1.

Pier­luigi Col­lina vs. Oliver Kahn


Er ist ein Welt­klasse-Schieds­richter, aber er bringt ein­fach kein Glück“, fasste Tor­wart Oliver Kahn seine miss­liche Lage zusammen. Und tat­säch­lich: wann immer sich die Wege von Kahn und dem ita­lie­ni­schen Star-Schieds­richter Pier­luigi Col­lina kreuzten, schlich der Welt­tor­hüter anchlie­ßend als Ver­lierer vom Platz. Ob beim 1:5‑Desaster 2002 gegen Eng­land, dem dra­ma­ti­schen 120-Sekunden-Tod 1999 gegen Man­chester, oder dem WM-Finale 2002, als der zuvor über­ra­gende Kahn mit einem Fehler die Nie­der­lage gegen Bra­si­lien ein­lei­tete – immer war der Unpar­tei­ische mit der Glatze Spiel­leiter. In Kahns langer Profi-Zeit gewann der FC Bayern nur ein Spiel unter Col­lina: Am 5. Dezember 2001 gegen Nantes (1:0). Im Tor der Bayern: Ersatz­mann Stefan Wes­sels. 



2.

Graham Poll vs. Josep Simunic


Für Momente des Fremd­schä­mens auf den Tri­bünen sorgte der eng­li­sche Schieds­richter Graham Poll wäh­rend der WM 2006. Im Vor­run­den­spiel zwi­schen Aus­tra­lien und Kroa­tien zeigte Poll dem kroa­ti­schen Bun­des­li­ga­spieler Josep Simunic drei gelbe Karten ehe er ihn doch noch des Feldes ver­wies. Nach der ersten Ver­war­nung in der 62. Minute, hielt Poll in der 90. Minute erneut den gelben Karton vor das Gesicht von Simunic, ließ ihn aber wei­ter­spielen. Drei Minuten später folgte die dritte Karte, erst jetzt musste Simunic gehen. Poll, eigent­lich als Favorit für das Finale ein­ge­plant, pfiff anschlie­ßend nie mehr eine inter­na­tio­nale Partie. FIFA-Boss Blatter moserte: Das kann ich nicht ver­zeihen.“ 

3.

Robert Hoyzer vs. Ham­burger SV


Diesen 21. August 2004 werden alle, die dabei waren, nicht so schnell ver­gessen. Das von Robert Hoyzer ver­pfif­fene DFB-Pokal­spiel zwi­schen Pader­born und dem nach­weis­lich betro­genen HSV ist in die Geschichte ein­ge­gangen. Ein Pot­pourri der Spiel­feld-Dia­loge. Arsch­loch! Arsch­loch!“ (Emile Mpenza nach Hoyzers Elf­me­ter­pfiff. Mpenze wurde vom Platz gestellt.) Reg dich nicht auf, deine Zeit ist eh vorbei.“ (Hoyzer zu HSV-Oldie Bar­barez) Was sie pfeifen, ist das Aller­beste.“ (Stefan Bein­lich zu Hoyzer, der ant­wortet: Pass auf, das kann ich noch viel besser.“) Spielt ihr mal so weiter, den Rest erle­dige ich.“ (Hoyzer in der Halb­zeit zu Pader­borner Spie­lern) 

4.

Pete Kearle vs. Lee Todd


Dass in den bri­ti­schen Sunday Leagues“ nor­ma­ler­weise kein allzu höf­li­cher ver­baler Aus­tausch statt­findet, dürfte auch dem Unpar­tei­ischen bekannt gewesen sein, als er das Spiel zwi­schen Cross Farm Park Celtic und den Taunton East Reach Wan­de­rers mit einem schrillen Pfiff beginnen ließ. Etwas zu laut für die sen­si­blen Ohren von Celtic-Angreifer Lee Todd. Ein ker­niges Fuck me, that was loud“, ver­an­lasste Schieds­richter Pete Kearle dazu den Flegel vom Platz zu schi­cken. Der maulte später: Fuß­ball ist ein Män­ner­sport, da wird andau­ernd geflucht. Aber mich stellt dieser Kerl gleich nach dem Anpfiff vom Platz.“ 

5.

Clive Wilkes vs. Walter Boyd


Den unrühm­li­chen Rekord für die schnellste Rote Karte der Welt hält immer noch Walter Boyd vom wali­si­schen Klub FC Swansea. Schieds­richter Clive Wilkes hatte seiner Mann­schaft einen Frei­stoß zuge­spro­chen, Boyd wurde ein­ge­wech­selt – und schlug seinem Gegen­spieler Steve Tutil aus Dar­lington zur Begrü­ßung den Ellen­bogen ins Ess­zimmer. Die Kon­se­quenz: Platz­ver­weis nach ganz genau null Spiel­se­kunden. 


