In der Saison 2000/01 spielte der FC Energie Cottbus – für viele uner­klär­lich – plötz­lich erst­klassig. Von Anfang an war klar, dass keine Wunder zu erwarten waren. Impro­vi­sa­tion und out-of-the-box-Denken waren gefor­dert, um mit mini­malem Etat die Klasse zu halten. Cottbus, dritter Auf­steiger, wollte mehr sein als ori­gi­nelles Groundhopper-Ziel, das Neu­gie­rige anlockt. Für fast alle Experten stand das Team aus Bran­den­burg früh als Absteiger Nummer eins fest. Aber sie machten die Rech­nung ohne das Silicon-Valley-Denken der Prot­ago­nisten.

I want to do one thing, and do it well.“
Jan Koum von Whatsapp“ – oder Energie-Prä­si­dent Dieter Krein?

War die Liga bereit für den Neu­ling? Nicht wirk­lich. Moment, eher so: Um Him­mels Willen, nein. Zwar hatte man in den Jahren zuvor schon Neu­linge wie Wolfs­burg, Unter­ha­ching und Ulm begrüßt, die nicht zum tra­di­tio­nellen Stamm der ersten Liga gehörten. Kleine Märkte, Erst­auf­steiger, Unbe­kannte. Man war also zu Teilen schon daran gewöhnt, dass auf­müp­fige Teams aus nicht-tra­di­tio­nellen Erst­liga-Märkten in die erste Liga drängten. Aber Energie Cottbus? Vom Rand der Repu­blik? Kein 1.FC, kein VfL, kein Spiel­ver­ei­ni­gung im Namen, statt­dessen das retro-ulkige Energie? Ein Team, das im Sta­dion der Freund­schaft“ spielt?

Das war alles sehr, sehr fremd, und als es zum Ende der Saison 99/00 tat­säch­lich so aussah, als sollte der FC Energie als Zweit­liga-Dritter mit hoch in die erste Fuß­ball-Bun­des­liga rut­schen, war das Wort Sen­sa­tion“ in jedem Bericht zu finden. Das hatte viel mit der Pikiert­heit einer Liga zu tun, in der viele lieber die Bun­des­liga-Urge­steine Nürn­berg und Mön­chen­glad­bach hätten auf­steigen sehen als den scheinbar uner­forschten Markt an der Grenze zu Polen. Prä­si­dent Dieter Krein küm­merte das nicht. Er for­derte nur eine Sache: Auf­steigen. Und drin bleiben. Alles andere zählte nicht. Und das war schon schwierig genug.


Move Fast and Break Things.“
Mark Zucker­berg – oder Bruno Akra­povic?

Der Star der Energie-Mann­schaft von 2000/01 war Bruno Akra­povic. Als ein­ziger Name, den man kannte, war er für Reporter der Ret­tungs­anker, ein Mann, der auch in Inter­views nicht ver­kehrt war. Vor der Saison hatte Klaus Sta­bach seinen Mini-Geld­koffer geöffnet und Bruno von Tennis Borussia Berlin geholt. Da stand der Mit­tel­feld­spieler aber auch schon kurz vor seinem 33. Geburtstag, und Sta­bach muss sich bewusst gewesen sein, dass er nicht mehr viele Kilo­meter aus dem alt­ge­dienten Hau­degen her­aus­leiern würde. Aber für die eine Saison würde es noch rei­chen. Der knor­rige Akra­povic war in einem Haufen knor­riger Typen der knor­rige König, hatte die meisten Ein­sätze im Mit­tel­feld, holte sich mit seiner robusten Spiel­weise ein paar Mal Gelb und erfüllte die Rolle, die man von einem Anführer erwartet.