1.
Ganz ohne Ent­schul­di­gung kam 1994 Otto Baric aus. Der Trainer von Casino Salz­burg wurde für fünf Spiele auf die Tri­büne ver­bannt, weil er im UEFA-Cup-Hin­spiel Frank­furts Abwehr­spieler Kachaber Zchadadse bespuckt hatte. Völlig zurecht, fand Baric: Er hat mich mit dem schlimmsten Schimpf­wort belei­digt: Er hat mich Huren­sohn genannt. Das war für mich wie ein Treffer in den Magen. Und wenn ich geschlagen werde, dann schlage ich zurück.“ Sein Gegen­über Klaus Topp­möller beschei­nigte dem Kroaten ganz tiefes Niveau, mit dem ich mich nicht iden­ti­fi­zieren kann.“ Baric hatte für Toppis Mei­nung nicht viel über: Wichtig ist, dass mein Bäcker oder mein Metzger meine Reak­tion ver­stehen. Ich habe 18 Briefe bekommen – alle positiv.“

2.
Wen­de­hals Berti Vogts, Anführer von Aser­bai­dschan und WM-Mas­kott­chen der USA, schoss in den Neun­zi­gern gegen Thomas Helmer. Der dama­lige Bun­des­trainer bemerkte über den Bayern-Ver­tei­diger viel­sa­gend: Hab­gier ist auch eine Gier. Herr Helmer ist viel­leicht intel­li­gent. Aber nicht klug.“ Die Wogen glät­teten sich, später war Helmer plötz­lich Stütz­pfeiler des EM-Sie­ger­teams von 96 und laut Vogts ein heller Bur­sche. Mit ihm macht es wieder Spaß zu dis­ku­tieren.“

3.
Was wäre diese Zusam­men­stel­lung ohne das Duell der Giganten, des Auf­ein­an­der­treffen zwi­schen Uli Hoeneß und Chris­toph Daum im Sport­studio. Um das Maß an Über­schät­zung zu errei­chen wie du, muss ich hun­dert Jahre alt werden“, rief Daum. Hoeneß pro­gnos­ti­zierte: Don­nerstag ist dein Weg zu Ende“. Wir ver­weisen für alle Afi­cio­nados auf das Minu­ten­pro­to­koll des Streit­ge­sprächs und machen weiter im Text.

4.
Ewiger Streit­hammel der Bun­des­li­ga­ge­schichte war Max Merkel, der jah­re­lang als Bild“-Kolumnist gegen die gesam­melte Fuß­bal­le­lite schoss. Auch vor seiner Publi­zisten-Tätig­keit erklärte er als KSC-Trainer im besten Kes­sel­fli­cker­jargon den BVB zum FC Keuch­husten“ und Bun­des­trainer Jupp Der­wall zur ondu­lierten Sil­ber­locke“. Der­wall bekam von ihm nach einem tor­losen Remis in der Türkei auch noch gleich einen tak­ti­schen Rat­schlag: In Izmir hatten die Türken so was wie eine Pan­zer­sperre errichtet. Der­wall hatte Kai­sers­lau­terns Riesen Peter Briegel dabei, einen frü­heren Zehn­kämpfer, warum schickte er den nicht auf den Platz? Wo es gepan­zert ist, muß man eben einen Panzer auf­fahren.“ Ent­schul­di­gungen wurden nicht nach­ge­reicht.

