Seite 2: Weitere beeindruckende Serien

Auf­merksam auf den Klub aus dem Nord­westen Lon­dons wurde er in der Saison 1975/76, in Zeiten, als QPR sogar noch um die Meis­ter­schaft mit­spielte. Zunächst mochte ich ein­fach nur den Sound des Ver­eins­na­mens.“ Sein erster Gang ins Sta­dion sollte erst drei Jahre später folgen. Zum Heim­spiel gegen New­castle United nahm ihn der Deko­ra­teur (!) seiner Oma (!) mit, der eine Dau­er­karte hatte. Er setzte mich auf einen Holz­ho­cker, sodass ich mehr sehen konnte.“ Und seither hat Kemp mehr als 25 Pro­zent aller Spiele der Ver­eins­ge­schichte gesehen. Die Queens Park Ran­gers grün­deten sich 1882.

Spar­rings­partner QPR

Legen­däre, geschichts­träch­tige Spiele sind, nun ja, selten Queens-Park-Ran­gers-Spiele. Dafür ist der Klub schlicht nicht erfolg­reich genug. Aber als Spar­rings­partner für Pre­mier-League-Mei­len­steine bril­lierten die Blau-Weißen in den ver­gan­genen Jahr­zehnten durchaus. Etwa als der FC Liver­pool 1990 in Anfield gegen QPR spielte und die Reds durch Tore von Ian Rush und John Barnes die letzten Meis­ter­schaft der Ver­eins­ge­schichte klar­machten. Oder bei Man­Citys Last-Minute-Meis­ter­schaft 2012, als Kun Agüero im Etihad Sta­dium gegen die Ran­gers das Spiel drehen konnte.

Chris Kemps Fan-Vita durch­ziehen sämt­liche Höhen und Tiefen: Er hat den Pre­mier-League-Auf­stieg 2014 im Wem­bley Sta­dium erlebt, einen 4:1‑Sieg über Man­United im Old Traf­ford 1992, Siege über den FC Liver­pool, FC Arsenal, Spurs und Man­City, ein 4:4 nach 0:4‑Rückstand gegen Port Vale, und genauso hat er 0:6‑Heimniederlagen gegen New­castle United gesehen, ver­lo­rene Play­offs in der Auf­stiegs­runde, ver­geigte Elf­me­ter­schießen, tor­lose Remis am Mon­tag­abend. Daher meint er auch: Das schöne daran, Fan von QPR zu sein, ist, dass du nie weißt, was als nächstes pas­siert.“

Haupt­sache nicht nichts

Eine Unge­wiss­heit wie die der gegen­wär­tigen Krise wird aller­dings auch er noch nicht erlebt haben. Wann er ein Sta­dion das nächste Mal betreten darf, wissen nicht einmal die Ent­schei­dungs­träger des eng­li­schen Fuß­balls. Sollte die Saison aber in nächster Zeit fort­ge­setzt werden, dann unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit. Da wird er sich nicht zu einer kleinen QPR-Enklave auf der Haupt­tri­büne schlei­chen können wie damals bei Luton Town. Es seien schwie­rige Tage für ihn, erzählt Chris Kemp.

Um aber halb­wegs unbe­schadet durch die fuß­ball­freie Zeit zu kommen, hält er an seinen Rou­tinen fest: Ich trage immer noch Sams­tags mein QPR-Trikot und mache meinen Lauf durch den Park, wie vor jedem Heim­spiel.“ Zum Zeit­ver­treib habe er einige seiner alten Roy of the Rovers“-Comics raus­ge­kramt. Er besitzt die gesamte Samm­lung von 872 Exem­plaren. Irgendwie müsse es wei­ter­gehen. Haupt­sache nicht nichts.

Es gibt überall einen

In tur­boschnellen Fuß­ball­zeiten ist Chris Kemp ein schönes Über­bleibsel, eine Loya­li­täts­figur, ein­ge­packt ins blau-weiß gestreifte Trikot. Ein Ein­zel­fall ist er aber nicht. Denn fast jeder Verein dürfte einen Fan haben, der seit zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, viel­leicht sogar siebzig Jahren kein Spiel ver­passt hat. 

2018 ist Derek Eston, Fan von Swindon Town, für sein 2000. Spiel in Folge geehrt worden. Die letzte Begeg­nung, die er ver­passt hatte, fand 1981 statt. Dabei lebt er nicht einmal in Swindon, son­dern in Nort­hampton – siebzig Meilen ent­fernt. Oder Keith McAl­lister, Fan des schot­ti­schen Queens Park FC, der sogar seit 1979 kein Spiel mehr ver­passt haben soll. Die Legende des Super­fans“ von Leeds United, Gary Edwards, besagt, er habe gar seit 1968 nur ein Vor­be­rei­tungs­spiel seiner Mann­schaft in Toronto ver­passt, weil das Per­sonal der Flug­si­che­rung sei­ner­zeit streikte und die Maschine nicht abheben konnte.

Und doch gibt es immer einen, der noch länger dabei ist. Die impo­san­teste Serie hält wohl Derek Eley: Der 102-jäh­rige Fan von Derby County soll in den ver­gan­genen 88 Jahren nur ein Spiel seines Klubs ver­passt haben – und das aus gutem Grund: Er ist 1939 in den Zweiten Welt­krieg ein­ge­zogen worden. Als der Fuß­ball 1945 wieder auf­ge­nommen wurde, stand Eley wieder auf der Tri­büne.

Nun könnten all diese Serien reißen.