1968/69: Das erste Mal
Nach den ersten drei guten, aber noch nicht meis­ter­li­chen Bun­des­li­ga­jahren über­nimmt an Stelle des gemüt­li­chen Jugo­slawen Tschik Caj­kowski dessen Lands­mann Branko Zebec das Kom­mando. Das ist durchaus im mili­tä­ri­schen Sinne zu ver­stehen. Zebec schleift die Bayern im Trai­ning an den Rand der Bewusst­lo­sig­keit. Die dabei gewon­nenen phy­si­schen Vor­teile aber ver­ei­nigen sich mit der Münchner Spiel­kunst erst­mals zur heute selbst­ver­ständ­li­chen Domi­nanz. Zum Bun­des­li­ga­auf­takt gibt’s ein 2:0 über Kai­sers­lau­tern, zu dem ein gewisser Otto Reh­hagel ein Eigentor bei­steuert. Fünf Siege in den ersten fünf Spielen legen die Basis für den Gewinn der ersten Deut­schen Meis­ter­schaft seit 1932. Vier Spiel­tage vor Schluss gönnen die Münchner sich sogar den Luxus einer baye­risch-frän­ki­schen Soli­da­ri­täts­ak­tion.

Der 1. FC Nürn­berg darf beim 2:0‑Sieg beide Punkte am Valz­ner­weiher behalten, was den Abstieg drei Wochen später aller­dings auch nicht ver­hin­dert. Die Bayern setzen in der gesamten Saison nur 13 Spieler ein und spielen 13 Mal zu Null. Gerd Müller spielt noch nicht wie später in der Natio­nal­mann­schaft mit der Nummer 13, wird aber zum zweiten Mal Tor­schüt­zen­könig. Für 30 Tore rei­chen ihm 26 Spiele. Die rest­li­chen vier ver­passt er in Folge einer Roten Karte nach einem Faust­schlag gegen Bay­erns heu­tigen Chef­trainer Jupp Heynckes, damals Stürmer in Diensten von Han­nover 96. Die Meis­ter­schale über­reicht der Bun­des­fi­nanz­mi­nister, er hat ein tra­di­tio­nell beson­deres Ver­hältnis zu den Bayern und heißt Franz-Josef Strauß.

1972/73: Die Mord­dro­hung
Den zweiten Teil des ersten Meis­ter­schafts-Hat­tricks unter Trainer Udo Lattek absol­vieren die Bayern 1972 zum ersten Mal im neuen Olym­pia­sta­dion. Beim 5:0‑Auftaktsieg in Ober­hausen braucht Gerd Müller 150 Sekunden für das erste seiner 36 Tore, die ihn zum fünften Mal zum Schüt­zen­könig machen. Nach dem 5:0 über die Schalker sagt deren Trainer Ivica Hor­vath: Die Bayern haben keine Kon­kur­renz, sie werden mit 30 Punkten Vor­sprung Meister.“ Am Ende sind es immerhin elf Punkte Abstand zum 1. FC Köln als erstem, nun ja, Ver­folger. Richtig unan­ge­nehm wird es nur einmal, und das hat nicht wirk­lich viel mit Fuß­ball zu tun. Vor dem 13. Spieltag bekommt Franz Becken­bauer eine Mord­dro­hung und muss in Kai­sers­lau­tern unter Poli­zei­schutz auf­laufen. Die Bayern ver­lieren 1:3 und rächen sich dafür mit einem 6:0 im Rück­spiel, was vier Runden vor Schluss gleich­be­deu­tend ist mit dem Gewinn der Meis­ter­schaft. Die Bayern sind in dieser Zeit so über­legen, dass sie es mit dem sport­ge­rechten Leben nicht ganz so ernst nehmen. Es folgt ein Vor­trag des Ernäh­rungs­ex­perten Franz Becken­bauer: Abends sind wir immer ins Kino gegangen. Das war unser erstes Ritual. Und zurück in der Sport­schule hatten wir jungen Bur­schen dann natür­lich Hunger und sind gleich in die Küche gegangen, wo uns die Päch­terin bereits erwar­tete und ganz genau wusste, was wir brauchten: eine kalte Schweins­haxe. Und so eine Haxe muss ja schwimmen. Und so hat der Gerd Müller dann seinen Bocks­beutel getrunken und ich mein Weiß­bier, und so sind wir dann schlafen gegangen um Mit­ter­nacht und am nächsten Morgen mit so einem Ranzen auf­ge­wacht. Und am Samstag bei der Spie­ler­sit­zung haben wir dann erst mal gefragt: Gegen wen spielen wir heute eigent­lich?“

