Ich lernte Pete kennen, als er unge­fähr 14 Jahre alt war. Wir nannten ihn Young Pete“, eben weil sein Vater auch Pete hieß. Er war ein abso­luter Fan von QPR, obwohl er 300 Meilen von London ent­fernt geboren wurde. Sein Vater war in der bri­ti­schen Armee und so lebten sie immer in ganz Europa ver­streut.

Young Pete“ war ein lus­tiges Kerl­chen mit einem nahezu enzy­klo­pä­di­schen Wissen über QPR, sogar über Spiele, die 20 Jahre vor seiner Geburt statt­ge­funden hatten. Beim Thema Rock und Musik gene­rell konnte er sich genauso an alles Mög­liche haar­genau erin­nern.

Pete kam in den Neun­zi­gern zu den Spielen der Reserve. Dann eröff­nete er uns, dass er ein Fan­zine namens All Quiet On The Wes­tern Avenue“ gründen wolle. Die Wes­tern Avenue war eine große Straße neben dem QPR-Sta­dion. Auf sein Bitten steu­erten wir auch Artikel bei, obwohl ich mich darauf kon­zen­trierte, bestimmte Spieler nie­der­zu­schreiben (vor allem Brian Croft, den aller­schlimmsten unter der Sonne).

Alles mit Tippex über­strei­chen

Ein Artikel aber han­delte Pete ordent­lich Ärger ein. Ich machte mich über einen total absurden Wer­be­spot der Firma Body­form lustig, in dem sie sich durch ein Fuß­ball­spiel von Models am Strand bei Fans anbie­dern wollten. Ich konnte mir nicht ver­kneifen zu schreiben, dass eine von ihnen ein Tor aus klarer Abseits­po­si­tion schoss.

Meine Sprache war nicht beson­ders fein, zuge­geben, da waren einige unbe­hol­fene Wort­spiele drin, aber Pete druckte es genau so und fügte an: Wir haben Chris’ Kon­takt­daten an die Polizei gegeben.“ Zwei Tage später fuhr ich zum QPR-Spiel nach Anfield, als Pete auf mich zukam und um Ver­zei­hung bat. Er war total rot ange­laufen. Ich wusste nicht, was er meinte, bis ich das Heft sah.

Pete war damals erst 15, wohnte noch bei seiner Oma und hatte ihr das Heft gezeigt. Beim Lesen wurde die alte Dame so sauer, dass sie Pete zwang, jedes ein­zelne Schimpf­wort mit Tippex zu über­strei­chen. Es müssen an die 500 gewesen sein. Das Fan­zine über­lebte dann auch nur fünf Aus­gaben bis ins Jahr 1996.

Plötz­lich war er im Fern­sehen

In der Folge schloss Pete die Schule ab und ging auf die Uni. Zu dieser Zeit ver­loren wir uns aus den Augen. Im Jahr 2003 schal­tete ich den Fern­seher an, um mir die Musik­sen­dung Top Of The Pops“ auf BBC anzu­schauen. Plötz­lich sah ich da diesen Typen, der Time for Heroes“ in einer Band namens The Liber­tines“ sang. Ich dachte mir, dass der Kerl doch Young Pete“ sein müsse. Also griff ich zum Tele­fon­hörer und fragte herum.

Und tat­säch­lich: Er war nun ein Rock­star. Ich erfuhr, dass die B‑Seite von Time for Heroes“ den Titel General Smuts“ trug. Das war ein süd­afri­ka­ni­scher General, aber auch der Name eines absolut her­un­ter­ge­kom­menen Pubs in der Nähe von Loftus Road, dem Sta­dion von QPR. Also wenn da draußen irgend­je­mand die Liebe von Pete Docherty zu QPR in Frage stellen sollte, so kann ich ver­si­chern: Er war von Kin­des­beinen an ver­rückt nach diesem Verein.