Und am Samstag werden einige (obwohl aktive) Ver­treter der Dort­munder Fan­szene den Ground Wild­park­sta­dion erst­mals abhaken können. In Karls­ruhe waren einige ein­fach noch nicht.

Und was ist das für ein tra­di­ti­ons­rei­ches Gemäuer! Oliver Kahn bekam hier seine ersten ernst­zu­neh­menden Schüsse auf den Kasten, Mehmet Scholl wurde zum Teenie-Idol. Das Sta­dion, eines der wenigen, deren Namen noch nicht von Kon­zernen geschändet wurden, ist die fuß­bal­le­ri­sche Geburts­stätte von Edgar Euro-Eddy“ Schmitt, Schau­platz legen­därer Uefa-Cup-Schlachten in den 90er Jahren: 7:0 gegen Valencia nach ver­lo­renem Hin­spiel; Girondins Bor­deaux und der AS Rom schei­terten gegen die Jungs von Win­fried Schäfer. Die Rede war der­weil stets vom KSC 2000, der spä­tes­tens mit der Jahr­tau­send­wende den Tro­phä­en­räuber der Liga geben sollte. Doch das trat genauso wenig ein, wie das pro­phe­zeite Y2K-Desaster inklu­sive Welt­un­ter­gang. Mit Edmund Becker und seinem Trai­ner­team, von dem alle vorher beim KSC kickten, ging es end­lich wieder frisch in die erste Liga, wo der Mann­schaft gleich ein eisiger Wind ent­gegen wehte, den man im son­nigen Süd­westen der Repu­blik so selten spürt.

Der Mann, der für den Auf­stieg maß­geb­lich ver­ant­wort­lich war, hat indes die Seiten gewech­selt. Gio­vanni Federico wurde im ver­gan­genen Jahr Tor­schüt­zen­könig (19 Treffer) der zweiten Liga und eben­falls deren Tops­corer. Ätsch, der ist jetzt bei uns. Und hat bestimmt extremst Lust, gegen seinen alten Verein das eine oder andere Mal zwi­schen die Stangen zu treffen. Soll ja schließ­lich früher schon für Borussia gebrüllt haben, der junge Mann aus dem Land des Fuß­ball­welt­meis­ters und der Ndran­gheta, geboren in Hagen.

Nur was sind das für Vor­zei­chen? Nach dem Debakel in der hinter uns lie­genden eng­li­schen Woche hätten eigent­lich alle Angli­zismen sofort ver­boten werden müssen. But anyway, the Show muss wei­ter­gehen und You’ll never lauf allein. Beweg­lich­keit und Geis­tes­fri­sche wird Thomas Doll seinen gegen den HSV stüm­pernden Innen­ver­tei­di­gern wohl kaum in der kurzen Zeit ver­mit­telt haben. Also spielt der BVB in Baden wieder west­fä­li­sches Defensiv-Rou­lette. Kapitän Wörns scheint gesetzt, ob Markus Brzenska seine Come­dy­ein­lage vom Dienstag wie­der­holen darf, bleibt dahin­ge­stellt. Als Alter­na­tiven stünden der so überaus über­legen in die Saison gestol­perte Robert Kovac und der von Doll selt­sa­mer­weise kaum beach­tete Martin Ame­dick bereit.
Philipp Degen könnte nach aus­ku­rierter Ver­let­zung wieder die Ball­ver­luste auf der rechten Seite über­nehmen, wäh­rend für die von Flo­rian Kringe drin­gend ein Ver­treter her muss. Der Spieler mit der Rücken­nummer 6 wollte gegen Ham­burg ein Zei­chen setzen, hatte aber ver­gessen, dass er bereits ver­warnt worden war. So etwas pas­siert in der ganzen Hektik auf einem Fuß­ball­platz! Kringes Kampf­geist – und hier endet die Ironie zeit­weilig – wird der Mann­schaft sicher im Sta­dion im Hardt­wald fehlen, wo es nicht nur gegen elf Spieler und ein laut­starkes Publikum, son­dern auch gegen Mas­kott­chen Willy Wild­park“, ein Wild­schwein, geht. Die alte Sau! Und die hat nicht einmal was mit Chris­tian Wück zu tun.

Wer im Sturm spielt, nachdem der BVB-Coach den zuletzt über­zeu­genden Mladen Petric im Flut­licht­spiel wegen eines Mus­kel­fa­ser­risses raus­nahm? Buckley? Doch Nelson Valdez? Katze Zum­dick? Und gibt’s einen Klimo-Wandel? Ich weiß es doch auch nicht. Mehmet Akgün hatte am Dienstag ja auch keiner so recht auf der Liste. Sollte Degen noch nicht fit sein, kommt der junge Türke für seinen dritten Bun­des­li­ga­ein­satz in Frage, gehörte er doch beim 0:3 zu den weniger erbärm­li­chen Akteuren in schwatz­gelb. Im Tor gesetzt ist Roman Wei­den­feller und das ist das einzig Rich­tige.

Die Elf von Edmund Becker ermau­erte sich unter der Woche einen Aus­wärts­sieg bei der Frank­furter Ein­tracht. Mit dabei war auch der Her­tener Chris­tian Timm, der bis 1999 das Dort­munder Trikot trug. KSC-Stürmer Bradley Car­nell wird Delron Buckley am Samstag beweisen wollen, wer der bes­sere Süd­afri­kaner ist.

In der Kate­gorie Vor­sicht!“ listet die Fan­ab­tei­lung bei jedem Aus­wärts­spiel zu erwar­tende Kon­flikte auf. Da diese Rubrik in Sachen Karls­ruhe bis­lang nur mit dem wenig auf­schluss­rei­chen Wört­chen folgt“ gefüllt ist, hier mal ein echter Insi­der­tipp des Autors: Haltet euch in KA von den Boxern fern. Die sind näm­lich ziem­lich gut. 1200 Mit­glieder zählt die Faust­kampf-Abtei­lung des KSC, hier lernte Sven Ottke das Kloppen.