5.
Für ein zwei­fel­haftes Kom­pli­ment an Schieds­richter Hans-Joa­chim Osmers flog Lau­tern-Kapitän Stefan Kuntz 1990 gegen Köln vom Platz: Mein Gott, sind sie ein ordi­närer Kerl!“ Köln-Coach Chris­toph Daum sah sich des­wegen ver­an­lasst, in Zukunft auch mal wieder die Ver­bal­grät­sche raus­zu­holen: Ich war jetzt eine ganze Zeit lang ruhig und ich muss sagen, diese Ruhe hat sich nicht aus­ge­zahlt. Die Schon­zeit ist vorbei. Ab sofort gibt’s ent­spre­chend wieder Feuer und Stim­mung, denn das braucht unsere Mann­schaft, um oben mit­zu­spielen. Ich war jetzt ein halbes Jahr lang ruhig, jetzt ist es vorbei. Das Weih­nachts­fest warten wir noch ab, aber dann geht’s los.“

6.
Schiri Osmers war auch bei Axel Kruse, damals Stürmer beim VfB Stutt­gart, nicht son­der­lich beliebt. Osmers, was pfeifen Sie für eine Scheiße?“, erregte sich Kruse. Kurz zuvor hatte Lau­tern-Libero Miroslav Kadlec einen Kruse-Schuss im Straf­raum per Hand gestoppt. Osmers Pfeife blieb stumm, Kruse wurde aus­fällig und rannte Osmers auch noch um.Der DFB reagierte wenig amü­siert: 8000 Mark Geld­strafe und sieben Pflicht­spiele Sperre.

7.
Auch gegen den eigenen Trainer kam in es in der Geschichte der Bun­des­liga immer mal wieder zu Aus­fällen. Der Frank­furter Slo­bodan Koml­je­novic bedankte sich 1997 beim 0:3 in Uer­dingen bei Coach Horst Ehr­mann­traut für seine Aus­wechs­lung mit den Worten Du Arsch­loch“. Der Trainer kün­digte danach an, nun auf­zu­räumen“. Die Aktion war kurz­fris­tiger Natur: Nach drei Spielen Sus­pen­die­rung schickte er den Ste­pa­novic-Schwie­ger­sohn wieder aufs Feld.

8.
Schon 1994 galt Frank­furt sowieso als Sam­mel­be­cken der Schimpf­wörter. Uli Stein nannte Mit­spieler Jan Furtok wahl­weise Wichser“ oder Arsch­loch“. Unter Tränen berich­tete der Pole des­halb: Der Uli macht mich fertig und nicht erst seit dieser Woche. Am Dienstag hat er zu mir gesagt: ›Du Depp, du Ver­sager, du Arsch­loch, du Penner, dich mach ich als ersten fertig.‹ Ich habe Uli nichts getan, warum tut er mir sowas an. Ich kann nachts schon nicht mehr schlafen, weil ich andau­ernd an den denken muß.„ Am 10. April wurde Stein gefeuert.

9:
Die Schimpf­ti­raden kamen bis 2006 nicht aus der Mode. Marco Rose von Mainz 05 gab damals zu: Wenn der Puls steigt, sagt man schon mal Arsch­loch oder Penner.“ Immerhin fügte Rose einen emo­tio­nalen Grund an: Auch ich bin impulsiv.“

10.

Immer noch ganz oben in den Ver­bal­hit­listen ist Mat­thäus‘ Aus­raster nach einem 2:2‑Remis im November 1994 gegen Karls­ruhe: Schwei­nerei, so ein Beschiss, die größte Frech­heit, die ich meinen 15 Pro­fi­jahren erlebt habe. Der Schieds­richter muss eine Super­prämie bekommen vom KSC.“ Auch Prä­si­dent Becken­bauer emp­fahl Schiri Helmut Krug für die Schüler-WM“. Mat­thäus wurde danach auf seine Vor­bild­funk­tion ange­spro­chen und gab den Huma­nisten: In erster Linie bin ich Mensch. Und ein Mensch hat seinen Cha­rakter. An dem kann man sicher­lich arbeiten. Aber wie oft wird man seiner Vor­bilds­funk­tion im ganz nor­malen Leben nicht gerecht? Wenn man raucht oder trinkt. Wenn man Fehler im Pri­vat­leben macht, gegen­über den Kinder, den Mit­men­schen, im Stra­ßen­ver­kehr.“ Wie wahr, Lothar.