Der Tor­wart, der trotz Genick­bruch wei­ter­spielte. Ein Held. Der Aus­druck von Wil­lens­kraft und Mann­haf­tig­keit. Ein echter Kerl. Für viele war Bernd Traut­mann genau das. Oder anders gesagt: Für viele war er aus­schließ­lich das.

Das hat Bernd Traut­mann immer gestört, denn eigent­lich war der Hüne aus Bremen Zeit seines Lebens mehr als eine skur­rile Rand­notiz aus den Früh­zeiten des eng­li­schen Pro­fi­fuß­balls. Er war ein Vor­bild. Sport­lich, na klar. Aber vor allem: mensch­lich. Hätte ich gewusst, wie schlimm die Ver­let­zung war, wäre ich sofort raus­ge­gangen“, hat er mal in einem Inter­view mit 11FREUNDE erzählt. Damals saß ein in sich ruhender Mann auf der Ter­rasse seines kleinen Bun­ga­lows in La Llosa bei Valencia. Dabei blickte er auf das Meer, nahm einen Schluck kaltes Bier und sprach von seinem Leben. Er redete nicht gerne über sich, dabei hatte er mehr zu erzählen als gesamte Fuß­ball­er­ge­nera­tionen nach ihm. 

Das ist seiner Heimat lange Zeit ent­gangen, weil man hier­zu­lande gerne mit anderen Dingen beschäf­tigt ist. Mit den Helden von Bern. Mit der Bun­des­liga. Mit sich selbst. Nach­kriegs­deutsch­land war wohl zu stolz, um den Blick zum Erz­feind nach Eng­land zu richten, wo ein Mann aus Bremen vom Kriegs­ge­fan­genen zum besten Tor­wart der Welt wurde. Seine Erfolge in Eng­land waren in deut­schen Zei­tungen allen­falls Rand­no­tizen. In Berichten des Sport Magazin“, dem Vor­gänger des heu­tigen Kicker“, nannte man Traut­mann kon­se­quent Gerd“. Mehr muss man wohl nicht sagen.

Ein Held für die Ewig­keit

In Man­chester ist er ein Held für die Ewig­keit. Bis zuletzt kamen Tau­sende zu den Auto­gramm­stunden von Traut the Kraut“, als sein Klub Man­chester City ihm einst die Ehren­karte ent­ziehen wollte, gingen die Fans auf Bar­ri­kaden. 2007 wählten sie ihn zum besten Man­City-Spieler aller Zeiten. Nachdem er in Eng­land zum Helden geworden war, arbei­tete er als Ent­wick­lungs­helfer für den DFB, trai­nierte in Burma, Liberia und Paki­stan. Er liebte den Fuß­ball und bewies Mut, wo andere ihre Legende ver­waltet hätten.

Es gab nur zwei Welt­klasse-Tor­hüter. Einer war Lew Jaschin, der andere war der deut­sche Junge, der in Man­chester spielte – Traut­mann“, hat Lew Jaschin einmal gesagt. Als Traut­mann den Über­tor­wart aus Russ­land einst per­sön­lich traf, hat er sich ein Auto­gramm geholt. Wie ein kleiner Schul­junge. So war Traut­mann. Er war keiner für das Ram­pen­licht.

2008 ent­deckte ihn dann auch der DFB und ver­lieh ihm die Ehren­nadel. Bereits 1997 hat er das Bun­des­ver­dienst­kreuz bekommen. End­lich, denn immerhin hat Traut­mann mehr für das deutsch-eng­li­sche Ver­hältnis getan als die Scharen an Poli­ti­kern, die sich in Jahr­zehnten daran ver­suchten. Weil er das Talent besaß, Demut zu zeigen. So einen Deut­schen kannte man auf der Insel nicht. Wenn andere kra­keelten, hielt Traut­mann die Klappe, bedankte sich freund­lich und lächelte. Manche nennen das Schüch­tern­heit, andere: Größe. Seit seiner Kind­heit litt Traut­mann unter Min­der­wer­tig­keits­kom­plexen, sein Kühl­schrank­körper diente ihm als Schutz­mantel gegen geg­ne­ri­sche Tritte – und gegen das Leben, das so viele Fall­türen für ihn bereit­hielt.

Zwei Infarkte hatte Bernd Traut­mann in diesem Jahr bereits über­standen. Am Freitag klagte er über Herz­rasen und Atemnot, wenig später starb in seiner spa­ni­schen Wahl­heimat bei Valencia. Stunden danach legten Fans von Man­chester United einen Kranz vor das Sta­dion des Erz­feindes Man­chester City. Darauf stand: Quite simply, the grea­test Goal­keeper of all times. R.I.P!“ Ein Zei­chen, das zeigt: Bernd Traut­mann war mehr als der Tor­wart, der trotz Genick­bruch wei­ter­spielte.