Nils Guy, Sie sind in Eng­land geboren. Warum kämpften Sie im Viet­nam­krieg?
Guy: Meine beiden älteren Brüder lebten in Penn­syl­vania. Es war immer mein Traum, genau wie sie aus­zu­wan­dern. Mit 21 Jahren fasste ich end­lich den Mut dazu. Doch nach einem halben Jahr bekam ich Post, dass ich in den Viet­nam­krieg ein­ge­zogen würde. Ich war zwar noch Brite, doch die beiden Regie­rungen hatten ein Abkommen geschlossen. Wenn ich mich gewei­gert hätte, dann hätten sie mich zurück nach Eng­land geschickt.

Sie schrieben im Herbst 1969 aus Vietnam an das Sta­di­on­heft der Queens Park Ran­gers. Warum?
Guy: QPR war immer schon mein Verein. Ich schrieb nach vier Monaten im Krieg, damit mir jemand viel­leicht Zei­tungs­aus­schnitte aus der Heimat zukommen lässt. Ich unter­zeich­nete mit: Der ein­zige QPR-Fan in Vietnam.“

John Wild, Sie waren damals elf Jahre alt. Wie haben Sie von Nils erfahren?
Wild: Ich war mit meinem Vater bei jedem Heim­spiel und las seine Geschichte im Sta­di­on­heft. Ich fand es eine nette Geste, ihm zu schreiben. Als ich die erste Ant­wort in der Hand hielt, war ich voll­kommen baff. Auf dem Brief­um­schlag stand: Give peace a chance.“

Warum wählten Sie diesen Satz?
Guy: Zum einen war ich ein großer Fan von John Lennon, zum anderen weiß man den Frieden im Krieg wohl am meisten zu schätzen. Vietnam war der Horror. Ich hatte nicht allzu viel Kon­takt zu meiner Familie, meine Eltern schrieben mir selten. Diese Briefe von John hielten mich bei Ver­stand, ich las sie immer und immer wieder. Selbst im Gefecht packte ich sie aus und las sie durch, wäh­rend es um mich herum Kugeln reg­nete. Das war eine Form von Flucht, mein Eska­pismus.
Wild: Auch für mich war das eine gute Ablen­kung, weil ich mit meinen Eltern gerade in eine sehr raue Gegend umge­zogen war. Es fiel mir schwer, dort Freunde zu finden – da half mir diese Brief­freund­schaft sehr.


Nils Guy (links) und John Wild beim Treffen.

Wie lange hielt Ihr Kon­takt zuein­ander?
Guy: Nur für die Zeit des Krieges. Ich kehrte nach drei­zehn Monaten zurück, zum Glück unver­sehrt. Heute lebe ich in Kali­for­nien. Vor neun Jahren dann mel­dete sich John bei mir.
Wild: Eines Abends tippte ich ein­fach Nils’ Namen bei Face­book ein und schrieb ihn an, ob er der Nils Guy aus Vietnam sei. Er schrieb: Ja, das bin ich.“ Als ich das las, wurde ich sehr emo­tional, so dass meine Frau fragte: John, was ist mit dir los?“
Guy: Glück­li­cher­weise ist der Verein selbst auf unsere Geschichte auf­merksam geworden. Er orga­ni­sierte mir im November einen Flug und eine Ein­tritts­karte für das Spiel gegen Brent­ford. Dort, auf dem Spiel­feld, begeg­nete ich John zum ersten Mal per­sön­lich. Es war, als würde ich einen lange ver­schol­lenen Bruder treffen. Ich sagte ihm: John, ich muss dir erst mal ein Bier aus­geben.“