Anzeige
Präsentiert von MagentaSport

3. Liga

Seite 3: 2019/20: Neue Liga, neue Ziele

Mann­heimer sind stolze Men­schen. Sie tragen immer noch die Arbei­ter­men­ta­lität der Grün­der­väter im Herzen. Zwi­schen den Bara­cken der Benz – Werke wurde der Verein gegründet. Otto Siff­ling, nach dem die Tri­büne benannt ist, war Natio­nal­spieler und arbei­tete als Modell­schreiner im Benz-Werk. Wir sind Barackler“, sagt Simone, die hinter Dash im Fanbus sitzt. Früher hat sie die Kas­sen­häus­chen an den Spiel­tagen betreut und auch mal den Wäsche­trockner für den Zeug­wart ange­stellt. Heute küm­mert sie sich im Fanbus um die Geträn­ke­kasse. Wenn der Waldhof zum Monats­ende spielte, hat man­cher Fan mit seinem letzten Kup­fer­geld den Ein­tritt bezahlt. Das ist erst ein paar Jahre her.“

Klein­krieg mit dem DFB

Zwi­schen dem Verein und dem DFB hat sich ein Zwei­kampf ent­wi­ckelt. Ver­bands­vi­ze­prä­si­dent Rainer Koch sagte zu den Vor­fällen beim Spiel gegen Uer­dingen: Das war Terror im Sta­dion.“ Waldhof Mann­heim aber zog vor das Land­ge­richt Frank­furt, das ihnen recht gab. Mann­heims Spieler dürften nicht für die Taten der Fans belangt werden. Viel­leicht auch des­halb kam der DFB dem Verein nicht gerade ent­gegen, als die Sper­rung der Otto-Siff­ling-Tri­büne auf­ge­hoben werden sollte.

Die Tri­büne ist des­halb leer, als Waldhof Mann­heim gegen Worms end­gültig auf­steigt. Eigent­lich sind sie das schon letzte Woche in Offen­bach, aber in Mann­heim rechnet jeder trotz des Urteils des Land­ge­richts weiter mit der Drei-Punkte-Strafe des DFB. Waldhof hat diese Saison wieder die Liga domi­niert, nur zwei Nie­der­lagen in 31 Spielen. Wir sind eine Gruppe aus Gestörten“, sagt Tor­wart Markus Scholz. Als er sich nach dem Sieg gegen Worms eine Zigarre anzündet, Bier aus Papp­be­chern trinkt und seinem Freund Marcel See­gert beim Tanzen auf Bier­ti­schen zusieht, ist auch rech­ne­risch alles sicher. Er spürt Erleich­te­rung. See­gert ist erst in der Win­ter­pause zurück­ge­kommen. In Sand­hausen hat er es nicht mehr aus­ge­halten, er kam eh jedes Wochen­ende zurück, um sich die Heim­spiele seines alten Ver­eins anzu­sehen. Dann könne er auch gleich mit­spielen, hat er gesagt.

Nach Lau­tern und Meppen

Eine Woche später, beim Aus­wärts­spiel in Hom­burg, ist die Stim­mung gelöst. Das Team und seine Anhänger befinden sich auf Abschieds­tournee durch die Regio­nal­liga Süd­west. Das Sta­dion des FCH ist umgeben von Laub­wald. Zweige liegen auf dem nassen Tri­bü­nen­beton, in die Luft mischt sich der Geruch von Gras. Ich glaube erst dran, dass wir Dritte Liga spielen, wenn der erste Anstoß aus­ge­führt ist“, sagt Anhän­gerin Simone. Die Mann­heimer sind miss­trau­isch geworden. Gerade muss der Verein noch einige Auf­lagen erfüllen. Es geht um Sicher­heiten und eine Rasen­hei­zung. For­ma­lien, sagen alle Betei­ligten.

In Hom­burg spielt der Waldhof 2:2. Die Fans singen wieder: Marmor, Stein und Eisen bricht. Aber unser Waldhof nicht.“ Sie sind unge­bro­chen. Nächstes Jahr fahren sie nach Mün­chen zu 1860, zum Derby nach Kai­sers­lau­tern. Und natür­lich nach Meppen. Ich werde da ankommen“, hat sich Marcel See­gert vor­ge­nommen, und dann werde ich dem rechten Pfosten hallo sagen.“ Und diesmal, das ver­spricht er, wird die Rück­fahrt ganz sicher nicht leise.