es fehlt ins­be­son­dere ein Spieler, der Szenen aus dem Rück­raum kre­iert oder über­ra­schend aus dem Mit­tel­feld nach­stößt. Als Maxi­mi­lian Egge­stein dies gegen Hof­fen­heim tat, gelang ihm direkt ein Tor. Solche Vor­stöße sieht man von Egge­stein jedoch nur noch selten, seit er auf der Sechser-Posi­tion ran muss.

4. Hohe Abhän­gig­keit von Füll­krug
Das Spiel gegen Hof­fen­heim legte ein wei­teres Pro­blem offen: Im Angriff ist die Mann­schaft abhängig von ihrem Stürmer Niclas Füll­krug. Er erzielte vier der sieben Bremer Sai­son­tore. Als er gegen Hof­fen­heim ver­letzt aus­ge­wech­selt wurde (37.), fehlte dem Bremer Spiel ein wich­tiges Ele­ment: Füll­krug sorgt für Tiefe im eigenen Ball­be­sitz­spiel und Prä­senz im geg­ne­ri­schen Straf­raum.

Werder hat keinen Ersatz­mann auf Füll­krugs Niveau. Davie Selke fehlte ver­letzt gegen Hof­fen­heim. Der ehe­ma­lige Ber­liner ist aber seit seinem Wechsel ohnehin den Beweis schuldig geblieben, dass er auf Füll­krugs Niveau agieren kann. Gegen Hof­fen­heim wech­selte Koh­feldt statt­dessen Yuya Osako ein. Mit dem Japaner als Stürmer fehlte Bre­mens Spiel jeg­li­cher Zug zum Tor.

5. Mbom ver­kör­pert den Geist der Mann­schaft
Nachdem in den ver­gan­genen Jahren Offen­siv­spieler wie Max Kruse, Milot Rashica und Füll­krug die Bremer Mann­schaft prägten, sticht in dieser Saison ein anderer Spieler hervor: Jean-Manuel Mbom. Er kam in dieser Saison bereits als Rechts­ver­tei­diger, Links­ver­tei­diger sowie im offen­siven Mit­tel­feld zum Ein­satz. Auf allen Posi­tionen über­zeugte er mit Kör­per­lich­keit und Lauf­stärke im Spiel gegen den Ball. Krea­ti­vität ist hin­gegen nicht seine Stärke.

Mbom ver­kör­pert ein Stück weit das neue Bremen: Maloche statt Schön­spie­lerei, defen­sive Robust­heit statt spie­le­ri­scher Klasse. Mit dieser Stra­tegie hat Koh­feldt wich­tige Punkte im Kampf gegen den Abstieg gesam­melt. Möchte Werder mehr errei­chen als nur den Klas­sen­er­halt, muss Koh­feldt diese Basis nutzen, um sein Team auch offensiv wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Aber das hat er ja ohnehin so geplant.