Ein Urlaubs­foto kann viel erzählen. Früher, liebe Spät­ge­bo­renen, mussten Fotos nach der Urlaubs­reise noch ent­wi­ckelt und selek­tiert werden. Erst dann bekam der Fami­lien- oder Freun­des­kreis zu sehen, wie üppig das Essens­buffet, wie blau das Pool­wasser und wie gepflegt die Hotel­an­lage war. In der Som­mer­pause ist auch Marko Arn­au­tovic ver­reist. Mit einigen seiner Hawara (Kum­pels, d. Red.) ging es ans Meer und der 24-Jäh­rige stellte wie jeder moderne Urlauber ein Foto ins Internet. Es zeigt ihn lässig in der Mitte von anderen täto­wierten Män­nern auf einer Yacht lie­gend. Es ist anzu­nehmen, dass Arn­au­tovic mit dem Schnapp­schuss nie­mals im Sinn hatte, seine neue modi­sche Frisur zur Schau zu stellen oder gar deka­dent zu wirken, aber eben jene Asso­zia­tionen wurden aber bei den Fans seiner Seite geweckt. Party und auf dicke Hose machen könne er, wenn er end­lich anfange ver­nünftig Fuß­ball zu spielen. Das der Grund­tenor der öster­rei­chi­schen Fuß­ball­fans.

Sie warten auf das Ein­lösen des Ver­spre­chens, das ihnen Arn­au­to­vics attes­tiertes Talent einst gab. Doch statt durch Leis­tungen auf sich auf­merksam zu machen, lie­fert er dem Bou­le­vard Geschichten über seinen Lebens­stil, nächt­liche Rase­reien und Poli­zei­kon­trollen, die angeb­lich mit Sätzen wie Ich kann dein Leben kaufen“ enden. Die an ihn gestellte Erwar­tungs­hal­tung hat Arn­au­tovic noch immer nicht erfüllt.

Aus dem Genie wird eine Ziel­scheibe

Wenn der Wiener mit ser­bi­schen Wur­zeln Tore schießt, erntet er mediale Lobes­hymnen, in Rekord­zeit wird ihm die Aura eines Super­stars ver­liehen. Der öster­rei­chi­sche Fuß­ball lechzt nach Vor­zei­ge­fuß­bal­lern. Doch so schnell wie er him­mel­hoch gelobt wird, landet er immer wieder auf dem harten Boden der Tat­sa­chen. Wenn die Erfolgs­er­leb­nisse aus­bleiben oder ein Dis­co­be­such auf­fliegt, wird aus dem extro­ver­tierten Genie eine pola­ri­sie­rende Ziel­scheibe.

Genü­gend Angriffs­fläche bietet er ja, schon ein ober­fläch­li­cher Blick auf seine Leis­tungs­bi­lanz zeugt von einer eher durch­wach­senen Kar­riere. Über ledig­lich drei Kurz­ein­sätze kam der dama­lige Twente-Leih­spieler bei Inter Mai­land 2009 nicht hinaus, ein Jahr später wurde dem schwierig gel­tenden Akteur eine strah­lende Zukunft bei Werder Bremen pro­phe­zeit. In 72 Bun­des­liga-Spielen brachte es der für rund sechs Mil­lionen Euro geholte Hoff­nungs­träger auf 14 Tore. Mitt­ler­weile ist er nur noch 2,35 Mil­lionen wert. Von der lan­des­weiten Popu­la­rität eines David Alabas ist er weit ent­fernt. Der schüch­terne Bayern-Spieler ist die Anti­these zum exzes­siven Arn­au­tovic.

Hohn und Spott für den neuen Arbeit­geber

Für seinen neuen Arbeit­geber hat Arn­au­tovic jetzt Hohn und Spott aus der Heimat geerntet. Waren wäh­rend der Som­mer­pause noch Namen wie Valencia, London, Glasgow oder Kiew gehan­delt worden, lan­detet der Angreifer schließ­lich in Stoke-on-Trent, einer triste 350.000- Ein­wohner-Stadt in den rauen eng­li­schen Mid­lands, die außer einem Töp­fer­mu­seum kaum Sehens­wür­dig­keiten bietet. Anspruch und Rea­lität diver­gieren. Um es mal vor­sichtig zu for­mu­lieren.

Immerhin: Den Glauben an ihr Talent haben die Öster­rei­cher nicht auf­ge­geben. Ein neuer Klub, eine neue Chance, aus dem Exzen­triker einen hart arbei­tenden Fuß­baller zu machen, der seine Fähig­keiten end­lich zum Wohle der eigenen Natio­nal­mann­schaft aus­spielt. Viel­leicht wird sich der hoch­be­gabte Schüler auf der Insel für bes­sere Zen­suren ent­scheiden und nicht mehr den Klas­sen­clown spielen. Den Fokus auf seine Lauf­bahn legen und her­aus­finden, dass unweit von Stoke mit Bir­mingham, Liver­pool und Man­chester nicht unbe­dingt schö­nere Städte, aber gla­mou­rö­sere Klubs auf ihn warten. Wenn er end­lich mal zeigt, was er so drauf hat.