Antoine Zammit ist der Gründer der Seite Empire of the Kop“, ein Blog über den Liver­pool FC mit täg­li­chen Mel­dungen und Mei­nungs­stü­cken.

Antoine Zammit, bei seiner Ankunft löste Jürgen Klopp einen echten Hype in Liver­pool aus. Ist die Euphorie wei­terhin unge­bro­chen?
Ja, diese Euphorie wurde defi­nitiv bewahrt. Klopp hat viel Arbeit vor sich, da können auch nicht von jetzt auf gleich die großen Erfolge raus­springen. Jeder in Liver­pool ver­steht das und bringt die nötige Geduld auf.

Hat Sie etwas beson­ders über­rascht in den ersten Monaten mit Jürgen Klopp?
Wir wussten schon, dass er ein emo­tio­naler Trainer ist. Doch irgendwie bin ich noch immer etwas ver­blüfft, wenn ich ihn so an der Sei­ten­linie sehe. Ich bekomme manchmal das Gefühl: Gleich rennt er auf den Rasen und spielt mit! Diese Lei­den­schaft eines Trai­ners ist ein­fach fas­zi­nie­rend. Manche Experten befürch­teten auch, er könne Pro­bleme mit der Sprach­bar­riere haben. Doch Klopp spricht mit dem Körper. Das dürfte den Spie­lern rei­chen, um ihn zu ver­stehen.

Woran muss sich Klopp in Eng­land noch gewöhnen?
Er hat sich natür­lich seine lockere Art bewahrt, das kommt gut bei uns an. Aber die eng­li­schen Medien sind manchmal erbar­mungslos. Sie fragen und fragen, meis­tens auch immer zum glei­chen Thema, nur in der Hoff­nung, dass er sich einen Aus­rut­scher leistet. Ich denke, Klopp wird in dieser Hin­sicht in nächster Zeit etwas mehr Vor­sicht walten lassen.

Klopp beklagte häufig die vielen Spiele in kurzer Zeit. Hat er das Pro­gramm in Eng­land unter­schätzt?
Wenn man ehr­lich ist: Das pas­siert jedem Trainer, der neu in die Pre­mier League kommt. Auch bei uns in Liver­pool gab es das schon: Als Rafa Benitez oder Gerard Houl­lier zu uns kamen, haben sie sich eben­falls dar­über beklagt.

Liver­pool hat prompt eine lange Ver­letz­ten­liste. Das erin­nerte an Klopps letzte Saison in Dort­mund. War das ein Thema?
Natür­lich ist diese Ver­letz­ten­mi­sere ein Thema, doch sie wird auf keinen Fall Klopp ange­lastet. Wir hatten in dieser Hin­sicht schon sehr viel Pech, bevor Klopp zu uns gekommen ist. Das geht nun schon seit zwei Spiel­zeiten eigent­lich so. Schon Brendan Rod­gers war immer wieder dazu gezwungen, viel an der Mann­schaft her­um­zu­bas­teln.

Die Mann­schaft siegte in dieser Saison bei Man­chester City und Chelsea, vergab daheim aber leicht­fertig die Punkte. Was fehlt dem Team?
Da spielt zum einen natür­lich auch die Ver­letz­ten­lage mit rein. Wenn jedes Mal die Start­auf­stel­lung wech­selt, kann sich eine Mann­schaft nur schwer ein­spielen. Zum anderen haben wir auch sehr viele junge Spieler, bei denen Leis­tungs­schwan­kungen dazu gehören. Da bedarf es auch etwas Geduld. Ein gutes Bei­spiel ist Emre Can, bei dem viele Fans ein­fach ver­gessen zu scheinen, dass er erst 22 Jahre alt ist. Für dieses Alter spielt er schon sehr abge­klärt.

Im ver­gan­genen Liga­spiel siegte Liver­pool glatt mit 6:0 bei Aston Villa. Was ist in der Liga noch drin?
Villa war an diesem Tag auch sehr schwach, das muss man dazu sagen. Doch wir haben es gut gemacht und vor allem unsere Schwä­chen im Abschluss an diesem Tag abge­stellt. Aller­dings waren wir in dieser Saison auch zu oft unge­ordnet in der Defen­sive. Ich glaube, dass es schwer wird, noch in die Cham­pions-League-Ränge zu rücken. Von daher müssen wir alles auf die Europa League setzen, um uns dar­über für die Königs­klasse zu qua­li­fi­zieren.

Dafür müsste Liver­pool die Europa League gewinnen. Also gehen Sie von einem Wei­ter­kommen gegen Augs­burg aus?
Ver­stehen Sie mich nicht falsch, wir haben den größten Respekt vor den Augs­bur­gern. Die Mann­schaft kann sehr gefähr­lich werden. Doch wir spielen nun einmal im Rück­spiel zu Hause, da wird Anfield den Unter­schied aus­ma­chen.