6.

Dougie Smith vs. Paul Gas­coigne


Wenig Sinn für Humor bewies Schieds­richter Dougie Smith wäh­rend der Partie Glasgow Ran­gers und Hiber­nian FC (7:0) am 30. Dezember 1995. Im Getümmel war die gelbe Karte des Schieds­richter auf den Rasen gefallen, Ran­gers-Stars Paul Gas­coigne nahm sich des guten Stü­ckes an und über­brachte sie dem Unpar­tei­ischen. Nicht ohne Smith dabei in bester Schiri-Manier die­sel­bige auch zu zeigen. Das Publikum lachte, Gazza auch und der gekränkte Smith zeigte diesem prompt die gelbe Karte. Was selbst die Spieler der Hibbs“ nicht wirk­lich ver­stehen konnten. 

7.

Carlos Chandia vs. André Luiz


23 Minuten sind im Spiel der Copa Sudame­ri­cana zwi­schen Bota­fogo Rio de Janeiro und Estu­di­antes de la Plata im November 20008 gespielt, als Schieds­richter Carlos Chandia Bota­fogos André Luiz die gelbe Karte zeigt. Der, scheinbar gereizt bis aufs Blut, ent­reißt dem ver­dutzten Chandia das Kärt­chen und fuch­telt damit wild vor dessen Nase herum. Klarer Fall, Luiz darf duschen gehen. Das tut der auch, sogar fried­lich. Wenige Monate zuvor war Luiz noch auf dem Platz ver­haftet worden. Ein lie­bens­werter Bur­sche. 

8.

Clive Thomas vs. Zico

Der wali­si­schen Schieds­richter Clive Thomas war zu seiner aktiven Zeit ein Meister der Pro​vo​ka​tion​.Im Halb­fi­nale der EM 1976 übersah er groß­zügig ein bru­tales Foul von Antonin Panenka an Johan Cruyff, und ermög­lichte Zdenek Nehoda so den ent­schei­denden Treffer für die Tsche­cho­slo­wakei. Ein Jahr später ver­wehrte er Everton den Sieg­treffer im FA-Cup-Halb­fi­nale gegen Liver­pool – selbst die begüns­tigte Seite wehrte sich gegen die Fehl­ent­schei­dung. Ver­geb­lich. Sein Meis­ter­stück lie­ferte Thomas wäh­rend der WM 1978 ab, als er das Grup­pen­spiel zwi­schen Schweden und Bra­si­lien abpfiff, als der Ball nach einer Ecke gerade auf dem Kopf von Zico landen wollte. Das Tor zählte nicht. Das Spiel endete 1:1. 

9.

Les Mot­tram vs. Paddy Con­nolly

Im Februar 1993 treffen im Tan­na­dice Park Dundee United und Partrick Thistle auf­ein­ander. Nach einer Ecke erwischt United-Angreifer Paddy Con­nelly die Kugel und schiebt ein. Ganz Dundee jubelt, Thistle bejam­mert den Gegen­treffer, als Schieds­richter Les Mot­tram andeutet, dass das Spiel wei­ter­laufen würde. Con­nelly und Kol­legen ver­stehen die Welt nicht mehr. Erst in der Zeit­lupe wird deut­lich: Thistle-Abwehr­mann Martin Clark hat den Ball, nach dem dieser aus dem straffen Netz gesprungen war, blitz­schnell Tor­wart Andy Mur­doch in die Arme geworfen, für Mot­tram eine blitz­saubere Parade. Dundee gewinnt am Ende 4:0 und Mot­tram fährt ein Jahr später als Schieds­richter zur WM in die USA. 

10.

Schieds­rich­ter­ge­spann in Rumä­nien vs. Fans von Popesti Stefan


Dass Schieds­richter gefähr­lich leben, weiß man auch in Rumä­niens vierter Liga: Als der Unpar­tei­ische nach einer umstrit­tenen Abseits­ent­schei­dung im Spiel zwi­schen Popesti Stefan und Unirea Dra­ga­lina von auf­ge­brachten Fans des Gast­ge­bers bedrängt wurde, eilte der Assis­tent zur Hilfe und ver­scheuchte den wütenden Mob – mit einer Pis­tole im Anschlag. Han­dy­auf­nahmen eines Ama­teur­fil­mers zeigten später die Bilder vom Abgang des bewaff­neten Schieds­rich­ter­ge­spanns, inklu­sive hek­ti­scher Rufe im Off: Er hat eine Pis­tole! Er hat eine Pis­tole!“