1984/85: Die Über­gangs­saison
Der zweite Lattek-Hat­trick nimmt seinen Lauf. Eigent­lich hat Manager Uli Hoeneß eine Über­gangs­saison aus­ge­rufen, denn es gilt, den zu Inter Mai­land abge­wan­derten Karl-Heinz Rum­me­nigge zu ersetzen. Zehn Mil­lionen Euro Ablöse sanieren den Klub, der damals noch keinen Zugang zur Fest­geld­ab­tei­lung der Haus­bank hat. Aus Mön­chen­glad­bach kommt ein Außen­ver­tei­diger namens Lothar Mat­thäus mit der Emp­feh­lung eines im Pokal­fi­nale ver­schos­senen Elf­me­ters (der den Bayern den Pokal beschert hat). Mat­thäus schießt schon im ersten Spiel sein erstes Tor beim 3:1‑Sieg in Bie­le­feld, er beschert den Bayern die Tabel­len­füh­rung, die sie nicht mehr abgeben werden. Mit sechs Siegen aus den ersten sechs Spielen stellen sie einen Start­re­kord auf, der elf Jahre lang halten wird und den sie natür­lich selbst bre­chen werden. Zum letzten Heim­spiel am vor­letzten Spieltag gegen den 1. FC Kai­sers­lau­tern steht das Weiß­bier schon in Fäs­sern auf dem Mari­en­platz, der Rat­haus­balkon ist gebucht und auch die Mann­schaft leistet ihren Teil zum Gelingen der Meis­ter­party mit einem 3:0 über den 1. FC Kai­sers­lau­tern. Nur der neue Lieb­lings­feind Werder Bremen spielt nicht mit. Eine Minute vor Schluss trifft Uwe Rein­ders dann aber noch zum 2:1gegen Bie­le­feld und die Party muss nach Braun­schweig ver­legt werden. Dieter Hoeneß schießt das Tor zum 1:0‑Sieg beim Tabel­len­letzten, und die von seinem Bruder Uli kre­ierte Vokabel Über­gangs­saison gefällt ihm so gut, dass er später als Manager von Hertha BSC jedes zweite Jahr eine Über­gangs­saison aus­rufen wird. Aber das ist eine andere Geschichte.

1998/99: Die Erfin­dung der Rota­tion
Zei­ten­wende. Ottmar Hitz­feld kommt nach Mün­chen, nach einem Jahr Pause, er hat es bei Borussia Dort­mund auf dem Posten des Sport­di­rek­tors abge­sessen. Weg­ge­mobt von einer satten Mann­schaft, die Hitz­feld 1997 noch zum Cham­pions-League-Sieg geführt hatte. Mit dieser Erfah­rung im Hin­ter­kopf sorgt er sich um die Trai­nier­bar­keit der mit 18 Natio­nal­spie­lern bestückten Bayern. Hitz­feld spricht von einer hoch­ex­plo­siven Situa­tion“ und ersinnt eine damals revo­lu­tio­näre Lösung: das Rota­ti­ons­prinzip. Um die gesetzten Oliver Kahn und Stefan Effen­berg rotiert das übrige Per­sonal, und dazu gehört auch der mitt­ler­weile 37 Jahre alte Lothar Mat­thäus. Hitz­felds Meis­ter­stück beginnt zwar wenig meis­ter­lich mit einem 1:0 beim Auf­steiger aus Wolfs­burg, aber schon mit dem 3:1 am zweiten Spieltag gegen den MSV Duis­burg klet­tern die Bayern auf den ersten Platz, und sie werden ihn nicht mehr ver­lassen. Die schmerz­lichste Nie­der­lage einer sou­ve­ränen Bun­des­li­ga­saison kas­sieren sie aus­ge­rechnet an jenem 31. Spieltag, an dem sie den Titel per­fekt machen. Der sport­liche Teil des Duelles mit Hertha BSC endet 1:1, aber nahezu zeit­gleich geben die Ber­liner bekannt, dass das Aus­nah­me­ta­lent Sebas­tian Deisler zu ihnen wech­seln wird. Und nicht nach Mün­chen. Die Bayern trösten sich mit 15 Punkten Vor­sprung auf den Zweiten (Bayer Lever­kusen), was bis heute Bun­des­li­ga­re­kord ist. Aber wahr­schein­lich nicht mehr lange.