Chris­toph Kramer, kennen Sie das Torsten-Mat­tuschka-Lied?
Ja, klar. (Singt) Torsten Mat­tuschka, du bist der beste Mann, Torsten Mat­tuschka, du kannst, was keiner kann, Torsten Mat­tuschka, hau ihn rein für den Verein.

Respekt!
Na ja, das Lied wird bei Union ja bei jedem Frei­stoß gesungen. Dem kann man doch gar nicht ent­gehen.

Im Sta­di­on­heft von Borussia Mön­chen­glad­bach war zu lesen, dass Torsten Mat­tuschka vom Zweit­li­gisten Union Berlin Ihr Lieb­lings­spieler ist. Das ist schon eine unge­wöhn­liche Wahl.
Er ist jetzt nicht mein Lieb­lings­spieler in dem Sinne, dass er mein Vor­bild ist oder ich mich an seiner Spiel­weise ori­en­tiere.

Son­dern?
In der Zweiten Liga ist eigent­lich jedes Spiel mehr Krampf als Kampf. Spie­le­ri­sche Ele­mente sind da die abso­lute Aus­nahme. In diesem Umfeld ist Torsten Mat­tuschka wirk­lich ein Licht­blick – weil er auf dem Platz ein Zocker ist.

Was genau schätzen Sie an ihm?
Dass er sich nicht mehr schnell mit dem Ball drehen kann, dass er Schwä­chen mit dem Tempo all­ge­mein hat – da müssen wir nicht drüber reden. Aber er ver­steht Fuß­ball unheim­lich gut. Wenn ich mir im Fern­sehen ein Spiel von Union anschaue, denk’ ich oft: Da muss der Ball jetzt hin. Und wenn Mat­tuschka am Ball ist, kommt der Ball auch genau dahin. Das siehst du in der Zweiten Liga wirk­lich selten.

Seit wann hegen Sie Ihre Begeis­te­rung für Mat­tuschka?
Ich habe zwei Jahre mit dem VfL Bochum in der Zweiten Liga gespielt, da beschäf­tigt man sich natür­lich mit der Zweiten Liga. Ich glaube, in der ersten Saison hat Union immer eine Woche vor uns gegen unseren nächsten Gegner gespielt. Des­halb war es zwangs­läufig so, dass ich mir viele Spiele von Union ange­schaut habe. Torsten Mat­tuschka fällt da schon auf. Und ich fand seine Spiel­weise ein­fach toll.

Wie ist es, gegen ihn zu spielen?
Schwer. Er ist unheim­lich ball­si­cher, hat auch eine relativ robuste Hüfte. Da ist es fast unmög­lich, an den Ball zu kommen. Ich kann mich nicht erin­nern, dass ich ihm oft den Ball abge­nommen habe. Das war auch ein aus­schlag­ge­bender Punkt, dass ich ihn als Spieler richtig geil fand.

Sie gelten als Lauf­wunder, Mat­tuschka ist eher der gemüt­liche Fuß­baller. Schwärmt man gerade für Spieler, die ganz anders sind als man selbst?
Das weiß ich nicht. Ich finde ein­fach, dass Mat­tuschka in dieser Zweiten Liga extrem her­aus­sticht, weil er seine Linie durch­zieht. Er pro­biert immer zu spielen und passt sich nicht dem Zweit­li­ga­stil an.

Gibt es etwas an seinem Spiel, das Sie gerne hätten?
Mal abge­sehen von seinem tollen Schuss – man muss ein­fach sagen: Wenn er den Ball hat, kommt immer etwas Pro­duk­tives dabei rum. Er bewegt sich gut in den Räumen – auch wenn er sich nicht schnell in den Räumen bewegt. Aber er steht immer gut. Man spürt bei ihm ein­fach, er lebt Fuß­ball, und er ver­steht Fuß­ball. Das ist in der Zweiten Liga ganz selten, dass einer immer richtig steht, dass er ein Gefühl für den Raum hat, dass er weiß, wo er hin­laufen muss, wenn er den Ball hat. Es kommt auf ganz kleine Klei­nig­keiten an, und bei Mat­tuschka stimmen die alle.

