Klaus Fischer, können Sie sich noch an Ihre erste Begeg­nung mit Charly Neu­mann erin­nern?
 
Das muss im Winter 1975/76 gewesen sein. Irgend­wann um die Jah­res­wende. Max Merkel war Trainer und hatte den dama­ligen Mann­schafts­be­treuer Ede Lich­ter­feld gefeuert. Charly wurde unser neuer Betreuer. Man hatte sich vorher gele­gent­lich gesehen, aber man kannte sich noch nicht so gut. Als er dann unser Betreuer war, küm­merte er sich um uns. Es lag ihm am Herzen, dass es uns gut geht. Er wurde dann immer mehr zu einen der wich­tigsten Leute auf Schalke. Er bekam mehr Fan-Post und Auto­gramm­wün­sche als viele Spieler.
 


Was machte ihn als Mensch so beson­ders?
 
Er hatte ein blau-weißes Herz bis zum Geht-nicht-mehr und außerdem diese schau­spie­le­ri­sche Gabe. Charly konnte lachen und weinen auf Kom­mando. Es gibt nicht viele Men­schen, die mit ihm nicht konnten. Er wird uns fehlen. Mit ihm geht jetzt ein Teil von Schalke 04.

Wie sah seine Arbeit mit der Mann­schaft kon­kret aus?

 
Charly Neu­mann hatte unglaub­lich viele Bezie­hungen. Er hat ja jedem geholfen. Wo viele Men­schen sind, wie in einer Fuß­ball­mann­schaft oder im ganzen Verein, sind auch viele Pro­bleme. Durch seine Art und durch seine Hilfs­be­reit­schaft kannte er Gott und die Welt. Wenn es bei einem Spieler mal nicht so lief, war der Erste, der ihn getröstet hat, Charly. Für Spieler ist so etwas ganz wichtig. Aber er war ja nicht nur Betreuer der Mann­schaft. Wenn sich die Fans mal nicht so gut benommen haben oder etwas auf den Herzen hatten, sprach Charly mit ihnen. Die Fans liebten ihn.
 
Was war der Grund für ihn, sich so mit Schalke zu iden­ti­fi­zieren?

 
Wer mal mit Schalke unter­wegs war und dieses ganze Drum­herum mit­ge­macht hat, wer wie er damals noch Kuzorra oder Szepan mit­be­kommen hat und bei der Deut­schen Meis­ter­schaft dabei war, der lebt dann für Schalke. Charly war so einer. 
 
Wenn Sie an Charly Neu­mann denken, an was denken sie dann?

 
Ich weiß noch, als ich sieben Wochen lang mit Bein­bruch im Kran­ken­haus lag und eine Kno­chen­in­fek­tion bekam. Ich hatte echt Pro­bleme zu der Zeit. Es war dann Charly, der sich mit mir ins Auto setzte und mit mir nach Saar­louis zum Arzt der Natio­nal­mann­schaft fuhr. Da konnte man mir dann helfen. Man weiß nicht, was pas­siert wäre, wenn ich noch länger in Gel­sen­kir­chen gelegen hätte. Die Situa­tion für mich war gefähr­lich. Er war die trei­bende Kraft.
 
Zuletzt konnte er nicht mehr aktiv mit­wirken. Wie hat sich der Verein ohne ihn ver­än­dert?
 
Es ist alles ein biss­chen anders geworden. Ohne Charly Neu­mann eben. Er war ja dann bei weitem nicht mehr so oft im Sta­dion wie früher. Wie auch? Er war ja schwer krank. Jetzt ist er erlöst wurden.