Seite 2: Ein verzweifelter Appell

Dass der Ver­band die beiden Zuwen­dungs­zu­sagen zunächst ele­gant unter den Tep­pich gekehrt hatte, wirft natür­lich wei­tere Fragen auf, half aber letzt­lich nichts: Aus­ge­rechnet Maris Ver­pa­kovskis, jene Fuß­bal­li­kone, die Lett­land zur EM 2004 in Por­tugal schoss, machte die Briefe öffent­lich. Ver­pa­kovskis ist heute Boss des Top­klubs FK Lie­paja – und als sol­cher bei der Prä­si­den­ten­wahl stimm­be­rech­tigt. Der Ex-Stürmer lässt im Vor­feld deut­lich durch­klingen, dass er Laschenko miss­traut.

Ivo Klo­tins, Anwalt des Gegen­kan­di­daten Gorkšs, ent­hüllte der­weil ein wei­teres inter­es­santes Detail: Die Zuwen­dungs­zu­sagen von Optibet und Accor­ho­tels seien in Form und Inhalt quasi iden­tisch und eigent­lich nur durch den Brief­kopf sowie den Namen des jewei­ligen Unter­neh­mens unter­scheidbar. Klo­tins ist des­halb sicher, dass Vadim Laschenko selbst den Text dik­tiert hat, um beim Ver­band und seinen Dele­gierten die maxi­male Wir­kung zu erzielen. Stellt sich die Frage: Welche Vor­teile ver­spre­chen sich ein Wett­un­ter­nehmen und eine Hotel­kette von einem Ver­bands­prä­si­denten namens Laschenko?

Ver­zwei­felter Appell

Man muss kein beson­ders arg­wöh­ni­scher Zeit­ge­nosse sein, um zu kapieren: Diese Wahl hat ein Geschmäckle. Min­des­tens. Denn laut André Kliese, dem Vor­stands­mann von Riga United, gibt es wei­tere Unge­reimt­heiten. In Inter­net­foren ist von Bestechung von Ver­eins­funk­tio­nären die Rede. Zudem kur­sieren Berichte über Klubs, die gerade erst neu gegründet worden sein sollen. Angeb­lich haben einige dieser Ver­eine, deren Dele­gierte nun eben­falls abstimmen dürfen, nur eine Hand­voll Mit­glieder und können gar keinen Spiel­be­trieb auf die Beine stellen. Aber das ist wohl nicht der wahre Zweck ihres Bestehens.

Laschenko-Gegen­kan­didat Kas­pars Gorkšs appel­liert der­weil ver­zwei­felt an das Gewissen der Wahl­be­rech­tigten, den von Kor­rup­tion erschüt­terten let­ti­schen Fuß­ball vor dem end­gül­tigen Ver­fall zu retten: Wir machen gerade eine schwie­rige Phase durch. Der let­ti­sche Fuß­ball ist des­halb im Zwie­spalt und es hängt weit­ge­hend von Ihnen ab, wie sauber, ethisch und ehr­lich er ist – und wel­ches Signal wir der jungen Genera­tion senden werden“, sagt Gorkšs. Ich bin nicht dazu da, jemanden zu bestrafen oder anzu­klagen, son­dern um zu infor­mieren. Nun müssen Ent­schei­dungen getroffen werden von den Mit­glie­dern, die abstimmen.“

Dass die Wahl auf­grund der jüngsten Ent­hül­lungen ver­schoben wird, glaubt das Gorkšs-Lager übri­gens nicht. Anwalt Klo­tins betont: Der Kon­gress wurde ein­be­rufen, er muss statt­finden. Und die Wahlen sind nun mal vor­ge­sehen. Was am Freitag pas­siert, werden wir sehen. Aber nach der Wahl gibt es recht­liche Mittel, um die Ergeb­nisse in Frage zu stellen.“