Vor dem Cham­pions-League-Finale sind die Rollen klar ver­teilt: Die Bayern, bekannt für ihre hohen Ball­be­sitz­werte, treffen mit Chelsea auf einen kon­ter­starken Gegner. Zwar ist es unwahr­schein­lich, dass di Matteo sein Team aber­mals 90 Minuten am eigenen Sechs­zehner ver­bar­ri­ka­diert. Den­noch dürften die Bayern gegen ihren eher defensiv den­kenden Gegner am Ende in der Ball­be­sitz­sta­tistik vorne liegen.

Ent­schei­dend wird sein, wie sie ihren Ball­be­sitz im Mit­tel­feld nutzen: Toni Kroos und Bas­tian Schwein­s­teiger sollten ver­su­chen, direkt den Weg in die Spitze zu suchen. Wenn sie zu oft den Quer­pass spielen, werden sie gegen den geg­ne­ri­schen Defen­siv­ver­band kaum ankommen – wenn die Lon­doner eins können, dann ball­ori­en­tiertes Ver­schieben.

Lücken im Mit­tel­feld

Für Bayern könnte jedoch die Sperre von Gus­tavo zum Pro­blem werden: Bei einem Dreier-Mit­tel­feld, bestehend aus Schwein­s­teiger, Kroos und Thomas Müller, fehlt der defen­sive Staub­sauger Gus­tavo, der die Räume hinter den offensiv den­kenden Akteuren absi­chert. Aller­dings hat Chelsea auf der anderen Seite mit ähn­li­chen Pro­blemen zu kämpfen: Durch die Sperre von Ramires, der hinter Lam­pard die Räume schließt, fehlt bei ihnen ebenso eine Absi­che­rung. Die Rück­wärts­ar­beit des eng­li­schen Natio­nal­spie­lers ist jedoch nicht seine stärkste Dis­zi­plin.

Bei beiden Teams könnten so Lücken zwi­schen Abwehr und Mit­tel­feld ent­stehen. Es wird eine span­nende Frage, wel­ches Team diese Lücken besser nutzen kann. Die Bayern sind hier mit Thomas Müller sehr gut auf­ge­stellt, der WM-Tor­schüt­zen­könig ist stark im Besetzen von freien Räumen.

Defensiv müssen die Bayern sich vor den starken Kon­tern ihrer Gegner in Acht nehmen: Didier Drogba dürfte als vor­derste Spitze auf Anspiele warten, die er halten und wei­ter­leiten kann. Innen­ver­tei­diger Jerome Boateng sollte den Ivorer durch­ge­hend bewa­chen – der zier­lich gebaute Bad­stuber-Ersatz­mann Ana­tolij Tymosh­chuk dürfte mit seinen 1,81 m gegen den 1,88 m Koloss Drogba wenige Chancen haben, ins­be­son­dere in Kopf­ball­du­ellen. Daniel van Buyten, in der Theorie der ideale Gegen­spieler gegen Drogba, wird wohl nicht recht­zeitig fit werden.

Duelle auf Außen

Zudem müssen die Bayern auch auf den Flü­gel­po­si­tionen hell­wach sein: Drogba sorgt dort gerne für Über­zahl­si­tua­tionen. Auf der linken Seite dürfte Alaba-Ersatz Con­tento zudem auf Daniel Stur­rigde bzw. Juan Mata treffen. Gegen die zwei dyna­mi­schen Dribbler wird er einen starken Tag brau­chen. Aber auch Lahm dürfte defensiv von seinem Gegen­spieler, wahr­schein­lich Salomon Kalou, gefor­dert werden. Die Außen­ver­tei­di­ger­po­si­tionen konnten daher eine ent­schei­dende Rolle spielen: Lahm und Con­tento müssen einer­seits defensiv auf der Hut sein. Ande­rer­seits müssen sie auch Vor­stöße wagen, um Ribery und Robben gegen die zu erwar­tende Doppel- bzw. Drei­fach­de­ckung zu unter­stützen.

Es wird ent­schei­dend sein, dass die Mün­chener Flü­gel­ver­tei­diger die rich­tige Balance aus Angreifen und Ver­tei­digen finden.

Bei Frei­stößen die Nummer Eins

Grund­sätz­lich sollte Bayern jedoch nicht die schlech­testen Karten in diesem Finale haben. Mann­schaften wie Chelsea, die vor allem mit ihrer Physis punkten, liegen den Münch­nern in dieser Saison. Im Ide­al­fall geben die Spieler des FC Chelsea, die in der Pre­miere League die meisten Gelben und Roten Karten aller Teams kas­sierten, Frei­stöße in ent­schei­denden Posi­tionen her.

Dass die Mün­chener geg­ne­ri­sche Fouls zu nutzen wissen, zeigt die Sta­tistik: Mit acht Tref­fern nach Frei­stößen und Elf­me­tern sind sie in diesem Bereich die klare Nummer Eins in der Cham­pions League. Ein guter Frei­stoß von Kroos, ein Kopf­ball von Gomez, und aus dem Finale Dahoam“ könnte ganz schnell ein Titel dahoam“ werden.