Seite 2: „Die Emotionalität gehört zu seinen Stärken“

Es gibt Stimmen, die sagen, dass es sogar besser für den Verein wäre, wenn Uli Hoeneß sich zurück­zieht, weil er sich zuletzt öffent­lich wie­der­holt unglück­lich geäu­ßert hat. Stich­wort: Wenn Sie wüssten, wen wir schon alles sicher haben…“

Natür­lich gibt es Leute, die sagen: In dem Alter soll man auf­hören.“ Ich kenne das aus eigener Erfah­rung (lacht). Was Uli Hoeneß angeht: Sicher, einige seiner emo­tio­nalen Äuße­rungen mögen miss­ver­ständ­lich sein. Diese Emo­tio­na­lität gehört aber auch zu seinen Stärken. 

Man­cher könnte Ihnen auch den Vor­wurf machen, Sie würden einen ver­ur­teilten Steu­er­hin­ter­zieher unter­stützen.

Für das, was er getan hat, ist er bestraft worden. Er hat seine Strafe abge­sessen und hat wie jeder andere auch das Recht auf eine zweite Chance. 

Als mög­li­cher Nach­folger von Uli Hoeneß gilt der frü­here Adidas-Chef Her­bert Hainer. Was halten Sie von ihm?

Ich habe mit ihm einige Jahre im Auf­sichtsrat gesessen. Er ist ein hoch­an­stän­diger, feiner Mensch. Ich weiß nicht, was die Mit­glieder von ihm halten, aber für mich ist er ein sehr kor­rekter, beschei­dener Typ. Er ist bei weitem nicht so emo­tional wie Uli Hoeneß, er ist mode­rie­rend und aus­glei­chend. 

Ginge der Bun­des­liga mit diesem Wechsel in der Ver­eins­füh­rung also auch ein Unter­hal­tungs­faktor ver­loren?

Natür­lich sorgt ein Uli Hoeneß mit seiner Emo­tio­na­lität und seinen mutigen Posi­tio­nie­rungen immer für Unter­hal­tung. Obwohl er sich auch oft zurück­ge­nommen hat. Wenn er richtig zornig war, hat er gar nichts gesagt. Ich werde nie ver­gessen, wie er beim Bau der Allianz Arena gegen den dama­ligen Bür­ger­meister Chris­tian Ude und die Hin­der­nisse, die er uns in den Weg gelegt hat, gekämpft hat. Und heute ist es ein großes Erfolgs­ob­jekt. Aus Ver­eins­geld bezahlt, das dürfen wir nie ver­gessen. Die Allianz Arena ist immer voll. Auch an der Ver­wirk­li­chung dieses Pro­jekts hatte Uli Hoeneß mit seiner Wucht einen sehr großen Anteil. 

Und trotz allem gönnen Sie Ihrem Freund den Ruhe­stand nicht?

Ich ver­stehe, dass auch seine Familie ihn natür­lich gerne um sich hat. Aber es erwartet ja auch nie­mand, dass Uli Hoeneß jeden Tag in der Geschäfts­stelle sitzt. Zwei Tage genügen doch. Denn auch mit halber Kraft tut er immer noch so viel wie andere Vor­sit­zende bei ganzem Ein­satz. Ich weiß auch gar nicht, ob der Ruhe­stand ein erstre­bens­werter Zustand ist. Ich selbst bin ja kein beson­ders gutes Bei­spiel dafür.