Seite 2: Die Posse um Günter Netzer

Später ver­schwand die Rabatt­ak­tion so schnell, wie sie geboren war, auch wieder in den tiefen Schub­laden am Schalker Markt. Die San­sibar“ immerhin blieb ein Schalker Ver­eins­lokal und die Pla­kette, die an der Außen­wand ange­bracht wurde, musste hun­derte Male ersetzt werden, weil Tou­risten sie immer wieder in einer Nacht- und Nebel­ak­tion mit­gehen ließen.

Ganz ver­narrt war Günter Eich­berg damals auch in einen jungen, auf­stre­benden, aber noch relativ unbe­kannten Übungs­leiter. Peter Neururer trai­nierte Ale­mannia Aachen, als der Son­nen­könig ihn zu sich nach Hause einlud. Über die Gehalts­ver­hand­lungen an diesem Tage meinte Peter Neururer einmal: Ehe ich über­haupt eine Summe sagen konnte, hatte er schon das Dop­pelte geboten.“

Morgen tun wir ihm vom Hof, ne?“

Wie sich erst viele Jahre später her­aus­stellen sollte, hatte der Prä­si­dent Neururer sogar eine Mark pro Zuschauer ver­spro­chen. Ein fürst­li­ches Zusatz­ge­halt für den jungen Trainer. Günter Eich­berg war es auch, der damals für viel Geld Günter Netzer zum FC Schalke 04 holte, den die Presse nur Tele­fon­ma­nager“ nannte. Warum er den ehe­ma­ligen Meis­ter­spieler unbe­dingt an seiner Seite haben wollte, erzählte Eich­berg so: Netzer kam auch wegen des neuen Sta­dions, was ich damals ange­dacht, vor­ge­stellt und skiz­ziert hatte. Also, ich hatte das mal gemalt, zu Ostern, zu Hause. Auf einem Kin­der­schreib­block hatte ich das neue Sta­dion auf­ge­zeichnet. Und die haben das dann hin­terher auch genau so gebaut.“


Doch als die Sache mit dem Sta­dion sich immer mehr ver­zö­gerte und die Zusam­men­ar­beit mit Netzer nicht so lief, wie gehofft, wollte man ihn wieder ent­lassen. Leichter gesagt als getan. Wochen­lang stritt man sich, wer die Rolle des Buh­manns über­nehmen sollte. Bis zu einem denk­wür­digen Abend in einem Gast­haus im Sauer­land. An einer Pin­kel­rinne ste­hend schworen sich Eich­berg und Schatz­meister Rüdiger Höffken in die Hand, es am nächsten Tage gemeinsam bei der Tele­fon­kon­fe­renz zu tun. Der herr­liche Kom­mentar des Schatz­meis­ters in den geka­chelten Räum­lich­keiten soll wie folgt gelautet haben: Morgen, Günter, tun wir ihm vom Hof, ne?!“

Echte Typen sterben nie

Im Rück­blick sah Eich­berg seine königs­blaue Zeit übri­gens viele Jahre später durchaus positiv. Mit seinem berühmten schel­mi­schen Grinsen sagte er einmal: Als ich Schalke 1989 über­nahm, standen wir auf dem vor­letzten Platz der 2. Bun­des­liga, kurz vor dem Absturz ins Ama­teur­lager. Abge­geben habe ich den Verein auf Platz acht der 1. Bun­des­liga und – wenn ich mich nicht irre – stehen wir da unge­fähr noch heute.“

Warum es den­noch mit ihm und Schalke in die Binsen ging, beschreibt ein Spruch seines Freundes Charly Neu­mann sehr tref­fend: Er kann nicht nein sagen. Wenn er eine Frau wäre, hätte er bestimmt schon 20 Kinder.“

Am Wochen­ende ist Günter Eich­berg gestorben. Sein Leben in Träumen ist zu Ende. Doch wir werden uns auch in vielen Jahren noch von ihm erzählen. Echte Typen sterben nie.