Dann müssten Sie eigent­lich froh sein, dass Union nicht auf­steigt – weil Mat­tuschka weiter in der Zweiten Liga glänzen kann.
Ich hätte mich schon gefreut, wenn Union auf­ge­stiegen wäre. Nicht nur wegen Mat­tuschka. Als Außen­ste­hender finde ich auch den Verein ein­fach sehr sym­pa­thisch. Und ich habe noch guten Kon­takt zu Björn Kopplin, mit dem ich in Bochum zusammen gespielt habe.

Es gab ein Spiel zwi­schen Bochum und Union, da sind Sie ein­ge­wech­selt worden, als Mat­tuschka aus­ge­wech­selt wurde. Ärger­lich, oder?
So richtig kann ich mich nicht mehr erin­nern. Ich weiß noch, dass ich in der Woche vorher ein biss­chen krank war und des­halb erst nach der Pause ein­ge­wech­selt worden bin. Ich glaube, wir haben 2:0 geführt und 4:2 gewonnen. Union war in Unter­zahl, des­wegen musste Mat­tuschka wahr­schein­lich raus. Lus­ti­ger­weise habe ich mein letztes Spiel für Bochum gegen Union gemacht. Ich habe ein Tor erzielt, Mat­tuschka hat den Ball an die Latte gelupft. Das war auch so ein Moment, da dachte ich: Boah, geiler Spieler! Hin­terher haben wir Tri­kots getauscht.

Was haben Sie mit seinem Trikot gemacht?
Das hängt bei mir im Wohn­zimmer an der Wand. Da hängen meine beiden Tri­kots von Bochum und Glad­bach, drei Mal Bayern, Thiago, Ribéry und Mar­tinez, und Mat­tuschka. Ein Auto­gramm habe ich auch von ihm.

Weiß Mat­tuschka eigent­lich von Ihrem Faible?
Ich glaube, er hat schon mit­ge­kriegt, dass ich ihn ganz gut finde. Aber da bin ich ja auch nicht der Ein­zige.

Impo­niert er Ihnen auch als Per­sön­lich­keit?
So gut kenne ich ihn nun auch nicht. Wir waren mal zusammen bei einer Doping­kon­trolle. Da hast du ja direkt so ein Anfangs­ge­fühl, und das hat bei ihm sofort gestimmt. Mat­tuschka kam rein und war gleich super­nett, super­höf­lich und super­sym­pa­thisch – obwohl wir gewonnen hatten. Er ist ein fairer Sports­mann, nie auf­brau­send. Das schätze ich sehr.

Als junger Spieler hat Mat­tuschka bei Energie Cottbus den Sprung zu den Profis nicht geschafft, später hat er sich mit Union von der Vierten in die Zweite Liga hoch­ge­ar­beitet. Spielt das für Ihr Bild auch eine Rolle?
Das wusste ich gar nicht. Aber ich kann mir schon vor­stellen, dass er in der Jugend ein biss­chen flapsig war und sich nicht immer so ange­strengt hat. Macht ihn aber auch nicht unsym­pa­thisch. Die besten Profis sind oft die, die nicht pro­fi­ge­recht leben. Dafür kann Mat­tuschka Dinge, die du nur auf dem Bolz­platz lernst. Das ist das, was ich so gerne mag.

Er ist jetzt 33. Fürchten Sie, dass seine Zeit als Fuß­baller bald zu Ende sein könnte?
Wieso? Wenn er das Niveau dieser Saison hält. Wie viele Tore hat er gemacht, wie viele Assists?

Zwölf Tore, elf Assists.
Sehen Sie. Aber unab­hängig von der Sta­tistik. Mat­tuschka ist immer noch wichtig für Union. Die Mit­spieler suchen ihn, er hat viele Ball­kon­takte, er lenkt ein biss­chen das Spiel. Bei Union hast du diese ganzen wirren Läufer, die dau­ernd powern und Gas geben, aber du hast keinen, der mal auf den Ball treten kann. Außer Mat­tuschka.

Es ist bekannt, dass Sie gerne auf der Play­sta­tion Fifa 14 spielen. Haben Sie Mat­tuschka eigent­lich in Ihrer Mann­schaft?
Ich habe ihn tat­säch­lich einmal zu Glad­bach geholt. Da hat er sogar vier Kurz­ein­sätze gehabt und ein Tor gemacht.

Elf­meter oder Frei­stoß?
Frei­stoß. Dafür habe ich ihn extra ein­ge­wech­selt.