Das sakrale Lied der Liver­pool-Fans ist auf der ganzen Welt bekannt: You’ll never walk alone. Doch fast noch gefühl­voller geht es zu, wenn die Liver­pool-Fans im Pub ihr Glau­bens­be­kenntnis anstimmen, zu dem sich Alt und Jung mit der Faust auf das Herz klopfen: A Liver­bird upon my chest – we are the men of Shanklys best“. Bill Shankly ist bis heute einer der erfolg­reichsten Trainer des Ver­eins – doch nicht allein das sport­liche Abschneiden trug zu seinem uner­schüt­ter­li­chen Legen­den­status in der Stadt bei. Shankly war eins mit Liver­pool, den Bewoh­nern und den LFC-Fans. Seine Sprüche gehören noch heute zum kol­lek­tiven Sprach­ge­brauch der Stadt, seine Taten als Trainer zu deren Mythen. Und wenn es in den Medien hieß, Jürgen Klopp trete in die Fuß­stapfen von Shankly, so muss man – bei allem Respekt vor dem ehe­ma­ligen Dort­munder Trainer – sagen: Das wird nicht mög­lich sein.

Der Film Shankly – Natu­re’s fire“ geht dem Phä­nomen nach, warum Shankly so ver­ehrt wurde. Dabei wird deut­lich, dass der Schotte zum einen wie ein Säu­len­hei­liger ver­ehrt, zum anderen wie ein Kumpel aus der Nach­bar­schaft betrachtet wurde. Bei den Auf­nahmen vor dessen ehe­ma­ligem Haus erklärt Shanklys Enkelin, wie der Pfad zum Ein­gang zer­tram­pelt wurde von den täg­li­chen Heer­scharen an Besu­chern. In Liver­pool hatte sich her­um­ge­spro­chen, dass der Trainer den Fans nicht nur die Tür öff­nete, son­dern sie auch zum Tee her­einbat. Shankly han­delte nach der Prä­misse: Es ist mein Pri­vileg, für die Men­schen in Liver­pool arbeiten zu dürfen.“ Das war kein leerer Pathos, son­dern gelebter Ega­li­ta­rismus in einem der sei­ner­zeit größten Klubs der Welt.

Shankly schaffte mit Liver­pool den Auf­stieg, wurde drei Mal Meister und gewann den Uefa-Pokal. Im Film wird aber deut­lich, dass gerade der Gewinn des FA-Cups 1965 den viel­leicht wich­tigsten Tri­umph dar­stellte. Shankly habe damit den hei­ligen Gral“ an die Mersey geholt und dem kom­pletten Klub das Sieger-Gen ein­ver­leibt, sagen die Zeit­zeugen. Doch als Liver­pool unter seiner Ägide im Jahr 1974 zum zweiten Mal den Pokal gewann, ver­kün­dete der große Trainer kurz darauf seinen Rück­tritt. Eine Fern­seh­um­frage in den Straßen von Liver­pool unmit­telbar nach der Mel­dung führt den Schock der Fans vor Augen: Ihre Ungläu­big­keit und Ver­let­zung schmerzt fast phy­sisch beim Betrachten.

Natu­re’s fire“ ist eine andert­halb­stün­dige Hom­mage an Shankly, die an man­chen Stellen wohl nicht nur für Everton- oder Man United-Fans etwas zu gestreckt aus­fällt. Wer aber ver­stehen will, wie ein Mann eine ganze Stadt wach­küssen kann, wie ein Trainer zur unsterb­li­chen Figur wird und eben wie Liver­pool FC zu dem Klub mit all seiner His­torie und seinen Emo­tionen zu jenem Klub wurde, als der er heute welt­weit bekannt ist; dem sei dieser Film wärms­tens ans Herz gelegt. An Hin­gabe für die Ver­wirk­li­chung dieses Werks haben es die Macher jeden­falls nicht missen lassen. Unter den unzäh­ligen Gesprächs­partner finden sich auch Schrift­steller Irvine Welsh, Steven Ger­rard oder ehe­ma­lige Spieler wie Ian St. John. Am Ende bleibt das Gefühl, das mit der Inschrift an Shanklys Statue am besten zusam­men­ge­fasst ist: Er machte die Leute glück­lich.

Das 11mm-Fuß­ball­film­fes­tival zeigt den Film am Samstag um 17:30 Uhr im Babylon Berlin in deut­scher Erst­auf­füh­rung. Anhänger bri­ti­scher Fuß­ball­his­torie und ‑kultur können danach auf dem Fes­tival bleiben: Um 19.45 Uhr läuft George Best: All by him­self“, um 21.45 Uhr Kenny“ über eine andere LFC-Legende Kenny Dalg­lish. 11FREUNDE prä­sen­tiert das Fes­tival. Hier geht es zum kom­pletten Spiel­plan.