21.12.13 Ham­burg, Fabrik
Im Frühtau zu Berge, wir ziehen. Soll heißen: Schon wieder reißt uns nach viel zu wenig Schlaf der Wecker aus den Betten. Um 10 Uhr ist Abfahrt, die Truppe schleppt sich und das inzwi­schen gut ver­si­ffte Gepäck zum Bus und bricht auf gen Ham­burg. Unsere Heimat. Unsere Liebe. Doch auf dem Weg in die hei­mi­schen Gefilde däm­mert es uns: In dem Zustand darf man kei­nes­falsl zum Heim­spiel auf­laufen. Also beziehe ich Stel­lung auf dem Bei­fah­rer­sitz, sorge für aus­rei­chend Kaffee, Ener­gy­drinks sowie die in dieser Band noch immer hoch geschätzten Wurst­pro­dukte und hole aus zu einem vier­stün­digen DJ Ebbe Mun­ter­ma­cher-Set. Ope­ra­tion Ivy, NOFX, No Use for a Name, Rancid – alles, was das Herz eben so begehrt.

Mein Allein­gang ver­fehlt seine Wir­kung nicht: putz­munter und hoch­mo­ti­viert schlagen wir um 15 Uhr an der Fabrik in Altona auf. Kaum ange­kommen, machen sich schon leichte Irri­ta­tionen breit, denn in der Halle, in der heute Abend das Zehn Jahre Mont­real Abschluss­kon­zert“ mit 1000 Leuten statt­finden soll, stehen jetzt noch unzäh­lige Obst- und Gemü­se­stände, Kinder malen sich Gesichter an, zu Gauk­ler­musik werden Bio-Würste ver­speist.

Ich blicke in fra­gende Gesichter. Hier zuckt ein Augenlid. Da wird schon der Welt­un­ter­gang aus­ge­rufen. Über allen schweben drei bange Fragen: Fal­scher Tag? Fal­sche Stadt? Fal­sche Fabrik? In meinem Job als Aus­hilfroadie habe ich gelernt, dass man bei Mont­real nichts, aber auch gar nichts aus­schließen sollte. Doch der Club­be­sitzer gibt Ent­war­nung – in einer halben Stunde sei der Markt wieder weg. Das heißt für uns erstmal: durch­atmen. Und natür­lich: Tisch­tennis. Ich kann leider nicht an den Über­ra­schungs­er­folg vom Vortag anschließen und werde von Hirsch klar in zwei Sätzen abge­fer­tigt. War mit dem Kopf nicht richtig auf der Platte, zu sehr bin ich schon in der Vor­be­rei­tung für den heu­tigen Abend. Tour­ab­schluss, Heim­spiel, Zehn-Jahre-Jubi­lä­ums­kon­zert und die größte Mont­re­al­show jemals. Da steigt der Druck. Auch bei mir.

Vom Angreifer zum Bühnen-Abwehr­re­cken

Doch inzwi­schen sind wir so gut auf­ein­ander ein­ge­spielt, dass wir uns von allzu vielen Super­la­tiven nicht son­der­lich beein­dru­cken lassen. Zunächst kommen Anadrinks­dog­piss“ und wieder Das Pack“ mit groß­ar­tigen Auf­tritten, dann wird es um 21:40 Uhr ernst. Ich beziehe wieder am Rand der Bühne Stel­lung. Ver­suche Raum und Zeit zur erspüren. Warte auf die eine Chance, um und jeder­zeit schnell und unkom­pli­ziert die Geträn­ke­halter zu befüllen. Die Stim­mung ist sen­sa­tio­nell und trotz des Zaunes, den es heute zum Glück gibt, herrscht auch heute wieder reger Ver­kehr auf der Bühne. Auch hier kommt mit die kör­per­liche Robust­heit aus zahl­rei­chen Zweit­li­ga­jahren zu Gute. Frank von links und ich von rechts halten den Laden wäh­rend der gesamten Spiel­zeit sauber.

Nach unglaub­li­chen zwei Stunden ist der Zauber dann vorbei und unsere vor­erst letzte Schlacht geschlagen. Auf einer, dem Anlass erfor­dend, besinn­li­chen“ After­show­party mit Freunden und Familie feiern wir das Ende unserer schönen Reise und wagen ein erstes Fazit: Mehmet Scholl sollte leidtun, dass er damals nicht bei den Sport­freunden mit­ge­fahren ist. Wobei, wer weiß wie geil es da gewesen wäre? Die Kom­bi­na­tion von Ex-Profi und Band ver­trägt sich ver­mut­lich besser als die Kom­bi­na­tion aus aktiver Profi und Band. Am wich­tigsten ist aber der Schwur: Das Machen wir wieder!

Mont­real sagt, man könne sich kaum vor­stellen, wie die nächste Tour ohne mich funk­tio­nieren soll. Klar, ich kenne diese Schul­ter­klopfer zu genüg, aber das Schlimmste an diesen Jungs ist: Ich glaube, die meinen das auch tat­säch­lich so!

Die letzte Aktion des Abends vor dem sen­ti­men­talen Abschied geht dann natür­lich auf meine Kosten. In der Gar­de­robe bekomme ich den Eis­wür­fe­leimer über den Kopf geschüttet. All­ge­meiner Tenor: So macht man das eben mit Trai­nern am Ende der Saison. Und wäh­rend ich mich noch freue, dass ich zum Tour­high­ligt weder Gato­rade-Fässer noch Drei-Liter-Hefe­wei­zen­humpen besorgt habe, mache ich mich mit nassen Haaren und Eis­wür­feln im Nacken auf gen hei­mi­sche vier Wände. Weih­nachten kann kommen. 

Nur eines noch zum Schluss: Mont­real, wenn ihr mich ruft: ich bis sofort wieder dabei. Mit Wurst… und viel­leicht auch etwas Senf.

Bis bald,
Euer Ebbe