Als Eran Zahavi 2016 von Mac­cabi Tel Aviv zum chi­ne­si­schen Klub Guang­zhou R&F wech­selte, da inter­es­sierte das nur Medien in Israel und China. Gut, viel­leicht nur die in Israel. Der Mit­tel­feld­spieler war schon 29 Jahre alt und kos­tete acht Mil­lionen Dollar. Ein läp­pi­scher Betrag, ver­gli­chen mit den Summen, die für Stars wie Carlos Tevez, Oscar oder Hulk aus­ge­geben wurden. Keine zwei Jahre später ist Zahavi der aner­kannt beste Spieler der Liga – im November wurde er zum wert­vollsten Profi gewählt, was gleich­be­deu­tend mit dem Titel Chinas Fuß­baller des Jahres 2017 ist. 

Seinen Status sieht man am besten daran, was im Pokal­spiel gegen den Lokal­ri­valen Guang­zhou Ever­grande geschah. Nachdem Ever­grande das 5:1 geschossen hatte, fei­erten die Spieler, indem sie die Geste imi­tierten, mit der Zahavi seine Treffer beju­belt – dem Abschießen von Pis­tolen. Der Israeli wird bewun­dert, gefürchtet oder ver­höhnt, aber nie igno­riert. Das war schon immer so, nicht zuletzt des­wegen, weil Zahavi ein beträcht­li­ches Ego besitzt.„Ich will die Welt des Fuß­balls auf eine Weise prägen, die man nicht ver­gisst“, sagte er mal dem israe­li­schen Fern­sehen. 

Mein Ziel im Leben ist es, nicht ver­gessen zu werden.“

Als ich in Israel den Rekord für Tore in einer Saison gebro­chen habe, reichte mir das nicht. Ich wollte so viele Tore wie nur mög­lich schießen, damit der neue Rekord hun­derte von Jahren bestehen sollte. Mein Ziel im Leben ist es, nicht ver­gessen zu werden.“ Er ist auf einem guten Weg. Schon jetzt erin­nert man sich zum Bei­spiel an ihn, weil er sich bei einem Derby in Tel Aviv mal ein Hand­ge­menge mit einem Fan lie­ferte, das zum Spiel­ab­bruch führte. Oder weil er im Sep­tember, bei Israels WM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel gegen Maze­do­nien, so genervt von den Buh­rufen der Fans war, dass er sich mitten im Spiel die Kapi­täns­binde vom Arm riss und voller Ver­ach­tung weg­warf.

Die gän­gige Erklä­rung für seine Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­keit besteht darin, dass sein Vater die Familie ver­ließ, als der Junge 14 Jahre alt war. In Zahavis auto­ri­sierter Bio­grafie heißt es, dass sein immenser Ehr­geiz daher komme, dass er ständig die Bestä­ti­gung anderer sucht, um die Lücke zu schließen, die der Vater hin­ter­ließ. Doch trotz dieses Ehr­geizes sah es lange nicht so aus, als würde er ein Star – ganz egal in wel­cher Liga. Sein Verein Hapoel Tel Aviv lieh ihn sogar mal zwei Jahre an den win­zigen Klub Ironi Ramat HaShron aus. Den rich­tigen Durch­bruch schaffte er erst in der letzten Minute der letzten Partie der Saison 2009/10. Im Aus­wärts­spiel bei Beitar Jeru­salem erzielte Zahavi in der 92. Minute den Treffer, der Hapoel eine gänz­lich uner­war­tete Meis­ter­schaft brachte. 

In der fol­genden Saison gelang Zahavi ein sen­sa­tio­nelles Fall­rück­zie­hertor in der Cham­pions League bei Olym­pique Lyon, und spä­tes­tens jetzt wurden auch Ver­eine aus großen Ligen auf ihn auf­merksam. Er wech­selte 2011 nach Palermo, doch in der Serie A kam er nicht zurecht. Schon im Januar 2013 kehrte er in seine Heimat zurück und schloss sich Mac­cabi Tel Aviv an. Aus­ge­rechnet im Derby gegen seinen Stamm­verein Hapoel gelang ihm ein Hat­trick, den er genüss­lich mit der Pis­to­len­geste fei­erte. Diese Pro­vo­ka­tion führte zu dem erwähnten Zwi­schen­fall im November 2014, als ein Hapoel-Hoo­ligan mit nacktem Ober­körper auf den Rasen lief, um Zahavi anzu­greifen. Der Spieler wich keinen Schritt zurück, son­dern trat dem Zuschauer unge­rührt in den Magen. Dafür zeigte ihm der Schieds­richter die Rote Karte, was zu anhal­tenden Pro­testen der Mac­cabi-Spieler führte. Wäh­rend der Unter­bre­chung liefen immer mehr Fans auf den Rasen, dann Poli­zisten. Zwanzig chao­ti­sche Minuten später brach der Referee die Partie ab. 

Es wäre zu ein­fach, Zahavi als ego­is­ti­schen Skan­dal­spieler zu betrachten. Er ist der Erste, der zum Trai­ning kommt, und der Letzte, der geht. Er schießt nicht nur Tor um Tor, son­dern arbeitet auch nach hinten und tut alles für sein Team. Doch als sich vor zwei Jahren Dragan Sto­j­kovic, der Trainer von Guang­zhou R&F, bei ihm mel­dete, da ließ er Mac­cabi wissen, dass er nie wieder für den Klub spielen werde, wenn man ihm den Wechsel nach China ver­baue. 

Man­chen macht das Angst. Ich bewun­dere es“ 

Er ist unser wich­tigster Mann und der beste Spieler der Liga“, sagte Sto­j­kovic kürz­lich einer israe­li­schen Zei­tung. Er ist der erfolg­reichste Tor­schütze und benimmt sich vor­bild­lich. Durch seine Lei­den­schaft treibt er das ganze Team an. Ich habe mich damals nicht getäuscht, als ich einen Spieler holte, den in China nie­mand kannte. Ich habe ihn zum größten Star der Liga gemacht.“

Akkli­ma­ti­sie­rungs­pro­bleme hatte Zahavi nie, viel­leicht weil er so etwas wie See­len­ver­wandte gefunden hat. Wenn die Chi­nesen sich etwas in den Kopf setzen, dann ziehen sie es mit aller Macht und allen Res­sourcen durch“, sagt er. Man­chen macht das Angst. Ich bewun­dere es.“ Ein wenig muss er seinen Ehr­geiz den­noch zügeln, denn sein Klub hatte bisher kaum eine Chance gegen den Giganten Guang­zhou Ever­grande. Doch wer weiß? Die neue Saison begann mit dem Derby. R&F siegte über­ra­schend mit 5:4 beim Rivalen. Zahavi schoss drei Tore und berei­tete eines vor.