Günter Rohr­ba­cher-List, wie kam es, dass Sie ein Buch über Jacobus Co“ Prins geschrieben haben?

1992 hat der 1.FC Kai­sers­lau­tern im UEFA-Pokal gegen Ajax Ams­terdam gespielt und dabei fiel mir ein, dass Jacobus Prins aus Ams­terdam kam. Ich habe dar­aufhin beim Verein nach­ge­fragt, ob noch Kon­takt zu seiner Familie besteht und nach einer kurzen Recherche das erste Mal mit seiner Schwie­ger­mutter gespro­chen.



Und diese hat Ihnen dann hau­fen­weise Anek­doten erzählt?

Das meiste weiß ich von seiner Witwe Karin, die mir meh­rere Taschen mit Fotos und Briefen über­lassen hat. Mit Hilfe eines Deut­sch/­Nie­der­län­disch-Wör­ter­buchs habe ich mir einen Über­blick ver­schafft und ein erstes Exposé geschrieben.

Was sind denn Ihre Lieb­lings­an­ek­doten, auf die Sie wäh­rend Ihrer Recher­chen gestoßen sind?

Ich habe zwei Lieb­ling­ge­schichten über ihn. Zum einen ist er Anfang der sech­ziger Jahre oft mit einem Cadillac nach Mann­heim gefahren, um im Rot­licht­viertel zu ver­kehren. Dort hat er in den ein­schlä­gigen Bars den Leuten mit bren­nenden Zehn-Mark-Scheinen Feuer gegeben.

Was sagte denn seine Frau Karin zu sol­chen Geschichten aus dem Rot­licht­mi­lieu?

Sie hat sich dazu nie groß geäu­ßert. Mir sagte sie, dass sie sich immer einig gewesen seien und sich gegen­seitig ihre Frei­heiten gelassen haben. Da waren sie ihrer Zeit weit voraus.

Und die zweite Anek­dote, die Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?

Die Ent­füh­rung seiner damals min­der­jäh­rigen Ver­lobten. Sie war eine inter­na­tio­nale Bal­lett­tän­zerin und ein Man­ne­quin und dadurch viel unter­wegs. Er wollte sie aber immer bei sich haben. Schließ­lich ist das ganze etwas eska­liert. Prins fuhr zu einem ihrer Auf­tritte, packte sie ins Auto und ver­schwand mit ihr für län­gere Zeit. Die Eltern waren gegen die Ver­lo­bung, lösten die Ver­lo­bung öffent­lich in der Zei­tung auf und erstat­teten sogar Straf­an­zeige gegen Prins. Das war in Kai­sers­lau­tern ein rich­tiger Skandal und Prins drohten fünf Jahre Gefängnis. Die Geschichte regelte sich aber relativ schnell, als sie voll­jährig wurde.

Nicht nur im Pri­vaten, son­dern auch auf dem Fuß­ball­platz war er ein Exzen­triker und nicht bei allen beliebt.

An einem Montag wurde er in der Presse in den Himmel gelobt und eine Woche später stark kri­ti­siert. Man muss dazu sagen, dass man es damals nicht gewohnt war, dass Aus­länder in der Bun­des­liga spielen. Die meisten Profis beim FCK waren Pfälzer und so stand Prins natür­lich unter beson­derer Beob­ach­tung. In einem Moment hat er gezau­bert und im nächsten Moment stand er faul auf dem Platz herum. Das hat den Fans natür­lich nicht gefallen. Sie haben ihn dann gna­denlos aus­ge­pfiffen, wor­aufhin er sich einmal die Hose run­ter­ge­zogen hat und den Zuschauern seinen Hin­tern prä­sen­tiert hat.

Würden Sie sagen, dass Prins heute noch in der Bun­des­liga bestehen könnte?

Ein Trainer wie Felix Magath wäre für Prins undenkbar gewesen. Sie hätten sich nach vier Wochen getrennt. Prins hat nicht wie ein Profi gelebt, son­dern sein Leben genossen. Ihn hat es nicht inter­es­siert, ob am nächsten Tag ein Spiel war.

Aber da ist er in der Geschichte des FCK nicht der Ein­zige.

Ciriaco Sforza ging es ähn­lich wie Prins. Von den einen wurde er geliebt und von den anderen ver­achtet, weil er zu Bayern Mün­chen wech­selte. Er hat sich aber mit seiner Eigen­sin­nig­keit durch­ge­setzt. Jacobus Prins ist jedoch in Kai­sers­lau­tern uner­reicht. Man kann ihn auch nicht Mario Basler ver­glei­chen. Prins war weitaus intel­li­genter als Basler.

Damals waren Ver­eins­wechsel nicht so üblich wie heute. Prins‘ Fuß­ball­kar­riere ähnelt indes sehr der eines heu­tigen Profis: Viele Wechsel und Aus­lands­er­fah­rungen mit abschlie­ßender Trai­ner­kar­riere. War er eine Vor­reiter seiner Zeit?

Er war schon ein rich­tiger Glo­be­trotter. In Ams­terdam geboren, spielte er zunächst bei Ajax, wech­selte dann zum FCK, ging wieder zurück zu Ajax und später in die USA, wo er für die Pitts­burgh Phan­toms und die New York Gene­rals aktiv war. In jenen Jahren wurde er zur Freude seiner Schwie­ger­el­tern solider. Er hat dort etwa den Film Escape to Vic­tory“ mit Syl­vester Stal­lone, Pelé und Bobby Moore gedreht. Anschlie­ßend ist er wieder nach Europa zurück­ge­kehrt und hat für klei­nere hol­län­di­schen Ver­einen wie MVV Maas­tricht und Hel­mond Sport gespielt.

Haben Sie ihn jemals getroffen?

Nein, dazu war es zu spät.

Er ist ja sehr früh gestorben.

Am 24. Sep­tember 1987 starb er wäh­rend eines Spiels der alten Herren des Ant­wer­pener Vor­stadt­clubs FC Schilde. Er erzielte ein Tor, jubelte aus­giebig und erlitt dabei einen Herz­in­farkt. Eine tra­gi­sche Geschichte, aber sie passt irgendwie zu seinem Leben. Nur leider ist er mit 49 Jahren etwas zu früh gestorben.

Was wäre aus Ihm geworden?

Ich glaube nicht, dass er Trainer geworden wäre, da er eher faul war. Er hätte sich gewiss als Pri­va­tier züruck­ge­zogen und sein Café wei­ter­ge­führt.