Es ist Zeit zum Inne­halten. Es ist Zeit zum Umdenken“, schreibt der Prä­si­dent zu Beginn seines offenen Briefes auf der eigenen Face­book­seite. Und er meint damit nicht allein die Ultras, deren Auf­mär­sche und Kriegs­er­klä­rungen“ ihn nach eigenen Angaben in den letzten Woche sehr betroffen gemacht haben. Nein! Grindel meint auch den DFB.

Aus­ge­rechnet der DFB-Prä­si­dent Rein­hard Grindel setzt ein Zei­chen. Ein Zei­chen für den Dialog mit den Fans. Mit allen Fans.

DFB dankt den Ultras

Dazu erkennt er in seinem Brief an: Auf der ganzen Welt wird Deutsch­land um seine gute Stim­mung in den Sta­dien beneidet. Fan­kul­turen mit ihren beein­dru­ckenden Cho­reo­gra­phien, krea­tiven Aktionen in den Sta­dien und gesell­schaft­li­chem Enga­ge­ment außer­halb schaffen eine ein­zig­ar­tige Atmo­sphäre. Das erkennt der DFB aus­drück­lich an, und hierfür sind wir dankbar. Die Vor­stel­lungen vieler Betei­ligter von einem emo­tio­nalen und sicheren Sta­di­on­er­lebnis liegen dabei oft dicht bei­ein­ander.“

Ein State­ment mit Strahl­kraft, denn es scheint, als habe wirk­lich ein Umdenken beim DFB begonnen. Auch die Ultras, die bunten Blöcke und lauten Kurven haben ein Recht im Fuß­ball­sta­dion ihrer Lei­den­schaft nach­zu­gehen. Und der Ver­band ist, laut Text, sogar dankbar dafür. Dass Emo­tionen und Sicher­heit nicht immer ver­träg­lich mit­ein­ander ein­her­gehen, ist klar. Es scheint aber, als würden Grindel und der DFB end­lich wieder Emo­tionen respek­tieren.

Aus­ge­rechnet jetzt

In Zeiten, in denen ver­zwei­felte Ultra­gruppen in Dresden den DFB-Vize­prä­si­denten Rainer Koch zum Gespräch bitten und nach ein­dring­li­chen an ihn gerich­teten Worten trotzdem kei­nerlei Hoff­nung schöpfen. In Zeiten, in denen sich Anhänger von Hansa Ros­tock und Hertha BSC zum Leid­wesen des Sports die Hölle heiß machen. Und in Zeiten, in denen Martin Kind die Über­nahme von Han­nover 96 plant. Aus­ge­rechnet in diesen Zeiten, macht Grindel einen Schritt auf die Fans zu.

Er werde dem Kon­troll­aus­schuss emp­fehlen, bis auf Wei­teres auf Kol­lek­tivstrafen gegen unbe­tei­ligte Fans zu ver­zichten. Also: keine Block­sperren, keine Teil­aus­schlüsse, keine Geis­ter­spiele. Für die Ultras ist dieses Angebot ein Blan­ko­scheck – den sie hof­fent­lich nicht sinnlos ver­prassen.

Maß­ein­heit: Taten

Wor­über er nicht schreibt: die drin­gend not­wen­dige Reform der Regio­nal­ligen, den Streit um die chi­ne­si­sche U20 und der frag­wür­digen Ver­tei­lung von Pokal­gel­dern. Hierzu hatte Grindel bereits Stel­lung bezogen. Fehler in der eigenen Arbeit sieht er nicht.

Und trotzdem: Wir haben ver­standen“, schreibt Grindel, dass es um mehr geht. Der Fuß­ball in Deutsch­land steht auch für Steh­plätze, faire Ein­tritts­preise und die 50+1‑Regel. Der DFB meint es mit dem Angebot zum Dialog ernst.“

Mit dem heu­tigen Brief schürt er die Hoff­nungen, dass ein Dialog im fest­ge­fah­renen Kon­flikt zwi­schen Ver­bänden und Fans noch mög­lich ist. Es ist eine echte Ansage. Aber ein Brief ist schnell geschrieben, sein Wert wird aus­schließ­lich an seinen Taten gemessen werden.