Seite 2: „Herr Happel, lassen Sie es sein!“

Nach dem Euro­pa­cup­sieg 1983 mit dem HSV war ver­mut­lich halb Europa scharf auf ihn.
Er hatte Ange­bote aus Madrid und Bar­ce­lona, später kam auch eine Mil­lio­nen­of­ferte aus Neapel. Damals ver­dienten Trainer in der Bun­des­liga selten mehr als 300.000 Mark brutto. Es war also ver­lo­ckend.

Den­noch gelang es Ihnen, ihn beim HSV zu halten. Wie haben Sie das gemacht?
Als er mir von dem Angebot aus Neapel erzählte, sagte ich: Herr Happel, lassen Sie es sein. Sie können sich doch gar nicht mit denen unter­halten, Sie spre­chen die Sprache nicht. Und dort trai­nieren Sie Mara­dona, der hat seinen eigenen Trainer, der kommt sowieso nicht zum Trai­ning.“ Das hat er mir geglaubt, und ist geblieben. Er hat sich bei uns sehr wohl gefühlt.

Was mussten Sie tun, damit sich Happel wohl­fühlt?
Ich habe ihm alles Unbe­queme vom Hals gehalten. Ich bin mit ihm nach Sylt gefahren und unser Win­ter­trai­nings­lager fand in Süd­frank­reich statt, wo es viele Casinos gab, die wir auch reich­lich nutzten.

Das Spiel nach dem Spiel hat ihn immer gereizt.
Ja, aber auch in der Hin­sicht war er höchst dis­zi­pli­niert. Sobald er klei­nere Mengen gewonnen oder ver­loren hatte, konnte er auf­hören. Ein echter Spieler kann das nicht. Er wusste genau, wo seine Grenze ist. So wurden ihm auch Alko­hol­ge­schichten ange­dichtet. Aber ich kann Ihnen ver­si­chern: Ernst Happel war immer der erste beim Trai­ning und der letzte der gegangen ist. Aus­fälle wie beim Zebec hat es bei ihm nie gegeben.

Er über­nahm von Zebec eine intakte Mann­schaft, die sich gewis­ser­maßen selbst dis­zi­pli­nierte.
Er hat dieses Team ver­edelt und es einen Fuß­ball spielen lassen, den man so in Deutsch­land noch nicht gesehen hatte. Er ließ Fore­che­cking in Per­fek­tion spielen. Viele Ele­mente unseres dama­ligen Spiels sind bis heute im Fuß­ball üblich.

Horst Hru­besch war sein ver­län­gerter Arm auf dem Platz. Was machte das Ver­hältnis zwi­schen den beiden aus?
Happel wusste, dass der Hru­besch einen tadel­losen Cha­rakter hat und alles für ihn und die Mann­schaft tun würde, auch jen­seits des Platzes. Des­halb mussten die beiden auch nicht viel spre­chen, die haben sich intuitiv ver­standen.

Als Horst Hru­besch und Lars Bas­trup den HSV 1983 ver­ließen, folgten Dieter Schatz­schneider und Wolfram Wuttke, die sich weniger gut inte­grierten.
Wuttke war eines der größten Talente des deut­schen Fuß­balls. Aber beide waren vom Cha­rakter nicht aus­rei­chend. Ich dachte, es kann nicht sein, dass zwei Neu­linge die ganze Mann­schaft durch­ein­ander wir­beln mit­samt dem alten Happel. Aber genau das ist pas­siert.

Warum hat Happel das nicht in den Griff gekriegt?
Eine berech­tigte Frage. Ich glaube, es war ihm zu dumm. Selbst­ver­ständ­lich hat er es ver­sucht, aber der Wuttke hat gemacht, was er wollte. Und Happel ist ihm nicht hin­ter­her­ge­laufen.

Ein Defizit?
Das muss man im Nach­hinein wohl so sagen, da hätte er mehr draus machen können. Aber Happel wollte mün­dige Spieler. Leute, die von sich aus Ver­ant­wor­tung über­nehmen.

Hat er sich von Wuttke und Schatz­schneider vor dem Transfer kein Bild gemacht?
Wie wollen Sie das in einem kurzen Gespräch erkennen? Wuttke hatte in Schalke gespielt und kam zum Euro­pa­cup­sieger. Wir gingen davon aus, dass er sich ganz hinten anstellen würde. Aber das hat Wuttke nicht gemacht.