Seite 2: „Er war schlecht beraten“

Immerhin war von Kuopio KuPS nun ver­mehrt in der Presse zu lesen.
Heis­kanen: Schauen Sie sich mal seinen Twitter-Account an: Er hat 400.000 Fol­lower, wir haben gerade mal 3000. Es hat immense Aus­wir­kungen, wenn er nur unseren Ver­eins­namen erwähnt. Und morgen, wenn wir unser erstes Heim­spiel bestreiten, hoffen auf viele Zuschauer. Wir haben das Spiel schließ­lich mit ihm beworben.
 
Wie wurde Adu in Kuopio emp­fangen?
Heis­kanen: Sehr gut. Wir hatten eine Pres­se­kon­fe­renz orga­ni­siert, zu der viel mehr Reporter kamen als sonst. Auch von außer­halb.
Raja­mäki: Seine Mit­spieler mögen ihn auch, er ist ein sehr offener Typ. Viel­leicht war es auch hilf­reich, dass wir mit Ste­phen McCarthy bereits einen US-Ame­ri­kaner im Team hatten. Im Trai­ning spreche ich außerdem Eng­lisch – das ver­steht hier jeder.
 
Wie bewegt er sich durch die Stadt?
Raja­mäki: Ach, Kuopio ist ja nicht Mai­land oder London. Hier ist alles ein biss­chen unauf­ge­regter, zu den Spielen kommen 1000 bis 2000 Zuschauer. Und so etwas wie Star­rummel gibt es hier gar nicht. Außerdem ist Kuopio für seine Freund­lich­keit bekannt. Hier könnte man sogar seine Haus­türe sperr­an­gel­weit offen stehen lassen, es würde trotzdem nie­mand ein­bre­chen.
 
Herr Raja­mäki, Sie trai­nieren Freddy Adu nun vier Wochen. Können Sie sagen, was schief­ge­laufen ist in seiner Kar­riere?
Raja­mäki: Das kann ich schwer beur­teilen. Ich habe mit ihm einige Gespräche geführt, da erzählte er, dass er oft­mals schlecht beraten wurde. Zuletzt spielte er in Ser­bien, wo er über­haupt kein Gehalt bekommen hat. Viel­leicht hängt es auch damit zusammen, dass ihm aller­orten gesagt wurde, er sei der Hei­land und würde den Fuß­ball revo­lu­tio­nieren.
 
Glauben Sie denn, dass Adu ein Super­ta­lent ist, das unter seinen Mög­lich­keiten spielt?
Heis­kanen: Wir haben mit einigen seiner Ex-Trainer oder Weg­be­gleiter gespro­chen. Sie haben uns zumin­dest darin bestärkt, dass Adu eine Ver­stär­kung sein kann.
Raja­mäki: Ich denke, er ist ein guter Spieler, der ein­fach ein wenig Spiel­praxis und Geduld braucht. Mit dem Ball am Fuß ist er fan­tas­tisch, ohne Ball leider noch zu passiv. Ich werde ihn aber nicht nach den ersten zwei, drei oder fünf Spielen beur­teilen. Er braucht Zeit, um wieder rein­zu­kommen. Im besten Fall kann Kuopio für ihn ein Sprung­brett sein zurück in die grö­ßeren euro­päi­schen Ligen.

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