Vor dem Erst­run­den­spiel gegen For­tuna Düs­sel­dorf geht beim HSV die Angst um: Wird sich die Plei­ten­ge­schichte fort­setzen? In Düs­sel­dorf jeden­falls plant man eine infame Taktik, um den Bun­des­liga-Dino­sau­rier zu Fall zu bringen. Hun­derte Papier­ku­geln sollen aufs Spiel­feld geworfen und so – wie wei­land gegen Werder – die sieg­brin­gende Ecke pro­vo­ziert werden. 



Zuletzt stand der HSV 1997 in der Vor­schluss­runde des Pokal­wett­be­werbs. Es gab eine bit­tere 1:2‑Niederlage beim VfB Stutt­gart, der anschlie­ßend den Pott gegen Energie Cottbus gewann. Seit 1987 konnte der Bun­des­liga-Dino kei­nerlei Titel mehr erringen, ein Sta­chel, der tief sitzt. Der spä­tere Sport­chef Dietmar Bei­ers­dorfer erzielte damals beim 3:1 gegen die Stutt­garter Kickers den Treffer zum 1:1‑Ausgleich und erin­nert sich: Natür­lich ist so ein Pokal­sieg im Olym­pia­sta­dion etwas ganz Beson­deres.“

In der letzten Saison Jahr hatten die Ham­burger immerhin bis in das Vier­tel­fi­nale hinein das not­wen­dige Los­glück, das ihnen in den Jahren zuvor oft ver­sagt geblieben ist. 2008 schei­terten sie im Vier­tel­fi­nale in Wolfs­burg nach einem Elf­me­ter­ge­schenk für die Gast­geber. 2006 unterlag man beim Dritt­li­gisten Stutt­garter Kickers in der ersten Runde, 2005 war nach einer 0:1‑Niederlage nach Ver­län­ge­rung im Ach­tel­fi­nale bei Bayern Mün­chen End­sta­tion.

Und im Jahr davor trieb Robert Hoyzer sein Unwesen. Der bestech­liche Schieds­richter sorgte mit einem Platz­ver­weis und zwei Elf­me­tern ganz wesent­lich für die Erst­runden-Nie­der­lage 2004 mit 2:4 beim SC Pader­born. Der HSV bekam zwar später vom Deut­schen Fuß­ball-Bund (DFB) eine Ent­schä­di­gung in Mil­lio­nen­höhe, die sport­liche Chance war aber wieder einmal ver­loren, der Raus­wurf von Trainer Klaus Topp­möller ein­ge­leitet – und es gab die Bla­mage, erneut gegen einen unter­klas­sigen Verein geschei­tert zu sein.

Wir fahren zum Schüt­zen­fest“

Denn an diese beson­dere HSV-Geschichte erin­nert sich bun­des­weit fast jeder Fuß­ballfan – zumin­dest die älteren. Eppingen! Der nord­ba­di­sche Ort wurde bun­des­weit zum Syn­onym für Zwer­gen­auf­stände. Der große HSV wurde mit Scha­den­freude über­schüttet, neu­trale Fuß­ball­freunde beju­belten das damals noch unmög­lich Schei­nende. Die Han­seaten leis­teten sich in der zweiten Runde 1974 gegen den Dritt­li­gisten VfB Eppingen eine 1:2‑Niederlage. Die Worte Wir fahren zum Schüt­zen­fest“ sollen im Mann­schaftsbus gefallen sein, gefeiert aber hat nur der 25 Jahre alte Stu­dent Gerd Störzer, der beide Tore erzielte. Mil­lionen sahen die Bla­mage in der Sport­schau, auch des­halb hat sie ihren gesten Platz in der Pokal­ge­schichte (auf dem Foto zu sehen: Eppin­gens Keeper mit den Gold­händen“, Volker Geb­hard).

Genau zehn Jahre später wie­der­holte sich die Pleite. Am 1. Sep­tember trat der deut­sche Vize­meister mit seinen Top­stars Kaltz, Magath, von Heesen und Rolff beim SC Geis­lingen in der Schwä­bi­schen Alb an. Diesmal ver­loren die Ham­burger mit 0:2. Trainer Ernst Happel sus­pen­dierte anschlie­ßend Wolfram Wuttke und schickte selbst Man­fred Kaltz für zwei Wochen in Zwangs­ur­laub.