Seite 3: Mehr Nachtreten als Vorangehen

Dabei ist Emerys Ent­schei­dung, den häufig nicht über­ra­genden, aber schuss- und zwei­kampf­starken Sechser zum Spiel­an­führer zu ernennen, durchaus nach­voll­ziehbar: Die fast schon über­mäßig breite Brust eines Lea­ders“ begleitet den 27-Jäh­rigen schon seine ganze Kar­riere. Das stellte Xhaka nicht erst bei Arsenal, son­dern auch zuvor in Glad­bach und Basel unter Beweis. Das Pro­blem ist viel­mehr, dass er diese ange­bo­rene Bis­sig­keit nicht kata­ly­sieren kann und mit seiner Aggres­si­vität oft übers Ziel hinaus schießt.

Gerade nach Rück­ständen senst Xhaka zwar gerne in Vor­zeige-Leit­wolf-Manier den nächst­besten Gegen­spieler auf Höhe der Mit­tel­linie um, in den letzten Jahren führte das aber eher zu seiner schier unglaub­li­chen Ansamm­lung von Karten als zu einer Ver­än­de­rung des Spiel­ver­laufs. Bereits 40 Gelbe und zwei Rote Karten sam­melte Xhaka in seiner Zeit bei Arsenal. Zwi­schen 2014 und 2017 waren es gar neun Platz­ver­weise. Rück­schläge erzeugen bei ihm oft die Atti­tüde eines belei­digten und bockigen Kindes. Viel Wut, viel Geschimpfe, aber kein unbrech­barer Anführer-Sie­ges­wille, der selbst beim 0:4 des Geg­ners noch an die Wende glaubt. 

Keine Bes­se­rung in Sicht 

Doch genau das ver­langen die Fans von einem Kapitän: Unbän­diges Moti­vieren und stän­diges Antreiben statt unnö­tiger und über­harter Frust­fouls. Bei all den Rück­schlägen, die der FC Arsenal in dieser Saison ver­kraften musste, brachte die erneut ver­spielte Füh­rung gegen Crystal Palacce das Fass im Emi­rates am Sonntag schlicht zum Über­laufen.

Und so bleibt abzu­warten, wie sich Xhakas Zukunft bei den Nord-Lon­do­nern ent­wi­ckelt. Auf der Pres­se­kon­fe­renz vor dem heu­tigen Liga-Pokal­spiel gegen Liver­pool erklärte Unai Emery, sein Schütz­ling fühle sich kata­stro­phal“ und sei am Boden zer­stört“. Der Kapi­täns­frage und ob Xhaka über­haupt nochmal für Arsenal auf­laufen werde, wich sein Coach jedoch kon­se­quent aus: Im Moment spreche ich nicht dar­über und möchte auch nicht dar­über spre­chen. Erstmal muss er sich erholen, als Mensch und als Spieler.“ 

Wenigs­tens Team­kol­lege Héctor Bel­lerín stellte sich hinter seinen Kapitän und ver­suchte, via Twitter die Wogen zu glätten: Wir sind alle Men­schen, wir haben alle Emo­tionen und manchmal ist es schwer, mit denen umzu­gehen. Es ist Zeit, ein­ander hoch­zu­heben, nicht ein­ander weg­zu­stoßen. Wir gewinnen nur, wenn wir zusammen sind.„ Von diesem Zusam­men­schluss sind die Fans des FC Arsenal und Granit Xhaka momentan jedoch mei­len­weit ent­fernt.